Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 217 — Del. Chasanowitsch: Ich kann diese Worte des Herrn Vorsitzenden nur bestätigen. Ich wollte nur ein in die Augen springendes Beispiel dafür anführen, wie es vorkommen kann, daß manchmal sich die allerverschiedensten Richtungen in einem Punkte streifen können. Ich habe die größte Hochachtung vor Misrachisten, wenn sie die jüdische Kultur fördern oder auf dem nationalen Kongreß arbeiten. Noch mehr: meine Ueberzeugung ist: unter den orthodoxen Gesinnungsgenossen sind manchmal mehr nationale Elemente als unter den Juden, die sich national nennen. (Beifall.) Das beweist, alle Wege gehen zusammen zur Regeneration, das beweist, daß die Lebensmöglichkeiten der Organisation berücksichtigt werden müssen und man nicht die eine Organisation verletzen und zurückstoßen darf. Soweit die hebräische Kultur innere Wahrheit hat, wird sie auf anderem Wege als durch Zwang zu ihrem Ziele kommen. (Beifall und Zischen.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Zur Geschäftsordnung hat Herr Dr. Heinrich Loewe das Wort. Del. Dr. Loewe (hebräisch): Wir unterzeichneten Delegierten, 80 an der Zahl, protestieren entschieden dagegen, daß alle Drucksachen, die hier verteilt werden, der Bericht und andere, nur in deutscher Sprache verteilt werden und nicht in hebräischer Sprache. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Herr Feldstein, einer der Direktoren des I. C. T., gibt die Erklärung ab, daß er diese Sitzung des Kongresses, die zum erstenmal ganz in hebräischer Sprache vom Präsidium geleitet worden sei, in das Goldene Buch des N. F. eintrage. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Es handelt sich um die Wahl der Kommission. Als Mitglieder der Kommission fungieren: 1. die vier Generalredner, 2. unser Referent und 3. die Personen, die besondere Anträge haben. Die Kommission wird eine Beratung abhalten, und vielleicht wird sie zu allgemeinen Beschlüssen gelangen. Das ist der Vorschlag des Vorsitzenden. Gegenwärtig hat nur Herr S o k o 1 o w das Schlußwort und morgen werden wir fortsetzen. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Ich lasse über diesen Vorschlag abstimmen. Diejenigen, die dafür sind, bitte ich die Hand zu erheben. (Geschieht.) Angenommen. Del. Sokolow (hebräisch): Ich verzichte auf das Schlußwort. In den von manchen Rednern geäußerten Ansichten sind manche Schiefheiten enthalten, die bei einem Außenstehenden wohl begreiflich, im einzelnen zu widerlegen aber eine lange Rede beanspruchen würden. Einige Redner haben unzweifelhaft die Erscheinungen scharf beobachtet; aber sie sind an der Hand ihrer Betrachtungen zu falschen Folgerungen gelangt, indem sie die religiöse Frage hineingezogen haben. Ein solcher Gegensatz besteht unter der verschiedenen Strömungen und Richtungen innerhalb der hebräischen Arbeit nicht; denn er ist einfach unmöglich. Gegensätze der Auffassung sind ja zweifellos zwischen Neologen und Orthodoxen im Zionismus bezüglich der religiösen Fragen vorhanden, aber national sind alle, die einen wie die anderen, in dem Sinne, daß sie die nationale Sprache nicht nur anerkennen, aber sie auch verbreiten und verlebendigen wollen. Die religiösen Einwendungen gehören daher absolut nichtzurSache. Sie gehören zum allgemeinem Kulturproblem, dessen verschiedene Teile ich nicht zusammenfassen wollte, weil mein Referat ein ganz genau umschriebenes Thema behandelte: unsere Nationalsprache. Für die Frage in ihrem ganzen Umfange hat ja der Kongreß eine Kommission eingesetzt.