Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 178)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 178 - .sprechen. Ich werde ihm in jedem Rahmen die Freiheit gestatten, zu -sagen, was er will. Aber ich muß ihn ersuchen, das, was uns allen das Allerheiligste ist, nicht zu berühren. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ich möchte Sie ersuchen, darüber hinwegzugehen, sonst möchte ich Sie in Ihren eigenen Ausführungen nicht behindern. Del. Trietsch (fortfahrend): Ich kann doch nicht darauf verzichten, dazu ein paar Worte zu sagen. Was liegt denn darin Unpassendes, wenn ich konstatieren, daß alle Parteien darin übereinstimmen, daß Herzl ihr großer Führer war. (Rufe: Warum „ihr" Führer?) Ich habe das Wort und i c h gebe meine Formulierung. Theodor Herzl, mit dem ich so schwerwiegende Differenzen hä.tte, hat es doch für richtig gehalten, im Winter 1902/03 sich mit mir wegen eines Emigrationsamtes in Verbindung zu setzen. Ich habe die Dokumente in der Tasche oder irgendwo (Heiterkeit) und Herr Professor Kellner, der die Materialien haben dürfte, wird mir das wahrscheinlich bestätigen können. Es schwebten damals Verhandlungen nicht in dem Sinne, wie das heute geplant zu werden scheint, einer Anteilnahme an der allgemeinen Emigrationsbewegung und Organisation der Emigration, sondern in dem Sinne, von zionistischer Seite ein Emigrationsamt der Sammlung gegenüber den auf der anderen Seite bestehenden Zerstreuungstendenzen zu schaffen, gegenüber Tendenzen, denen wir vom allgemein-menschlichen und allgemein-jüdischen Gesichtspunkte unsere Sympathie und Mitarbeit nie versagen können, die aber sofort im Gegensatz stehen zu der eigentlichen zionistischen Emigrationsfrage in einem Falle, der von Ihnen nicht genügend erkannt wird, in dem Falle nämlich, daß die zionistische Lösung der Emigrationsfrage heute so außerordentlich möglich ist, daß wir nicht in dem Irrtum, es sei erst eine Frage der Zukunft, an anderen Lösungen mitzuarbeiten brauchen, und darüber werde ich Ihnen einiges sagen. Herr Dr. Katzenelsohn hat uns sehr viel über Amerika und auch einiges über Palästina gesagt. Aber wenn Sie, nicht in diesem Momente, sondern später einmal, im Kongreßprotokolle sehen werden, welchen Raum Amerika in diesem Referate einnimmt und welchen Raum Palästina und dessen Möglichkeiten der allernächsten Zukunft, so werden Sie vom zionistischen Standpunkt aus. ein krasses Mißverhältnis finden. Das ist selbstverständlich. Herr Dr. Katzenelsohn hat in Libau hauptsächlich Gelegenheit gehabt, sich mit der Emigrationsfrage zu befassen. Aber von dort geht die Emigration nach Amerika, nicht nach Palästina. Wir sind aber nicht in Libau, sondern auf dem Zionistenkongreß und da sollte doch Bezug genommen werden auf das, was uns als Hauptsache erscheint. Das ist der Grund, warum hier nicht die großen Möglichkeiten verstanden werden, weil wir in einer Resignation, die allerdings in der bisherigen palästinensichen Arbeit hinreichend ihren Grund hat, darauf verzichten, eine große und nahe Lösung in unserem Programm zu erblicken. Herr Dr. Katzenelsohn hat uns hier mit rührender Ausführlichkeit auseinandergesetzt, was das Recht der Juden auf Amerika ist. Das ist eine gute Sache für den Zionistenkongreß und für das Emigrationsreferat! Er hat als Politiker — wir sind doch politische Zionisten — auf die Freiheit Amerikas gepocht. Hat nicht die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Frankreich ihm eine Lektion gegeben? Seit wann ist es Mode, auf diesem politischen Kongreß von Moralsachen in der Politik zu sprechen? Aber er ging noch weiter. Er verlangte eine Vorbereitung der Auswanderer. Sehr gut für das neue Land! Aber er sprach von den Augen und von der Sprache, und das zeigt klar, daß da Amerika gemeint war, .denn nach Palästina kann man einwandern ohne eine allzu scharfe Augenkontrolle und mit Jüdisch-Deutsch allein.