Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 475 (sequence 475)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 475 — an der Spitze gestanden haben, wie die Vorsitzenden der großen Finanzinstitute, die Präsidenten verflossener Kongresse und die Präsidenten der anerkannt großen Landesorganisationen und Föderationen. Hierdurch wird es möglich, den Kreis der vom Kongreß zu wählenden Mitglieder des A. C. auf eine bestimmte kleinere Anzahl zu beschränken, und halte ich dafür die Zahl von 21 Mitgliedern für völlig ausreichend. Die "Wahl dieser 21 neuen Mitglieder kann vom Kongreß ohne Rücksicht auf das Landsmannschaftsprinzip mit solcher Gründlicheit vorbereitet werden, daß bei jedem einzelnen Mandat die Frage der Würdigkeit und der Eignung für dieses wichtige Ehrenamt vom Kongreß selbst beurteilt werden kann. Bei der Wahl dieser 21 Mitglieder ist es möglich, verschiedene Listen aufzustellen und die Wahl nach demokratischen Prinzipien gemäß der Stärke der im Kongreß vertretenen Parteien bzw. Fraktionen vorzunehmen. Heute ist es klar, daß die Wahl der A. C.-Mitglieder durch den Kongreß lediglich eine Form ist, während in Wirklichkeit die Wahl ins A. C. von den einzelnen Landesorganisationen außerhalb des Kongresses gemacht wird. Diese vom Kongreß gewählten Mitglieder bilden gewissermaßen einen jungen Nachwuchs, der allmählich in die Leitung der einzelnen Institutionen nachrückt, die nötigen Erfahrungen in den Geschäften der Bewegung sammelt und die Gewähr dafür leistet, daß die Politik der Bewegung im Sinne des Kongresses geführt wird. Ein eigentlicher Widerspruch hat sich auch gegen diese Neuordnung, die im Statutentwurf vorgesehen ist, nicht erhoben. Ein heiß umstrittener Punkt ist jedoch die oberste Leitung der Bewegung, die in dem neuen Entwurf als Präsidium bezeichnet ist. Auf diese Bezeichnung lege ich übrigens kein allzu großes Gewicht. Ob wir diese Körperschaft E. A. C. oder Präsidium nennen, ist lediglich eine Frage des Geschmacks, über den sich bekanntlich streiten läßt. Ich habe den Namen Präsidium gewählt» weil dieser Name nach außen deutlich zu erkennen gibt, daß es sich um die oberste Leitung der Bewegung handelt. Die von mir vorgeschlagene Neuerung bezüglich der Führung soll einem Ubelstand abhelfen, der bisher tief empfunden worden ist. Die Leidenschaftlichkeit und das große Interesse, welches die Erörterung dieser Frage hervorgerufen hat, ist übrigens der deutlichste Beweis, wie groß das Interesse unserer Gesinnungsgenossen an Organisationsfragen ist, sobald es sich um bestimmte Personen handelt. Die Lösung dieser Frage ist aber erst dann völlig gelungen, wenn sie sachlich und ohne Rücksicht auf die in Betracht kommenden Personen lediglich durch die Forderungen der Bewegung bestimmt wird. Ich fürchte aber, auch ein Kolumbus könnte diese Frage nicht befriedigend beantworten. Die Schwierigkeit dieser Frage besteht für uns darin, daß wir über die ganze Welt zerstreut sind und noch unter dem Goluselend seufzen, das die zionistische Bewegung beseitigen will. Ebenso wie unsere Anhänger über die ganze Welt zerstreut sind, so leben auch diejenigen in allen Teilen der Welt zerstreut, die geeignet wären, die gemeinsame Spitze, die Regierung unserer Organisation zu bilden. Es hat deshalb keinen Zweck, in einem Organisationsstatut zu bestimmen, daß eine bestimmte Anzahl Mitglieder der Leitung an einem Platze wohnen müssen, denn vielleicht wohnen gerade an dem Platze, nach welchem die Leitung zweckmäßig verlegt wurde, nicht die geeigneten Persönlichkeiten, um ein Kollegium zu bilden, welches zweckmäßig miteinander ' arbeiten kann. Anderseits sind vielleicht an einem andern Orte, der für die Leitung der Geschäfte ungeeignet ist, eine solche Anzahl von Personen zusammen. Wir müssen aber, wenn wir das Statut nicht auf die Personen zuschneiden wollen, in unserm Statut mit der Tatsache rechnen, daß die Personen, welche die Leitung bilden sollen, in verschiedenen Ländern zerstreut wohnen. Das ist der wichtigste Grund für die von mir vorgeschlagene Dezernateinteilung. Durch die Schaffung dieser Dezernate ist es möglich, daß die Leitung und das Hauptbureau sich in einem andern Orte befinden als die Mehrzahl der Mit-