Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 175)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 175 — Versammlungen kein längerer Zwischenraum als 15 Monate sein darf. Wir waren daher gezwungen, unsere Generalversammlung schon im Juni abzuhalten. Dieser Umstand, noch mehr aber der Umstand, daß zehn Jahre vergangen sind, seit unsere Kolonialbank gegründet wurde, — sie ist gegründet worden am 9. Nissan, 20. März 1899, die eigentliche Tätigkeit begann erst zwei Jahre spater, — dieser Umstand, daß wir auf zehn Jahre zurückblicken können, verlangt, daß ich mich heute etwas mehr mit der Bank beschäftige, als dies sonst bei unsern Kongressen der Fall war. Sie werden mir daher gestatten, einen kleinen Rückblick auf diese zehn Jahre zu werfen, um zu sehen, was man eigentlich damals geplant, welche Hoffnungen, man sich gemacht hat, was davon in Erfüllung gegangen ist und was man noch weiter wünschen kann. Damals am II. Kongreß haben sich die Herren Wolffsöhn und Dr. Bodenheimer darüber geäußert, was die Bank sein soll. Sie sollte ein nFinanzinstitut der Bewegung" werden. Ferner sollte sie Kredite erteilen, namentlich in Palästina. Und dann war man noch so bescheiden zu sagen, daß nach vielen Jahren vielleicht eine kleine Dividende in Aussicht stehe. Dies waren die Versprechungen, die man dem jüdischen Volke gegeben hat: die Versprechungen waren bescheiden, die Hoffnungen aber, die in die Bank gesetzt wurden, waren dafür um so größer. Es sind nicht alle, ja wenige dieser Hoffnungen in Erfüllung gegangen. Die Tragik des Unterschiedes zwischen Hoffnung und Möglichkeiten ist wohl auch nirgends so groß, als bei uns Juden. Meine Verehrten! Aus der Bank ist eine kleine Bankfamilie geworden, der Mutteranstalt sind zwei Tochterinstitute entsprossen, und zwar die Anglo Palestine Company und die Angin Levantine Banking Company in Konstantinopel. Nicht nur der Umstand, daß es interessanter ist, sich zuerst mit dem jungen pulsierenden Leben zu beschäftigen, sondern der ganz konkrete Umstand, daß die Tätigkeit der Mutteranstalt vollständig von der Existenz der Tochterinstitute abhängt, zwingt mich, zuerst über die A. L. B. C. und A. P. C. zu sprechen, weil erst dann die Tätigkeit des J. C. T. klar und einsichtig sein wird. Zuerst über die A. L. B. C. Es war der Wunsch aller Zionisten, daß in Konstantinopel, in der Metropole des türkischen Reiches, eine Filiale von uns errichtet werden soll. Dieser Wunsch wurde zuerst in einer Versammlung in Helsingfors ausgesprochen und wurde am letzten Kongreß vom A. C. dem Kongreß vorgelegt. Jetzt existiert diese Bank, und zwar, wie ich Sie versichern kann, ist sie ein junges, blühendes Institut. Wir hatten, Wolffsohn und ich, als wir in Konstantinopel waren, anfangs mit den , größten Schwierigkeiten zu kämpfen, und es ist ein besonderes Glück, daß es uns gelungen ist, nach langen Mühen die Sache so arrangieren zu können, daß dieses Institut gar keine Kinder-