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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 238

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 238 (sequence 236)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476270--2813-3478953
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— 238 — die Debatte einzugreifen, möchte ich dann persönlich einige Bemerkungen machen. v Präs.: Herr Boitin, es wäre vielleicht richtiger, wenn Sie als Referent der Palästina-Kommission erst auf die andern Antworten eingehen, anstatt Ihre persönliche Ansicht jetzt vorzubringen. Aber selbstverständ^ lieh .will ich es Ihnen überlassen, auch jetzt die Debatte einzuleiten; ich halte es nur für praktischer, wenn die andern erst sprechen und Sie dann die Antwort darauf geben. Del. Böhm: Nein, Herr Präsident, ich will als Mitglied der österreichischen Landsmannschaft, welche in dieser Frage ziemlich einig ist, sprechen. Präs.: Ich bitte! Del. Böhm (fortfahrend): Der Herr Präsident gestattet mir,, in die Debatte als Delegierter einzugreifen. Ich wiederhole, daß ich jetzt meine Ansicht, welche allerdings von der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Landsmannschaft geteilt wird, Ihnen in Kürze zur Kenntnis bringen werde. Ich spreche jetzt hier persönlich. Es ist uns gestern in der österreichischen Landsmannschaft ein Elaborat vorgelegt worden. Jedenfalls handelt es sich wieder darum, daß prinzipielle Streitpunkte aufgeworfen werden, die unserer Ansicht nach eigentlich ganz unbegründet sind. Man will einen politischen Zionismus konstruieren gegenüber dem praktischen Zionismus. Und ich erlaube mir darauf zu erwidern, daß unsere Landsmannschaft mit wenigen Ausnahmen in dieser Beziehung einen sehr gemäßigten, aber sehr entschiedenen Standpunkt einnimmt. Ich werde denselben sofort mit wenigen Worten begründen. Ich v glaube, wenn sich der geehrte Kongreß auch auf diesen Standpunkt stellt, werden heftige prinzipielle Debatten nicht zu gewärtigen sein. Was ist politischer Zionismus? (Hört! Hört!) Wir wenden uns dagegen, daß man den politischen Zionismus in irgend einen Gegensatz bringt zum sogenannten praktischen Zionismus. Unter politischem Zionismus versteht man einen Zionismus, welcher alljüdisch ist, welcher keine kleinlichen Gesichtspunkte, wie Klein-Kolonisation, verfolgt, sondern alle jüdischen Interessen im Auge hat, ein politisches, d. h. ein jüdisch-staatliches Ziel hat und mit politischen, nicht bloß mit diplomatischen Mitteln arbeitet. Das ist nach unserer Ansicht politischer Zionismus, und ich glaube sagen zu können, wenn man den politischen Zionismus in diesem Sinne auffaßt, daß es niemanden gibt, der nicht politischer Zionist ist. Die Herren reinpolitischen Zionisten — ich weiß nicht, wie ich sie bezeichnen soll, und die Vergangenheit hat gelehrt, was sich als reinpolitischer Zionismus bezeichnet hat (sehr rictigl) — sind uns nun einen Schritt näher gekommen und haben gesagt, daß man gewisse Sachen machen darf und gewisse nicht. Eine solche Begrenzung ist in einer Volksbewegung unmöglich. Ich bemerke, daß ich nur über die Palästina- Frage spreche. Wenn man auf die nationale Erziehung der Juden in Palästina eingehen will, sind die Herren einverstanden. Wenn wir aber gewisse wirtschaftliche und soziale Hilfsinstitutionen schaffen wollen, haben die Herren Angst und Bedenken. Eine solche Zweiteilung geht nicht. Auch die Förderung der Privatinitiative, immer auf das große , letzte Ziel gerichtet, ist eine Förderung der Allgemeinheit. Sie sehen in allen Staaten, daß das „laissez faire, laissez aller", nicht mehr Rfegierungsmaxime ist, sondern in allen Staaten wird durch kräftige Förderung der einzelnen der Staat weiter gebracht. Wir glauben daher, wenn wir für praktische Arbeit in Palästina auch in der Richtung sind, oder wenn wir in dieser Beziehung vorangehen, daß wir damit ganz gute politische Ziosisten sind. Das Wenige wollte ich nur zu dieser anscheinend prinzipiellen Differenz, die gar nicht besteht, bemerken. Zum Schluß möchte ich noch auf eins aufmerksam machen. Die 0

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