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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 231

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 231 (sequence 229)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476270--2806-3478946
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— 231 — gationen, bis vor kurzem auf dem Bürgermeisterstuhl der Landeshauptstadt, im Stadt- und Gemeinderate — Juden. Ja, als der Gemeinderat von Czernowitz daran ging, dem Beispiel des österreichischen Parlaments nachzueifern und den Versuch wagen wollte, als erste Stadt der Monarchie eine Gemeindewahlreform auf Basis des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts zu beschließen, ist 'für die Juden des Landes parallel ein Zugeständnis erfolgt — es ist allerdings vorläufig beim Entwurf geblieben, aber nicht wegen des Zugeständnisses —, das als erstes in Oesterreich erscheint. Die Wahlbezirkseinteilung wies nämlich die Nationen in folgender Reihenfolge aus: Juden, Deutsche, Rumänen, Ruthenen, Polen. Die Juden ihrer Zahl nach in den einzelnen Bezirken an der Spitze. Aber nicht nur in politischer Beziehung liegt (lebhafte Unruhe — Rufe: Zur Sache!), wie eingangs erwähnt, der Unterschied. Das Hauptgewicht ist auf den kulturellen Wert der Bufcowinaer Juden zu legen, der es erst mit sich gebracht, sie nachher zu einem maßgebenden politischen Faktor des Landes heranwachsen zu lassen. Während die Polonisierung der Juden Galiziens Hand in Hand mit der Zurückdrängung des Deutschtums in jenem Lande ging, sind trotz starker Assimilierung die jüdischen Polen nichts anderes als Schleppträger der herrschenden Nation geblieben, denen gleich den unterdrückten Ruthenen kein erfreuliches Los zuteil geworden ist. Ganz anders in der Bukowina. Hier standen die Juden auf Seite der deutschen Minorität. Der vorwiegend noch deutsche Charakter des Landes ist ein Werk der Juden. Sie stellen das größte Kontingent der Schülerzahl in den Volks- und Mittelschulen, der Hörer an der deutschen Universität, woselbst die Zusicherung der Gestattung der Nätionalitätsklausel im statistischen Ausweise des Rektorats der Franzisco-Josephina die erste Errungenschaft der jüdischen Studenten Oesterreichs bedeutete. Die Juden als Kulturträger der Bukowina sind ein besonderes Kapitel der Landesgeschichte und schon 1843 wurden die ersten Schritte zur Errichtung einer israelitisch-deutschen Volksschule unternommen. Die gesamte deutsche Presse des Landes ist von Juden geschaffen worden. Das deutsche Theater ist zumeist von Juden besucht. Die Juden haben so die Bukowina zu jener Kulturoase gemacht, die stets die Verwunderung der Fremden hervorruft. Als Bernarde Lajare in Begleitung eines Redakteurs, ich glaube der „Aurore", Czernowitz betrat, schlugen beide Franzosen erstaunt die Hände zusammen. Sie weilten in Rumänien und Galizien. Nun kamen sie nach „Klein-Wien", wie Czernowitz oft genannt wird. Was ist's, das diesen Unterschied hervorgebracht? fragten sie, und sie erhielten die Antwort: die Juden. Die Juden der Bukowina sind auch wirtschaftlich bis jetzt viel besser daran gewesen als die Volksgenossen im Nachbarlande. VVir haben einen ausgedehnten jüdischen Großgrundbesitz in der Bukowina, der auch politisch eine Rolle zu spielen beginnt, und hatten einen kräftigen Mittelstand. Die zahlreichen sog. „Luftmenschen", die nach und nach der Bukowina zuströmten, haben allerdings die Sachlage nachteilig verändert. Das ist das Milieu, meine Herren, in dem die jüdische Jugend daran gehen konnte, in einem buntsprachigen Lande, wo so viele Völkerschaften wohnen, unsers verstorbenen großen Führers Dr. Theodor Herzl zu gedenken, in einer Art, wie es bisher in der ganzen Welt in fremden Landen nicht möglich war, nicht möglich sein konnte. Meine Herren! In der blühenden Landeshauptstadt am Pruth, in der Universitätsstadt Czernowitz, die 80000 Einwohner hat, hat der Gemeinderat beschlossen, daß der „Alte Markt bei der Judengasse", unweit dem Zentrum der Stadt gelegen, „T heodor H erzl-Platz" benannt werde. Und auf diesem Platze wird auf Anregung der akademischen Verbindung „Has-

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