Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 58)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 60 — Diesbezüglich wurde auf den letzten zionistischen Landeskonferenzen das Problem Ivrith beivrith, das uns Zionisten so sehr beschäftigt, gewissermaßen gelöst. Um dies deutlich zu machen und denjenigen, die die Verhältnisse in Rumänien nicht kennen, ein klares Bild über diese Bestrebungen zu geben, muß ich auf eines aufmerksam machen: In Rumänien gibt es seit dem Jahre 1893 fast in allen Städten jüdische Schulen, welche aus vier Elementarklassen bestehen, in denen drei Stunden für Hebräisch und drei Stunden für das profane Programm bestimmt sind. Die Schulen waren zuerst, solange der nationale Gedanke noch nicht unter das Volk getragen war, im negativen iSinne jüdisch, das heißt: da die jüdischen Kinder in den anderen Schulen nicht gut unterkommen konnten, mußten sie in diese Schulen kommen. Der jüdische Unterricht war auf ein sehr geringes . Maß beschränkt. Erst seitdem die ^nationale Idee wiederum überall sich verbreitet hatte, versuchte man auch in den jüdischen Schulen modernen jüdischen Geist hineinzutragen. Da stieß man gleich auf eine der schwierigsten Fragen: Wie soll man unsere Kinder unterrichten? Denn in Rumänien spricht der größte Teil der Juden Jargon, während die Schulleitung es versuchte, alles Jüdische ins Rumänische zu übersetzen, so daß die Kinder, da sie von Haus aus nur Jargon verstanden und in der Schule Rumänisch übersetzen mußten, von der Schule fortgingen und weder das eine noch das andere verstanden. Um nur ein Beispiel anzuführen : Ich war einmal als Examinator in die Schule gekommen und prüfte die Kinder. Da kam ich zufälligerweise zu dem Vers, wo die Kinder die Uebersetzung machten von erumim znackt. Im Rumänischen wird das übersetzt mit „goi". Statt zu übersetzen: Sie waren beide nackt, übersetzen sie: Sie waren beide Christen. Analog diesem Beispiel ist beinahe der ganze rumänische Unterricht infolge der schlechten, unrichtigen Methoden. Fast in allen Schulen wird entweder Jargon oder Rumänisch oder beides zugleich übersetzt, so daß. für den rumänischen Unterricht nur eine halbe Stunde übrigbleibt. Mit diesem Zustande begannen die Zionisten zu rechnen. Sie sagten sich, das große Wort unseres Theodor Herzl, „der Zionismus bedeute die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland", müsse in der Schule zur Anwendung kommen. So suchte man neue Methoden in der Schule zu schaffen, und das war das Ivrith beivrith. Die letzte Konferenz in Braila versuchte diesen ehrlichen Wunsch in die Tat umzusetzen. Fast in allen rumänischen Schulen ist jetzt die Methode Ivrith beivrith eingeführt. Wir haben nun wohl ein jüdisches Programm, aber es steht nur auf dem Papiere. Wir. haben keine Lehrer, die imstande wären, nach der Methode Ivrith beivrith zu lehren. Um diese Schwierigkeiten zu lösen, suchte man eine Organisation zu schaffen, um wenigstens dajenige zu retten, was zu retten ist. Das ist wiederum eine sehr wichtige Tat, auf welche ich stolz hinweisen kann und die nicht überall bekannt ist. Ein zweiter Punkt, der für den rumänischen Zionismus von Bedeutung ist, ist die Stellungnahme der Zionisten zu unseren Institutionen. Trotz der schlechten Lage der Juden in Rumänien hat der rumänische Zionismus seit dem letzten Kongreß bis heute für den Nationalfonds 18 000 Frcs., für die Oelbaumspende 2000 Frcs. gegeben. Eine kleine Stadt, Foksani, wo ich als Delegierter gewählt wurde, hat in einigen Monaten für die Palästinakommission 300 Frcs. und für den Bezalel 200 Frcs. gegeben. (Lebhafter Beifall.) So sehen wir, daß in Rumänien der Zionismus sich überall zu betätigen sucht, in erster Linie auf dem Gebiete des Erziehungswesens. Dann sucht er überall dort einzugreifen, wo die Gesamtorganisation sich an ihn wendet. Wir haben auch für die Propaganda gesorgt, indem das Komitee in Galatz einen Redner überall in alle Städte herumschickt. Ein ganz besonderes Verdienst um den Nationalfonds hat sich unser verehrtes