Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 26)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 28 — mus irre zu machen suchten. „Wo war der Zionismus", hörte man spöttische Stimmen rufen, „als entmenschte Horden im Osten die Juden niedermetzelten? Was hat er für die Verfolgten getan? Wie hat er ihnen geholfen? Welchen Schutz hat er ihnen gewährt?" Zur Ehre unserer schwer heimgesuchten Brüder sei es^ gesagt: auch in ihrer tiefen Verzweiflung bewahrten sie genug gesunden Menschenverstand, um die Torheit dieser Spottfragen zu erkennen. Unsere Massen sehen sehr wohl ein, daß sie selbst in ruhigen Tagen für den Zionismus nicht genug getan haben, um von ihm erwarten und verlangen zu dürfen, daß er nun in den Tagen der Not für sie Entscheidendes tun werde. (Beifall.) Der Zionismus besitzt gerade nur, was das jüdische Volk ihm gibt. Das jüdische Volk aber hat ihm bisher nicht die Mittel geliefert, für die Volksglieder in Gefahr wirksam eintreten zu können. Seine Würde verbot ihm eitle Kundgebungen und wichtigtuerische Geschäftigkeit. Die Zionisten verschlossen ihre Trauer in ihr, Herz, und arbeiteten mit zusammengebissenen Zähnen an ihrer großen Aufgabe weiter, deren künftige Verwirklichung die Gegenwart nach Maßgabe ihrer Kräfte vorbereiten muß. Inzwischen haben unsere Massen besser als bisher begreifen gelernt, daß der Zionismus, wenn er sie heute nicht retten und schützen kann, morgen das Heil ihrer Kinder sein wird. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Regierungen, um deren Wohlwollen zu werben ein wichtiger Punkt unseres Programms ist, haben uns keine nennenswerte Förderung angedeihen lassen. Um die ganze Wahrheit zu sagen: sie haben sich bisher überhaupt kaum Um uns gekümmert. Das scheint manchen ein Beweis, daß wir von allem Anfang einen falschen Weg eingeschlagen haben und daß unsere Politik, die ihre Hoffnung teilweise auf die Regierungen setzte, ein Irrtum War. Das ist jedoch ein Fehlschluß. Regierungen sind heuzutage ganz gewiß keine Verächter der Imponderabilien und sie würden niemals zugeben, daß große Geschichtsgedanken, daß Forderungen der Sittlichkeit und Gerechtigkeit für sie inhaltlose Begriffe sind. Aber Regierungen haben sich vor allem mit konkreten materiellen Interessen zu beschäftigen und sie sind gewohnt,