Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 7 (1905) Basel, 27. Juli bis 2. August 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 127)
- Language
- German, English, Hebrew
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Del. Dr. Piekarski: Meine Damen und Herren I Vor einigen Tagen wurde ein Flugblatt über die Wahlen in Russland verbreitet. Aus demselben geht hervor, dass die Wahlen daselbst zum grossen Teile im Zeichen des Wahlraubes und 'Wahlschwindels gemacht wurden. (Widerspruch und Zwischenrufe. — Rufe: Das ist nicht zur Geschäftsordnung.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Dr. Piekarki zitiert ein Pamphlet, dazu hat er das Recht. Del. Dr. Piekarski: Im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit, der Moral und der Integrität unserer Bewegung wurden die Angaben des bezüglichen Flugblattes von „politischen" Zionisten geprüft. Wir mussten zu unserem grössten Schmerze konstatieren, dass die Delegiertenwahlen in Russland ungesetzlich durchgeführt wurden. Insbesondere war es der Anhang Ussischkins, welcher diesbezüglich das Organisationsstatut auf das gröblichste verletzt hat. (Lebhafter Beifall. — Stürmischer Widerspruch und Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Sie wollten doch eine Erklärung abgeben, das kann ich nicht als Erklärung auffassen. (Zwischenrufe und Lärm.) Del. Dr. Piekarski: Ich kritisiere nicht den Bericht des Legitimationsausschusses. Ich habe doch das Recht, eine Erklärung bezüglich der Wahlen abzugeben. Del. Dr. Kokesch: Nach der Geschäftsordnung gibt es keine Debatte über den Bericht des Legitimationsausschusses. Del. Dr. Piekarski: Wenn ich nicht fortwährend unterbrochen würde, wäre ich schon fertig. In denjenigen, welche sich dem Charkower Rummel nicht angeschlossen hatten (Zwischenrufe.), erblickte der Anhang . . . (Lebhafte Unterbrechungen und Zwischenrufe.) Ja, Sie wollen halt die Wahrheit nicht hören. Vizepräsident Dr. Marmorek: Herr Doktor, wir müssen uns an unsere Geschäftsordnung halten, und die sagt, dass eine Debatte über den Bericht des Legitimationsausschusses nicht stattfinden kann. Del. Dr. Piekarski: Aber verzeihen Sie, Herr Präsident, ich debattiere absolut nicht. Vizepräsident Dr. Marmorek: Wenn Sie in dieser Weise fortfahren, wäre ich gezwungen, Ihnen das Wort zu entziehen. (Widerspruch und Lärm.) Del. Dr. Piekarski: Ich kenne ja die Geschäftsordnung auch, und da heisst es: „Auf Grund des von diesem Ausschusse . . Vizepräsident Dr. Marmorek: Das ist keine Erklärung, Herr Dr. Piekarski, ich entziehe Ihnen das Wort. (Zwischenrufe und Lärm.) Wir müssen jetzt über den Bericht des Legitimationsausschusses abstimmen. (Grosser anhaltender Lärm.) Del. Josselef (zur Geschäftsordnung): Meine Damen und HerrenI Der Herr Vorsitzende legt uns zur Abstimmung den Bericht des Legitimationsausschusses vor und meint, dass laut den Statuten keine Debatte an den Bericht sich .fanknüpfen kann. Ich bitte den Herrn Präsidenten, das Protokoll des vorigen Kongresses nachzusehen; daraus wird er ersehen, dass nach dem Berichte des Legitimationsausschusses eine Vorlesung Wortsmanns über die Wahlen in Russland stattfand. Ich erinnere den Herrn Präsidenten an einen Paragraphen unserer Statuten, wo ihm die Entscheidung zufällt, in einem solchen Falle eine Debatte zu eröffnen oder nicht. Die Wahlen sind in dem erschienenen Flugblatte — nicht Pamphlet, wie der Herr Präsident sich ausdrückte — ausführlich dargelegt. Ich verweise auf § 13 der Statuten. Derselbe bestimmt, dass 200 Schekelgeber einen Delegierten wählen können. Wo keine 200 da sind, kann man keinen Delegierten wählen. Hier aber haben wir fast 200 Delegierte, die auf Grund der Ver-