Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 6 (1903) Basel, 23. bis 28. August 1903
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 22)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 21 — Der Sieg der gegen die Judeneinwanderung gerichteten Agitation ist auch durch den naiven Vorschlag, der Anhäufung durch Verteilung;und Zerstreuung entgegenzuarbeiten, nicht aufgehalten worden und dem Parlamente liegt bereits eine Kesolution vor, welche eine bedeutende Erschwerung der freien Einwanderung vorschlägt. Auch die anderen Länder, welche Ziele der jüdischen Wanderung sind, das sind Nordamerika und Südafrika, haben im letzten Jahre gesetzlichen Massregeln zu gleichem Zwecke bereits ergriffen. Beider Länder Einwanderungsgesetze hätten den jüdischen Einwanderern noch verhängnisvoller werden können durch Unterlassung der Aufnahme der hebräischen und jüdischen Sprache in das Verzeichnis derjenigen lebenden, in welcher die geforderte Bildungsprobe geleistet werden kann. Ist auch diese Gefahr durch nachträgliche Einschiebuns; behoben ~ o worden, die bestehenden und die neuerdings verschärften Einwanderungsgesetze beider Länder bieten der Handhaben genug, um sogenannte ,.unerwünschte" Einwanderer am Betreten des Landes, das in den Augen der armen Flüchtlinge gegenüber ihrer unfreundlichen Heimat als gelobtes Land erscheint, zu hindern. Neben dem traurigen Anblick der Scharen der armseligen Auswanderer, bietet sich dem gieichgiltigen Europa der unendlich traurigere der unfreiwilligen Rückwanderer, die aller Hoffnung auf Rettung beraubt, in das tötliche Elend der alten Heimat zurückgeschleudert werden. Und diesen, in der Welt ohne gleichen dastehenden Verhältnissen standen die jüdischen sogenannten philanthropischen Vereinigungen ratlos gegenüber. In dem zionistischen Aktions-Comite aber erkennen die jüdischen Bedrückten in jedem Falle das für sie warm fühlende Herz, und darum wenden sie sich an dasselbe mit allen Fragen und Klagen, mit all ihren Sorgen und Nöten und das Aktions-Comite ist heute unzweifelhaft die Zentralstelle des ganzen jüdischen Volkes für alle jüdischen Angelegenheiten. (Lebhafter Beifall.) Auch solche Juden, die unserer Organisation noch nicht angehören, wenden sich an uns mit ihren Beschwerden, Ideen, Vorschlägen, Wünschen und Bitten. Dde Korrespondenz des Aktions-Comites wächst in enormem Masse und umspannt heute in buchstäblichem Sinne den ganzen Erdkreis. Unser Zeit wird nicht wenig durch diese Tätigkeit in Anspruch genommen. Die furchtbare Not des jüdischen Volkes wird uns täglich und stündlieh in schauerlichen Beispielen vor Augen geführt, und bietet uns eine traurige Bekräftigung der äussersten Dringlichkeit unserer zionistischen Bestrebungen. In dreifacher Weise sucht das Aktions-Comite diese hauptsächlich zu fördern:. Durch möglichste Ausbreitung des Verständnisses der zionistischen Idee, durch Ausbildung der Organisation und durch eifrige Fortsetzung der Bemühungen zur Erlangung eines Charters für Schaffung einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte für die Juden.