Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 5 (1901) Basel, 26. bis 30. Dezember 1901
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3476254-3476264--1390-3477527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16 stina und den Zionismus hielt, gestaltete sich geradezu zu einer grossen philozionistischen Kundgebung. (Lebhafter Beifall.) Aber sie ist nur eine von vielen/ zu deren Kenntnis wir kamen. Die Lage der Juden in der ganzen Welt ist wahrlich nicht darnach angethan, dass wir die Hände in den Schoss legen und ohne eigenes Zuthun das Kommen besserer Tage erflehen sollten. Judenfeindschaft und Judenbedrückung hat nirgends abgenommen, im Gegentheil. Selbst die letzten Inseln in dem antisemitischen Meere werden von der Flut ergriffen. Hat auch die Judenauswanderung aus Rumänien an Hast und Grässlichkeit nachgelassen, sie hat durchaus nicht ganz aufgehört. Durch das in Aussicht stehende Handwerker- und Ruralgesetz sind die Juden in Rumänien in ihren letzten Existenzbedingungen bedroht, und dann wird die Emigration eine viel gewaltigere werden müssen, als sie war. Die jüdischen Philanthropenvereine werden dann noch rathloser dastehen als im vorigen Jahre, da sie die kleine Vorprobe eines Volkes auf der Wanderschaft gesehen haben; ist doch selbst die letzte Wanderung im vorigen Jahre in ihren Consequenzen und Folgeerscheinungen durchaus nicht beendigt. Viele der Auswandernden haben in Amerika sich nicht behaupten können und mussten, theils freiwillig, theils gezwungen, die Rückreise nach Europa antreten. Die Rückbeförderung in ihre frühere Heimat war unmöglich, und ebensowenig gelang es noch, jene Stelle ausfindig zu machen, wo diese Heimatlosen sich ruhig und unangefochten niederlassen durften. Vielleicht haben alle diese Erscheinungen die dem Zionismus bisher feindlich gegenüberstehenden Kreise der Judenschaft doch nachdenklich gemacht und ihnen die Zweckdienlichkeit und Nothwendigkeit eines öffentlich - rechtlich gesicherten Asyls für diese Aermsten der Armen vor Augen geführt. Vielleicht trägt auch dazu der Umstand bei, dass in England und Amerika, den Ländern, welche von altersher die Zufluchtsstätte für alle Heimatlosen, Entrechteten und Verfolgten waren— dass in diesen Ländern die Bewegung gegen die Fremdeneinwanderung im steten Wachsen begriffen ist und als Folgeerscheinung schon die bestehenden Gesetze, die Einwanderung betreffend, viel schärfer gehandhabt werden als bisher. Alle diese Fragen und Angelegenheiten, die wir hier nur summarisch berühren können, beschäftigten Ihr Actions-Comite in intensiver Weise. Alle Anregungen, die aus dem Kreise der Gesinnungsgenossen und Freunde gekommen sind, mussten geprüft, die Durchführungen ihrer Modalitäten studiert und erwogen, alle Schritte und Vorbereitungen getroffen werden. Das