Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 202)
- Language
- German, English, Hebrew
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Schlagwort ,,Cultur\ und wünschen die Streichung desselben aus dem Programm. Zwar ist im Grossen und Ganzen eine Verminderung der Besorgnisse allenthalben bemerkbar, aber gesetzt, die Nervosität existiert. Ja, wenn sie wirklich existiert, so ist sie einfach die Erscheinung einer komischen Idiosynkrasie gegen*ein Wort, denn, meine Herren, der Sinn, den das Wort enthält, ist ja notwendigerweise der Inhalt und die Richtung unserer Bestrebungen. Nun versuchen wir auf das Schlagwort zu verzichten. Wir werden keine Worte, und insbesondere keine Schlagwörter machen. Unser Programm ist eine Kette von Thaten, und nicht von Worten! Nun heraus mit dem detaillierten Programm — werden Manche sagen. Der Befriedigung dieses -Verlangens muss jedoch eine genaue, sachliche Erklärung des allgemeinen Standpunktes vorausgehen. Meine Herren! Die jüdisch-nationalen Fragen sind mitten im Müsse einer verhältnismässig noch jungen Entwicklung; der Versuch sie sauber in die Capitel und Paragraphen eines wohlgegliederten Programms einzuspannen, wird deshalb immer mehr oder weniger darauf hinauslaufen, sie in ein Prokrustesbett zu zwingen. Jedes Blatt Papier solcher Art läuft Gefahr, binnen Jahr und Tag in den Papierkorb der Zeitgeschichte geworfen zu werden. Ein A B C Buch wäre noch verfrüht. Das noch schwankende und schwimmende Wesen dieses Stoffes macht es unmöglich, eine vielleicht gelungene, vielleicht auch misslungene Formulierung desselben als Grenze aufzurichten, an welcher sich Freunde und Gegner scheiden. Es lässt sich namentlich sehr wohl denken, dass zwei Zionisten, welche gleich ehrliche und gleich tüchtige Vorkämpfer einer freiheitlichen Entwicklung unseres nationalen Gemeinwesens sind, sehr verschiedene Ansichten, beispielsweise über das Rabbinat oder über die Chedarim haben können. Wir stellen deshalb in den Einzelheiten kein starres, streng formuliertes Schema auf. Allein aus diesem Einwurfe und seiner relativen Berechtigung folgt keineswegs, dass eine zionistische Organisation gegenüber den civilisatorischen Aufgaben der Zeit die Hände einfach in den Schoß zu legen hat. Sie kann sehr wohl — und weil sie kann, m. u s s sie auch — gewisse grosse Gesichtspunkte aufstellen, welche einerseits ihre Stellung zu den Fragen der Volksbildung fest und klar kennzeichnen, aber andererseits dehnbar und weit genug sind, um den Meinungsverschiedenheiten über die concreten Fragen der Erziehung und Bildung den nothwendigen Spielraum zu lassen. Meine Herren! Zu diesen großen Gesichtspunkten rechnen wir vor allem die ehrliche und unumwundene Anerkennung der modernen Entwicklung unseres Volkes als des tiefgreifendsten und