Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 4 (1900) London, 13. bis 16. August 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wir hatten unter unseren Ai•{juinenl.cn für den Zionismus bisher ein sein* starkes in dem Bankbruehe der Assimilation. Wir haben da ein neiu-s bekommen: die Insolvenz der Wohlthäter. (Lebhafte Zustimmung.) Welche Insolvenz! Ja, wenn die reichen Leute die Zahlungen einslullen, dann geht viel verloren. Sie waren auf diese Katastrophe nicht vorbereitet, sagen die wohlthäligen Vereine. Das ist ihre Schuld. Sie brauchten nur die Gnade zu haben, den Verhandlungen unserer Gongresse zu folgen. Auf dem ersten Baseler Gongresse, im Jahre 181)7, lagen die Petitionen von fünfzigtausend rumänischen Juden vor. Sie schrien aus äusserster Noth um Hilfe. Sie könnten es keine Stunde langer aushallen. Und sie haben es noch drei Jahre ausgehalten. Droi Jahre eines Massenelends, von dem man sich heute eine schaudernde Vorstellung machen kann, da man sie endlich wandern sieht. Sie werden darüber in unseren Verhandlungen noch mehr hören. Nun sollte man meinen, dass dies alles, die crasse Noth, die Unmöglichkeit, die Flüchtlinge anderswo unterzubringen, das Scheitern aller früheren Uilfsunternehmungen auch unsere verstocktesten Gegner davon überzeugen musste, dass einzig und allein wir Zioniste.n im Besitze des einzigen, das wahren Hillsgedankens seien. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Nein! lins darf nicht Recht gegeben werden. Im Gegenthei/e, wir werden beschuldigt, diese jammervolle Wanderung angezettelt zu haben, damit wir Agitationsstoff bekommen. Wir erklären dies hiermit für eine Unwahrheit. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Nie und nimmer haben wir eine solche planlose Wanderung irgendwohin angeregt oder befürwortet. Wir haben die unzähligen Anfragen der Wanderlustigen stets mit Mahnungen zur Geduld beantwortet. Wir haben vor den drohenden Katastrophen gewarnt, die wir ja leider voraussehen konnten, wenn Menschen ohne Plan, Ziel und Mittel aufbrechen. Als unser Abrathen nichts nützte, und die von der Noth Gepeitschten zu wandern anfiengen, haben wir uns ihrer freilich dennoch. nach besten Kräften angenommen. Leider konnten wir nicht viel thun, da wir ja für wohlthätige Zwecke nicht vorgesehen sind. Aber diese Katastrophe, die schwerlich die letzte gewesen ist und überhaupt noch andauert, soll aucii uns Zionisten eine ernste Mahnung sein. Wir dürten uns nicht damit begnügen, dies als eine Bestätigung der Richtigkeit unserer Theorien anzurufen. Wir müssen auch Praktisches daraus folgern. Nicht mehr sollen in der Zukunft solche verzweifelte 'Auswanderer auf die unsichere Gnade der Wohlthäter angewiesen sein. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Dieser Gongress möge eine seiner Aufgaben in der Einleitung solcher