Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 193)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 193 — Im übrigen wollen wir durch das Leben selbst wirken. Wir wollen Liederbücher, Gelegenheitsschriften, eine Jugendbibliothek, weil die Jugend das Leben und die Zukunft ist. (Lebhafter Beifall.) Wir wollen dramatische Aufführungen, weil auf diese Weise unsere Idee am lebensvollsten wirken kann. Aber auch in allen anderen Richtungen wollen wir durch das Leben selbst wirken. Es soll einer unserer nationalen Festtage, etwa der Sabbath des Chanukafestes, zum zionistischen Festtage, zum Zionstage erhoben werden. An diesem Tage sollen alle jüdischen Herzen höher schlagen, und in der grossen Art des Zusammengehörigkeitsgefühls mit allen früheren und späteren Generationen unseres Volkes werden wir alle sprechen: Wir sind es, für die die Makkabäer gefochten haben, wir werden auch die neue Erlösung schauen. (Sturmischer Beifall und Händeklatschen.) Ueberallhin soll der Zionismus dringen, in wSynagoge, Schule und Haus, und bis in die Hand der Kinder. Im Osten wird unseren Kindern am Tage der Gesetzesfreude ein buntes Fähnlein in die Hand gegeben. Draussen in der freien Gottes weit dürfen sie keine Fahne schwingen, denn sie haben keine Heimat; aber in den dumpfen Zimmern und Gässchen schwingen sie das bunte Fähnlein und jubeln. Wissen wir, wer ihnen dieses Fähnlein in die Hand gedrückt hat? Die alten ewigen Nächte der Verfolgung haben es gethan. Dieses Fähnlein ist das Zeichen des nationalen Gefühls, aber des gedrückten und gedemüthigten. Was wollen wir thun? Wir wollen ihnen die Freiheit zeigen, das freie und stolze Nationalgefühl, wir wollen auf dieses Fähnlein die Embleme des Zionismus setzen. Und wir wollen es im Osten und Westen unseren Kindern in die Hand geben, damit sie es steinend begreifen: wie die Zeit herangebrochen ist, da einmal im Jahre die jüdische Fahne, unsere Fahne, vom Baseler Congresshause weht, so wird die Zeit heranbrechen, da auf eigenem Boden, vom eigenem Hause die Flagge der nationalen Freiheit weit hinweht in unser Land und unseren Kindern die ewigneue frohe Botschaft kündet. (Lebhafter Beifall.) Vors. Dr. HftrzI: Ich werde aufmerksam gemacht, dass ich die letzten Redner zu lange habe sprechen lassen. Ich werde auf die fünf Minuten genau achten. Del. D. Trietsch: Ich habe einen Antrag gestellt, den Herr Zolotkoff unterstützt hat. Wann kommt derselbe zur Abstimmung? Del, Dr. Friedemann : Als Correferent des Agitations-Ausschusses hätte ich viel zu sagen gehabt, um die einzelnen Theile des Agitationsplanes, der von der Commission ausgearbeitet wurde, zu erläutern. Da aber nur ein Zeitraum von fünf Minuten festgesetzt worden ist, so will ich mich auf einige wenige Punkte beschränken und Ihnen in kurzem darlegen, was wir mit einzelnen unserer Vorschläge gemeint haben. Wir haben zunächst ein ofTicielles Beiblatt zur „Welt" herausgeben wollen. Dieses officielle Beiblatt sollte nicht eine neue zionistische Zeitschrift sein, durchaus nicht ein Blatt, welches eine Concurrenz zu irgendeiner der bestehenden Zeitschriften bilden sollte, sondern eine Art Moniteur unserer Bewegung. Es sollte dazu dienen, die officiellen Berichte des Aetions-Comites, der einzelnen Commissionen zu bringen und mitzutheilen, was sich einzelne Parteimitglieder unter den Mitteln der Agitation vorstellen. Das Blatt soll aber nicht die Ziele der Bewegung kritisieren, es soll nicht dazu dienen, aller Unzufriedenheit Ausdruck zu geben, sondern Anregungen bieten, wie sich das Agitationswesen gestaltet. Wir glaubten weiter darauf bestehen zu sollen, dass 50 Percent der Schekelgelder im Lande bleiben. 13