Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 191)
- Language
- German, English, Hebrew
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Wir können den Zionismus von zwei Seiten betrachten, besonders nach dem jetzigen Stande. Wenn Sie auf uns blicken, an alle lebendige Energie denken, die in die Eine Arbeit hinübergeströmt ist, und die grösseren Festtage, die uns die wenigen Jahre dieser Auferstehungszeit bescherten, durchglüht uns dies Gefühl, dass viel, sehr viel gethan worden ist. Aber wenn wir auf unser in banger Nacht dahinsiechendes Volk blicken, wenn wir daran denken, dass der erste Sonnenstrahl der Erlösung, den wir ihm bringen, trotz aller ausgegebenen Kraft noch nicht zu den grossen Massen dieses Volkes gedrungen ist, kommt uns die Erkenntnis, dass noch unendlich mehr zu thun ist. Sie kommt uns aber nicht niederdrückend, sondern zum Weiterarbeiten aufmunternd. Am stärksten zeigt sich das wohl in der Agitationsfrage. Dieser haben wir im kommenden Jahre unser Hauptaugenmerk zuzuwenden. Wir müssen das ganz e Volk für unsere Sache gewinnen. Sollte dies aber nur durch grosse Thatsachen geschehen können, so haben wir unser Volk auf diese Thatsachen vorzubereiten und so für sie reif zu machen. Daneben gibt es auch eine Agitation nach innen. Agitieren heisst Bewegung mittheilen, es heisst aber auch Bewegung erhalten und kräftigen. Hier gilt es, die gestreute Saat zu pflegen und zu überwachen. Der Zionismus ist keine Parteisache, sondern eine Weltanschauung. Die Ausbauung dieser Weltanschauung ist die Pflicht der inneren Agitation. Sie soll dafür sorgen, dass dieser grossartige Complex von Ideen aller Art sich zur vollen Grösse aus wachse und in subtilster Feinheit herausdifferenziere. Die durch die äussere Agitation Gewonnenen sollen nicht -Zionisten sein, wie man conservativ oder liberal ist, sondern wie man -Mensch oder wie man Künstler ist Dies soll durch die innere Agitation, durch Pflege der jüdischen Cultur, cl. h. durch Pflege der gemeinsamen nationalen Güter, des Volksgeistes, der nationaipn Geschichte und der nationalen Literatur, durch die Volkserziehung bewirkt werden. (Lebhafter Beifall.) Der Agitations-Ausschuss, den zu vertreten ich die Ehre habe und der Ihnen durch mich einige allgemeine, auf alle Länder anwendbare Vorschläge macht, hat sich naturgemäss beinahe ausschliesslich darauf beschränkt, die äussere Agitation betreffende Anträge zu stellen. Doch ist der erste Antrag des Ausschusses auch für die innere Agitation bedeutsam. Er lautet: L Der Congress wolle das Agitations-Comite ersuchen, mit der Pedaction der „Welt" darüber in Verhandlung zu treten, dass der „Welt" in monatlichen Zwischenräumen ein offizielles Beiblatt beigefügt werde, das die offiziellen Mittheilungen des Actions-Comites und der ständigen Commissionen, sowie eine den Parteimitgliedern zugängliche Tribüne enthalten soll. Mit der Eedaction dieses officiellen Theiles wird der unten erwähnte Press-Ausschluss betraut. Die übrigen Anträge des Agitations - Ausschusses bilden ein Agitationsprogramm. Sie lauten : IL Zweck der Agitation ist Verbreitung der zionistischen Ideen nach Massgabe des Baseler Programms und der späteren Congressbeschlüsse. Um diese Agitation wirksamer und systematischer zu gestalten, wählen die einzelnen Landes-Comites je ein Mitglied in einen ständigen Oentral-Agitations-Ausschuss, dessen Bureau sich in Wien befindet und an dessen Spitze ein Mitglied des Actions-Comites steht, welches sich vorzugsweise mit Agitation zu befassen hat. Der Central-Ausschuss hat folgende Aufgaben: 1. Von Zeit zu Zeit Instructionen und Anregungen über Agitationsfragen in Form eines periodischen, zwanglos erscheinenden Agitations-