Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 3 (1899) Basel, 15 bis 18. August 1899
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 23 — Nun, sie sollen uns auch dann willkommen sein. (Allgemeine Zustimmung und lebhafter Beifall.) Sie sind ja für ihre kurzsichtige Seele und für ihre Kleinmüthigkeit nicht verantwortlich. (Sehr gut.) Ich werde Sie vielleicht in Erstaunen setzen, w^enn ich Ihnen sage, dass ich selbst die Renegaten, die jüdischen Antisemiten, die Speichellecker der adeligen Salons milder zu beurtheilen gelernt habe. Ich habe sie bei frommen christlichen Veranstaltungen in aristokratischer, grösstentheils schroff antisemitischer Gesellschaft verbrennen sehen. Ich habe in den Büchern ausgezeichneter Beobachter wie Anatole France und anderer gelesen, was sie alles zu erdulden haben, um sich in antisemitischen Adelskreisen einzuschleichen (schallende Heiterkeit), mft welcher Schmach sie sich tränken lassen müssen, um auf einem gräflichen Balle zu tanzen oder einem herzoglichen Pumpbruder Geld leihen zu dürfen. (Laute Heiterkeit, tosender, sich wiederholt erneuernder Beifall und Händeklatschen im Saale und auf der Galerie.) Da begriff ich erst diese Leute und ihr Wesen. Da erwachte erst in mir die Erkenntnis, dass sie die echten Söhne der grossen Vorfahren sind, die auf der Folterbank und dem Scheiterhaufen ihr edles Leben aushauchten. (Schallendes Gelächter, stürmischer, lang anhaltender Beifallsjubel). Auch sie erleiden freiwillig alle Martern und selbst den Feuertod. Auch sie entfalten ebensoviel Heldenthum, um ihr Judenthum zu verleugnen, wie ihre grossen Väter, um dem Judenthurn treu zu bleiben. (Tosender Beifall und lang anhaltendes Händeklatschen im Saale und auf der Galerie.) Grollen wir diesen armen Blutzeugen der Assimilation nicht. (Heiterkeit). Begnügen wir uns damit, uns von ihnen loszusagen, wie sie sich von uns lossagen. Rechnen wir auch auf die Praktischen nicht, die uns anheimgeben, uns im Kampfe die Knochen zerbrechen zu lassen, und die sich vorbehalten, zu uns zu kommen, wenn der Sieg errungen ist. Dagegen dürfen wir nichts unversucht lassen, um zu der jüdischen Menge zu gelangen, die vom Zionismus noch nichts oder nicht das Richtige gehört hat. Wenn unsere natürlichen Mitarbeiter, die Rabbiner, uns im Stiche lassen, nun, so wird es ohne sie gehen müssen. Wir müssen und werden es erreichen, dass die ungeheure Mehrheit des jüdischen Volkes ihre zionistische Gesinnung, ihren Willen zu nationalem Dasein laut vor aller AVeit bekennt. (Lauter und lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ab-r dazu ist erforderlich, dass jeder einzelne Zionist sich immer und überall seines Apostelamtes voll bewusst bleibe. Passive, beschauliche Zionisten, Rentner des Zionismus (lebhafte Heiterkeit), Zionisten des Ruhestandes darf es noch nicht geben. (Lebhafter Beilall und Händeklatschen.) Wir müssen unausgesetzt predigen, lehren, werben. Das Flaggensignal, das wir für unsere ganze heilige Kämpferschar hissen, ist dasjenige Nelsons am