Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 98)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 98 — „Ich. Jude und Italiener, zwei Namen, die meinen Ohren angenehm klingen, der ich mein Vaterland innig liebe, freier Bürger eines Landes, in dem Unduldsamkeit und Antisemitismus fast unbekannte Worte sind, fühle mit den Millionen unglücklicher Brüder, die schwer bedrückt sind. Ihrer sollte ich vergessen? Nie in meinem Leben. Deshalb bin ich unter ihnen. Wohl weiss ich, dass unserem Streben viele Hindernisse entgegenstehen; aber jede Bewegung findet Hindernisse, und früher oder später triumphiert man über sie. Ich weiss auch, dass gerade unter uns Juden sich die finden, die uns Widerstand entgegensetzen; aber ich bin überzeugt, dass unsere Bewegung auch über diese Hindernisse hinwegkommen wird. Unsere Gegner bestehen aus mehreren Categorien. Die einen wollen vom Judenthume nichts wissen. Das Wort Jude dünkt ihnen verächtlich. Möge der Ewige sie erleuchten! Eine andere Categorie besteht aus den Leuten, die frei und glücklich in ihren Heimatländern leben und im Zionismus eine Gefahr für ihr Wohlergehen und ihre Ruhe sehen. Diese muss man überzeugen, dass der Zionismus nur hohe, edle Ziele verfolgt und keine Gefahr für sie in sich birgt. Andere fürchten, dass in dem Moment, wo wir in dem Lande, das wir lür unser Volk wünschen, Erfolge erzielen. Reichthümer erwerben, der Neid irgend einer Nation, die uns jetzt wohlwollend gesinnt, erwachen und unser Volk in grosses Elend gestürzt würde. Ihnen, meine Herren, ist sicherlich der Ernst dieser Befürchtungen nicht entgangen. Sie werden die Garantien zu zeigen haben, die wir für die Sicherung unserer Errungenschaften anstreben. Nun komme ich zur Orthodoxie, die im Zionismus einen Feind unserer Traditionen erblicken will. Auch ich hatte noch im vorigen Jahre einen Artikel im „Corriere Israelitico" veröffentlicht, der solche Befürchtungen aussprach. Jedoch nach den Reden der Herren Dr. Herzl und Dr. Nordau ward ich überzeugt, dass diese Befürchtung unbegründet war. Der Orthodoxe kann sich ja heute gar nicht am öffentlichen Leben betheiligen. Entweder er verzichtet darauf, strenge nach den Gesetzen seiner Religion zu leben oder er vernichtet seine Zukunft und seine Familie. Jedes bescheidene Amt ist ihm ja versagt, wenn er sich seiner Umgebung nicht anbequemt. Ich will auch von unseren Frauen sprechen, die der Religion ganz gleichgiltig gegenüberstehen. Hier ist Arbeit für den Zionismus. Ich bitte nun über Folgendes abzustimmen: 1. Das ganze Programm des Zionismus möge überall durch die Publicität bekannt gemacht werden. 2. Das Programm soll solche Aufklärungen enthalten, dass alle zweifelnden Gemüther beruhigt werden. 3. Das Programm soll in alle Cultursprachen übersetzt werden und an allen unseren Vereinigungsorten affichiert werden. 4. Unter unseren Glaubensgenossen sollen zionistische Zeitungen zahlreich verbreitet weiden. Möge mit der Hilfe des Allmächtigen unser Ziel erreicht werden. Vors. Dr. Nordau : Der Beifall, mit dem die Worte des Rabbiners Sonnino aufgenommen wurden, zeigt, dass der Congress diese Rede verstanden hat. Ueberdies ist eine französische Uebersetzung der Rede gedruckt unter die Anwesenden vertheilt worden. Wenn trotzdem gewünscht wird, dass der Inhalt skizziert würde, bin ich dazu gern bereit. Ich glaube aber, wir sollten mit der Zeit Mass halten. (Zustimmung.)