Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 2 (1898) Basel, 28. bis 31. August 1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 38)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476258--0588-3476722- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
bloc angenommen, und wenn hier ein Beschluss gefasst worden ist? der durch neue Anträge wieder aufgehoben werden soll, werden wir aus den Geschäftsordnungsdebatten nicht herauskommen. Wenn ein Antrag auf Schluss der Debatte, ohne Anhörung der Redner gestellt wird, geschieht das meistens dann, wenn die Debatten von der Mehrheit des Congresses als überflüssig betrachtet werden. Wenn der Congress einsieht, dass die Debatten überflüssig sind, beschliesst er eben mit einfacher Majorität und der Antrag ist dann abgelehnt oder angenommen. Ich glaube, die Antragsteller sind sich da nicht bewusst, was das bedeutet. Es wird ein Antrag eingebracht, man muss eine Auszählung¬ oder eine namentliche Abstimmung durch Zettel vornehmen, die jedesmal stundenlang dauern wird. Nun, meine Herren, wir haben, wie ich bereits heute morgens gesagt habe und noch oft wiederholen werde, nur 3 Tage zur Verfügung. Ein gewöhnliches Parlament, das monatelang zusammen ist, ist wohl imstande, derartige Berathungen in die Länge zu ziehen, nicht aber wir, die wir gezwungen sind, nach 3 Tagen aufzuhören und noch eine ganze Menge wichtiger Arbeiten vorliegen haben. Die Beschlüsse, welche die Majorität fasst, müssen für jeden von uns genügend sein. Ich nehme an, dass die Antragsteller sich nicht bewusst sind, was sie damit anrichten, dass es also in guter Absicht geschehen ist. Auf jeden Fall bitte ich Sie, diesen Antrag abzulehnen. (Lebh. Zustimmung). Del. W. Bambus: Meine Damen und Herren! Wir haben heute vormittags die Geschäftsordnung angenommen und sie eine Zeit lang in Kraft gesehen und wir haben die Empfindung gehabt, dass sie in dieser Richtung nicht ganz gut functioniert Ehe wir nun noch weiter unter einem mangelhaften Functionieren leiden, lieber nehmen wir eine Abänderung an, die in wenigen Minuten erledigt ist. Ich muss Herrn W olffsohn widersprechen, ich weiss genau,, was der Antrag bezweckt und weiss, dass eine Zettelwahl überflüssig ist und eine Auszählung genügt, welche 2—3 Minuten in Anspruch nimmt. Wir wünschen aber auch im allgemeinen nicht, dass die Debatte in einer so brüsken Form, dass die Redner nicht gehört werden, abgeschnitten wird. (Zustimmung.) Wir wünschen, dass auch die Anschauung einer grossen Minorität gegenüber einer kleinen Majorität zur Geltung komme. Wenn aber die Allgemeinheit des Congresses beschliesst, dass die Debatte ohne Anhörung weiterer Redner geschlossen wird, sind wir alle damit einverstanden. Eine Auszählung wird nur in den allerseltensten Fällen nothwendig sein. Handerheben wird genügen. Uns kommt es darauf an, dass alle Delegierten auch das Gefühl haben, dass man sie wenigstens nach Möglichkeit gehört hat, und ich habe die Empfindung, dass heute vormittags eine grosse Anzahl von Herren geglaubt haben, dass man sie nicht nach Möglichkeit gehört hat. Dass wir knapp sind mit der Zeit, weiss ich, ich weiss aber auch> dass die Geschäftsordnungsdebatte viel länger dauert, als die Auszählung, und es wird jedesmal zur Geschäftsordnungsdebatte kommen, wenn man nicht diese mildere Form annimmt. (Zustimmung.) Dr. Bodenheimer: Ich beantrage Schluss der Debatte ohne Anhörung weiterer Redner. Vors. Dr. Gaster: Es steht mir ja wohl frei, dass auch ich einen Vorschlag mache. Es handelt sich darum, dass wir in unserer Mitte absolut freie Beschlüsse fassen. Infolge dessen gestatte ich mir folgenden verbindenden Vorschlag zu machen' ausserhalb der Machtbefugnis des Präsidiums, nämlich, dass von Seite der Herren, welche den Antrag gestellt haben, ihre Gründe durch einen Redner vertreten werden, dass wir dann einem anderen, der