Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1897)
- Date
- 1897-03-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 8. Gesterreichisch-ungarische Lantoreir-Aeitnng. feeue 1 ' j*«*"^*^ >bs/» •»..« .. .-״ *•1*4*#-**׳ ׳׳71 .״׳׳׳,''M-W e "w a h r e' B M e b rn׳h e vt.- ״v In meitter frühm Jugend/verlebte ich -einige Zeit in der auH die Führung nnUUW'ÄienMWMWl, ein von altershex. eMerichteH!/Hptenbuch,, sin! welches?׳: nicht > hchsSterbefäll'^ f*־^יט•"LocalinterH^n meM sondern.' äüch^, sonst: yeDxkettswerthe,יי dre^.Localinteressen mehr öM Ä'enMr^ b^rühMdel Eageserügnifie'.' ö^rzeHnet ׳ wusd en,' WmMHLHtMöWÜette^ Eöftfml*(ote{er־ ©jgupntf. und,fand rKvch^^M'EüHH^HMeA, 1 von '/. denen.' die h^er folgende ׳ ätt׳ deren H^HeiHnuffA ' einige Worte. vprangeyen myaen Deutsckmeuz ein N^arktfiecken im^ CoMitate Oedenburg.. umfasste zur Zxit/lnM^lmz''ElHMnWhner, darunter circa' i-H? jüdische Familien." Äiese^ letzteren' in ihrem׳ angestammtere' friedfertigen Charakter,lebten״ wie/überall,׳ auch-hier mit deu^ anhMn^Ortsgenoffenim:besten/EinvernchznW>.hirnnd dE^M in^r^M^genUHKHW^WWeNuzü^-eiWöev^D^^PMüHrtz'k Verhtzl^si^ mn saslgeineinen wa,^ jedoch Hi^esweH׳ geeignet bei Jenen %a§ Überrömmene Erbe 'einer'gewissen Antipäthi^'gegen die Bekenner? des Imofäischen ׳ Glaubens gtntz zu'unterdrüchenl' ׳'Vonder Natur :eben nur.׳ mit einem ,schwachen Grade van Leutseligkeit begabt, glänztensiiMwgx Nicht NM durch Mischuß"-Auslassungen und bösartige Thätlichkeiten,/ wje, sie. heute bei der weit vorgeschrittenen, Cultur ziir' Beschämung des Zeitalters selbst in fürstlichen Palästen geuht Werden. ' Wem! sich' aber eine schick- HMHejeMAest' ׳ haMdH' 'konntest׳ /fix 6 ׳er Berhocküstg nscht,,widfrstehen,'ein.MHen Judenhass wenigstens duxch,beißendes Gespötte. durch Gejüdel und Gemauschel,- in. welchen Kunststückchen sie einemerkwürdige - Praxis-bekundeten,. zum vollen Allsdruckegelängen M lassen. Indessen verliefenderlei unschuldige Grobheiten in dem Sand, chürden kaum' oeachsetund ritzten schlimmsten Falls irgend' eine Empfindsame Stelle nur oberflächlich: im Uebrigen alterirten sin die ,Eintracht nicht im, mindesten. Eines Tages?jedochl sollte der 'antisemitische Mnthwill durch einen öffentlichen. Act, durch;Verhöhnung jüdischer Einrichtungen in die Erscheinung weiten. Es.war letzter Fasching, der Tag, wo die Belustigung im Volke.ihren Höhepunkt erreichte, und Maskenzüge aller Art zur Tagesordnung gehörten. Jir einer stark besuchten Weinschänke haß .eine fidele Gesellschaft aM^h^l.. besseren,, Häusern., bestehend,. beisammen und..berath-, schlagte mit dem Aufgebote ihres,-Erfindungsgeistes über, die Wahl einer. Maskerade, die matt heute aufführen und die alle anderen au-, Picanterie und Erheiterung übertreffen sollte. Nach erschöpftem Gedankenaustausche- ' machte endlich.der. sehr spaßig ättgelegtp /Tonangeber er/'mag Goger Jörgel: heißen --- /beu Vorschlag: spielen wir einmal ״zu Meß-Mizwa".: Er hätte, kaum ׳diese Morte ausgesprochen, da hallte der große Trinksaal von dem begeisterten Ättfe':' :,Ja, ja, zu 'Meß-?Mizwa. -Herrlich, göttlichdabei-' bleibt es!" Der Vorschlag wurde mit rauschendem Beifalle, - ausgenommen ulid -der- Antragsteller, zum Lohne für diesen köstlichen׳Einfall, mit -der Darstellung, der .sehr:,dankbaren Hauptrolle sbetraut. - Für - diejenigen Leser, welchen dev . Begriff, dieser-Aufführung dunkel ist,- diene folgende Aufklärung: -In der dortigen Jsraelitengemeinde bestand, und besteht vielleicht noch, dle.HW0L'MK-dMsiseitens.der.^Wewr!^KäÄsKstf'''/W//Tabe einer-'Leich enbestättüngckierLeichendi^net ׳׳— Librer inAmtßträcht und-Mt chxr׳ ffilberneu. Dammelhüchse imder^Hand durch alle von Juden bewohnten Gassen die'Runde macht und unter dem!weithin' lautenden Muse״ :׳Zu Meß-Mizwa": die bevorstehende BeerdigUng .aukünd.igt. Undffo ein Lebensbild aus dem Tytenreich sollte mkn׳zur"Belustigung des-,löblichen Bürger-, thums und-;nebenbei, zrlM;Aergernis -der Inden,in Scene gesetzt werden.' Gesagt gethan. Sofort'wuröen die nöthig'en Maßregeln getroffen-und-diö^elnschNgigen iRequisttem׳cherbLigeschäMi.nach-׳ DerlkMIWWWettÄWW i die Schaubühne, das heißt, er legte sich auf die Tragbahre, zu l Deutsch: ^MstkarvM^--.UMtz-,M^WKvMTer Manneskänge aus, und ward mit, einer schwarzen,Decher VM der MöWe bis über den. Scheitel überzögem ckag,.er da zur, aWWWM. BewuMrunK^ hingegMen mit aller Grazie einer lebeyhW Leiche:,, zum sprtzche^^ähulich.,:We-vM.^ft..,MytzeK«j:.LüchentMe^, sechs!: Manu, hoch, traten heran, ihres-ÄurM.M Ualten, haben, dje Bache mit. dem Scheintoten sanft auf ihre breitem,SchnMru^ und'der Zug setzte sich in Bewegung,, begleitet vyn/einer muffenhasten! johLMdenMenschenmenge,, Voran; schitt ein --tqvgex Kerl in, der, Zlnwstxacht.des-südifchen LeichndMei-s, mst schmaxzem. Rock, hefchnaMen. Schnhsm, den. dxeiMigeiz. Hut. auß 1dM. Kopse,, nah. einer. ,SammelhWse» in.MestM,eines..-gWßmächtigen irdenen Gefäßes in der Hand. Dieser Leicheudiener, mit sejnem. äußexst..drolligen W^fen, seinen possenhaften Manieren und Bewegungen, hielt die Heiterkeit des Publicums in fortwährender Steigerung, oesonders wenn er feinen langen Arm mit. der .]Bärklfifxk ftk: urkol^ffch betaute - -,Zu Meß-Mizwa . higMrief^ w.k^beHj chmer einige Wöhlthater 'aus 'der nrttgebüng,' Männchen nn^ Weibchen. JnM.,unh^M^ Mr Mr^SÄexMu. da emeL. schallendes Gelächter den gairzen״ Mftkreis/ selbst die jüdisches Zuschauer,, wenn dev: Zug, an.' ihren!Häusern ^vorbei -passtvt^!. kchmterr sich eines Lächelns nicht. erwehren,- und» ckqmbek ihnen/!.eyr: Helles i.Austachen.> nur ׳ dOhalh .nicht:zum Ausbruche, .-weWsich in ihv .Gefirhl zugleichdie tzymrige Wahrnehmung! mischte:,״: dhss es mit der Moral jeizer Menschenclaffe sehr arg. aussehen.,. lchisie, wenn zur Befriedigung ihrer» Berguügnngs-L-:und.^rlM,, ssicht ein in das-GemüH. tiLf.-eivschusid,eudH5.Dhema Ber-rl,. höhnugg. einex LeichenbHottun^,-? koWe/.. Kurz', es gab. ein. SÄäustnck,. ׳nüen^ZMrÄaiM^M^- mau sich, ihn njcht' toller denken möchte,, üM^w^',ex/ .Erfindung hex Verstellungsk1zns°t nMl nicht.. geMey.' w^rhen/ish! Un^wMchuM..aW^NWWmMWhHLM^W Endlich war das SpektE aus. 'Die M«kge,'sn freudig gehobener Stimmnug^. kehrte Mt dem. gäyzyh ZWGgte wieder. zu dem Ausgangspunkte. zurück:, nm^ hie unterbrochene Zeche dort, wo man geblieben war,' fortzuse'tzen. Nun ward der Mistschrageh > mit der' theuerett. Last von .den Schultern stbgehybM und,.'sanft zur , Erd?,. gAeukt. Jetztbraqgw MU.' aü/"dtMÜä. heran,, ein jeder, wollte der erste, sein, um den .ansgezeichnetm. schier beneideten Leichenkünstler zu applaudieren. Er aber wollte sich nicht zeigen.' Mehrere^Mnnlten'.verMengÄr. Er/machte keine Miene. zu, evschemm. Frellich^. es war' ja tticht zu 'wundern, w'chn er aus.^dW״ fechAHlM. 'S.chük1xrn. so' angenchM ü1rr. .so in der Luft schwebend, eine solche Tour, gemacht,, vor . Wonne eingeschlummert war. Endlich musste er ja doch geweckt werden, Man zupfte an der Decke. Noch immer hielt!er die Leute zum besten. Des Wartens müde zog man ihm nun die schwarze Decke mit /einem./ gewaltigen .Rucke .herab.. Aber,. o Himmel/l . welch schreckliche Ueberrafchung? Man traute seinen Augen kaum. Es war kein Schlummer, der ihn gefesselt hielt, es war wirklich der ewige Schlaf auf seinem Untlitz ausgesprochen. Tot! tot War er, der so wundervoll, so hinreißend schon die Judcnleiche repräsentirte. ״Todt ist todt!" riefAlles. Die vom herbeigernfenen Arzte angestellten Belebungsversuche blieben erfolglos. Starr vor Entsetzen, zugleich auch, tief beschämt, schlicheu die Anwesenden hinweg von der Unglücksstätte: und mussten sich theils im Stillen> die meisten aber laut. und unverhohlen.gestehen: ״Na, mit den Juden ist doch nicht, viel zu-spaßen! Die haben ׳ noch immer ihren.alten. Gott.!'7 — — , Ob c.die Deutschkreuzer , seitdem wieder Lust verspürten, bei hochgradiger Faschingslaune , ״Zu Meß-Mizwa" zu spielen, darüber schweigt die Geschichte. Jedenfalls "blieb der 'Eindruck dieses Vorfalles ein sehr nach- ' haltiger, von dem noch. in neuerer Zeit erzählt wurde. ׳׳ ׳'■/ ' " P. M. | Nnfrren geehrten Herren Nbomrrntrn und-