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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1888-04-15 · Heft 13 (15.4.1888) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
8 (1888)
Issue
Heft 13 (15.4.1888)
Date
1888-04-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisehungarische Aräviimcratioiisprers FS» DereinsmitgUtder. Va.izjührig fl. S.— Halbjährig ff. 2.50 BiertrljShrig fl. 1.25 3«*. 9li4«mit0(tcte« Ganzjährig fl. 6.— Halbjährig fl. 3.— Blrrttljährig .fl. t.5& Pt -aS 911(I«n> Ganzjährig fl. *.— 10 Mark obre 5 Rudel. Ox|an Pr §t üykrMen Wischer mil ^vltpsbesmtell. Hrscheinlze d ■■e n achten Gag. Begründer: ObeAantor ^seob 8ansr7. Kedaclisn und Administration . Wien. II , Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Mannscripte werden nicht retournirt. Nr. 1s. Wien, IS^ April 1888. 8. Jahrgang. Methodik -er Gesangskunst. XXIV. Allerdings ist auch in den Gesangschulen von staccato und portamenta die Rede, doch erscheinen sie dort nur als willkührliche, zufällige Formen, ihr innerer 'Grund und dem entsprechend ihre in- Acre Nothwendigknt an ihrem bestimmtm Platze, wohin sienothwenbig gehören, ist'nirgends MchgeMeW''Mv' wmMnWMch^siellnchk*- * Manche unserer Behauptung von staccato und portamento als uothrvendigen Normen der auf- und absteigenden Scala, mit dem Satze entgegentreten werden, dass ja auch beim Violinspiel die Scala auf- und absteigend ohne staccato und portamento gespielt werden könne, dies also auch beim Singen der Fall sein müsse: jo antworten wir kurz, dass die Thätigkeit beim Singen eine auf lebender Kraftentwicklung beruhende;ift, also etwas ganz Anderes, als das Spielen eines tobten Saiteninstruments, bei welchem der Ton durch äußerliches Aufsetzen eines Fingers erhöht wird: bei einer Violine kommt die Kraft zur Erhöhung der Töne von außen, beim Singen.ist es eine dem lebendigen Organe innewohnende und an ihm selbst wirksame Kraft, welche die lebendige Neigung zur Ruhe in sich trägt. Schon deshalb ist aller Vergleich mit dem Violinspiel und mit jedem andern tobten Instrumente durchaus unstatthaft, und es bleibt somit dabei, die Nomalthätigkeit besteht beim Singen der aufsteigenden- Seala im staccato, beim Singen der absteigenden Scala im portamento: weil aber dies die aus der Betrachtung der Muskelthätigkeit sich ergebende normale Thätigkeit ist, so muß auch der Schüler vor Allem auf sie hingewiesen werden, er muß vor Allem nur in dieser Weise seine Scala auf- und abwärts erzeugen, und nur das Eine haben wir noch zu bemerken, dass wir unter staccato nicht etwa ein rasches Abschneiden des Tones verstehen (pizzicato würde dies dezeichnen), sondern nur ein rasches,׳ bestimmtes Eintreten oder Einschneiden; und liegen die zu verbindenden Töne auf-oder abwärts weiterauseinander (Terze, Quarte oc.), so müssen beim ersten Studium jene Grund gesetze ebenfalls aufs Genaueste beobachtet werden bei gleich weit geöffnetem Munde und ruhigem Athemzug. Hat aber ein Schüler auf diese Weise eine gleich leichte Ansprache aller Töne, Leichtigkeit und Schnelligkeit der Bewegung im ganzen Umfange seiner Stimme durch Uebung erreicht, erst dann dürfen ihm diejenigen Variirungen des Ansatzes bei der auf- und absteigenden Scala gezeigt und gelehrt werden, welche die Natur überhaupt nur zulasst. Wir wären jetzt daran gelangt, von der Herstellung einer guten Coloratur zu sprechen, ehe wir jedoch zu dieser übergehen können, haben auch wir noch länger bei jener primitiven Normalthätig- ׳keit zu verweilen, und.W^zeigM, wie nur durch sie eine gleich leichte Ansprache der Töne, Leichtigkeit und Schnelligkeit der Bewegung, überhaupt eine gute Coloratur zu erreichen ist. In der Scala erscheinen alle Töne als Glieder einer ganzen Reihe, als Ringe einer großen Kette, und zwar sollen sie als gleiche Glieder, gleiche Ringe auftreten. Jedes Glied muß bestimmt unterschieden sein von den andern Gliedern und doch wieder diesen gleich. Unterschieden aber wird jedes Glied von allen übrigen, jeder Ton von allen andern dadurch, dass er ein in sich bestimmter anderer Ton ist; d. h. alle Töne müssen in sich bestimmt und dadurch unterschieden sein von den andern. Haben wir dies durch Herstellung jener Normalthätigkeit bei der auf- und absteigenden Scala erreicht? Ganz gewiss; denn das scharfe Einschueiden bei der aussteigenden Scala, und das bestimmte Festhatten auf dem für jeden Ton bestimmten Einschnitt der Kehle bei der absteigenden Scala hat eben nur die Bestimmtheit jedes Tones in sich zur Folge: jeder Ton wird dadurch ein in sich bestimmter, dass der jeweilige Ruck des Schildknorpels nicht um ein Haar verändert werden darf, dass die Muskeln fich nur so weit ausdehnen oder zusammenziehen, als dazu nöthig ist, mit Ueberwindung jeder weiteren Neigung. Dadurch werden die Töne bestimmt in sich und als solche zugleich ganz bestimmt unterschieden von allen übrigen Tönen. Je normaler also die Muskelthätigkeit angewendet wird, desto mehr sind die Töne selbst in sich bestimmt und abgegrenzt von den andern; wo dagegen der Athem oder das Quetschen mithelfen will, da werden auch die Töne unbestimmt, unrein, undeutlich. Eine reine Intonation ist nur durch Herstellung dernormalen Muskelthätigkeit möglich. Wenn sodann in der Scala alle Töne nur als gleiche Ringeeiner Kette erscheinen sollen, so liegt darin auch die Forderung, dass.

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