Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1886-12-24 · Heft 41 (24.12.1886) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
6 (1886)
Issue
Heft 41 (24.12.1886)
Date
1886-12-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/1304829-3453044-3453085--1966-3456164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 7׳ — verdient der Tonst des Herrn Bürgermeisters Dr. Gaiczak, der, mit Rücksicht auf das cordiale Verhältnis, dnS in unserer Stadt zwischen Christen und Juden besteht, den Wunsch nussprach, es möge bald die Zeit anbrechen, in welcher ans der ganzen Erdenrunde alle Menschen ohne Unterschied der Consession von der gleichen Einmüthigkeit im Wirken und Streben beseelt wären, wie sie die zahlreichen Gäste bei diesem Feste harmonisch vereint. — Die Großartigkeit di.ses Hochzeikssestes wird den Einwohnern unserer Stadt lange Zeit in angenehmer Erinnerung bleiben. Iriest. Dem ,Corners Jsraelitico" entnehmen wir die folgenden statistischen Notizen. Triest zählte in der fünfjährigen Periode 1881/1885 im Durchschnitt 146.320 Seelen, darunter 4650 Inden. Es starben von der Gesammtbevölkernng während dieser Epoche 22764 Personen, im Durchschnitt 31 2 von Taus.nd in einem Jahre. Hierunter befanden sich 495 Inden — 21 2 von Tausend der jüdischen Bevölkerung, während sich für diejenigen der anderen -Confessionett eine Sterblichkeit von 31 4׳ von Tausend ergibt. Von je 100 jüdischen Todten erreichten 106 — 4 56 ein Alter von 1—5 Jahren, 274 11*80 ein solches von 6—70 Jahren, und 115 — 4*94 waren über 70 Jahre alt. Von je 100 nicht jüdischen Todten erreichten 10718 — 15*13 ein Alter von 1—5 Jahren, .9301 — 13*12 ein solches von 6—70 Jahren, und 2250 — 3 17 waren über 70 Jahre alt. Das mittlere Lebensalter betrug bei den Juden 43, bei den anderen Confessionen 25*4 Jahre. Auffallend groß ist die Zahl der Selbstmorde unter den Inden in Triest. Es starben in den erwähnten 5 Jahren nicht weniger als 18 durch Selbstentleibung. Wie sich dieses Verhältnis zu den anderen Con״ tessionen stellt, ist nicht angegeben. Der Cholera erlagen in den ersten ,9 Monaten 548 Nichtjüden — 3*75 und 7 Inden 1*5 von Tausend. Wrestau. Von dem amtlichen Berichte über die Fregueu; der hiesigen Schulen dürften einige Zahlen auch Ihre Leser interessiren. Das Elisabethgyn.nafium besuchten 683 Schüler, darunter 382 evangelische, 26 katholische und 125 jüdische; das Maria Magdalenagymnasium frecsttenkirte» 614 Schüler, darunter 422 evangelische, 25 katholische und 197 jüdische; das Johannesgymnasinnr besuchten •646 Schüler, darunter 451 evangelische, 56 katholische und 139 jüdische. Die katholische Bürgerschule zählte 483 Schüler, 88 evangelijche, 234 katholische und 161 jüdische, die höhere Töchterschule in der Taschenstraße zählte 357 Schülerinnen, unter ihnen 153 evangelische, 19 katholische und 184 jüdische, die Töchterschule am Ritterplatz 344 Schülerinnen, 238 evangelische, 30 katholische und 86 jüdische. Auf anderen Anstalten sind die jüdischen Schüler in größerer Minorität. Im Ganzen wurden im vergangenen Jahre die öffentlichen Unterrichtsanstalten unserer Stadt von 4161 evangelischen, 838 katholischen und 1486 jüdischen Schülern und Schülerinnen besucht. Henris. Die größte der beiden hiesigen polnischen Synagogen befindet sich in einem alten Palast, Nur St. Paul 5. Jüngst wurde die Synagoge renovirt und da wurde aus in den Wänden befindlichen Malereien constatirt, daß dieser Palast einst von der Königin Blanche von Castilien, Mutter des Königs Ludwig IX., des Heiligen, bewohnt worden war. Die Königin ist in der Geschichte als eine Judenfeindin bekannt, und ist es gewisss merkwürdig, dass nunmehr in ihrem Palaste jüdischer Gottesdienst stat'findet. London- Nach der letzten Volkszählung befinden fich in -England in runder Zahl 110 000 Inden, wovon 41.700 auf London und 68.300 ans die Provinzen kommen. Dr. Gibbon bemerkt in seinem Berichte über die Sterblichkeitsoerhältniße in London, dass die . Sterblichkeit bei den Londoner Juden viel geringer sei, als bei den nichtjüdischen Einwohnern dieser Stadt. In einem Bezirke betrug ^die Sterblichkeit bei Nichtjüden 43 ans 1000, bei den Juden: 20 ^auf 1000. Als Grund dieser Erscheinung gibt Dr. Gibbon die größere Enthaltsamkeit und die sorgsamere Kinderpflege bei den Inden an. Die mittlere Lebensdauer der Inden Britanniens soll nach Dr. Gibbon höher fein, als die des anglofächfifchen Stammes. Nach demselben Gewährsmanns sollen unter der jüdischen Bevölkerung gewisse Krankheiten ganz unbekannt sein. Dasselbe constatirt Dr. BehrendS und erklärt diese Erscheinung als wohlthätige Wirkung der jüdischen Speisegesetze. Nach mündlichen und Zeitungsberichten soll der überwiegende Theil des jüdischen Capitals 1.) der Industrie und dem Handel, 2.) dem Umtauschgeschäfte zugewsndet sein. Die Juden Britanniens find großtentheils wohlhabend und haben unter den Capitaliften ersten Ranges eine nicht unbededeuteude Vertretung. Sie nehmeir an allen Berufsarten Theil und find auch in den Staatsämtern vertreten. Die Collsnuition der Güter ist bei den Juden dieselbe wie bei der nicht-jüdischen Bevölkerung; ausgenommen sind die durch die jüdischen Speifegesetze ausgeschlossenen Consumtionsgegenstände. Das Verhältnis d-r jüdischen Bevölkerung zu ihrem wirthschastlicheu Leben ist iusoserne ein günstiges, als das Proletariat verhältnismäßig wenig vertreten ist und die sonst bedeutenden Nngleicht) eiten des Volkseinkommens auf Grund einer ausgebreiteten öffentlichen und privaten Wohlthätigkeit weniger fühlbar gemacht werden. Auch steht der jüdischen Bevölkerung, sowie der nichtjüdischen der Weg nach den überseeischen britischen Besitzungen offen, was eine Uebersülluug der Hauptbranchen der jüdischen Production außer Aussicht stellt. Die Familienstatistik der englischen Inden ergibt insoferne günstige Resultate, als wir hier weder ein zu frühes Heiratsalter, noch eine lleberbürdnng mit Nachkommenschaft antrcssen. Was das Assoeiationsteben anbelangt, so sind außer zahlreichen Wohlthätigkeitsvereinen alsj ausschließlich jüdische Vereine die ,Auglo - Jewisb - Association' und das ,Comire - Montagn' mit Humanitären Zwecken, die ,Society of Hebrew Literatnre' zur Förderung der Wiss enschaft des Judenthums und Palästina-Colonisations-Vereine mit jüdisch-nationaler Tendenz zu verzeichnen. Als Stamm weisen die Juden Englands infolge der Seltenheit und Unsruchtbarkeit der Mischehen, sowie in Folge der Beobachtung der mosaischen Speisegesetze einen verhältnismäßig reinen, durch günstigere materielle und geistige Lebensbedingungen veredelten Typus ans. Sie theilen sich in Sevhardim (Ankömmlinge spanischer Inden) nnd Aschkeuafim (Abkömmlinge deutscher Juden). lieber das jüdische Verbrecherthum in England wird berichtet, dass bei Juden Angriffs gegen das Leben fast nie, Angriffe g^gen das Eigcnthnm aber öfters Vorkommen. Die Wohtthätigkeitsorganisation ist musterhaft und erstreckt sich auch ans ausländische Juden. Die Volksbildung steht bei den Juden Englands ans äußerst hoher Stufe; unter den Elementarschulen ragt die »Jewish Free-School' als die bedeutendste Volks׳ schule in Europa hervor. In derselben wird 3200 Kindern nnentgeltlicher Unterricht ertheilt. Fragen an die gelehrten Herrn Mitarbeiter. Da ich mir folgende Stellen nicht erklären kann, bitte ich um Aufklärung: Warum sagt man lehadlik ner sehel ehanuka und nicht lehadiokas ner, wäbeend man al mikro megilo, aber nicht likro sagt. Wo bleibt die Consegnenz? Bei halel heißt es wieder likro 6s kalialel. Sukos sagt man lesckew basulco, während man am selben Feste al netilas lulov sagt und nicht litol luloy; warum al acbilos mazos ober aehilos maror und nicht leeehol moror? Warum also einmal das Zeitwort, einmal wieder das Hauptwort? Ich bitte um Aufklärung. S. A b e! e S in Laun. Abonnementsnnd Jnsertionsbeträge sind in der Nedaction- Wien. II., Novaragasse 2V, zahlbar.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.