Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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— S — deutet auf die Fortdauer des Geschlechtes hiu, die er mit den uiederu Wesen theilt. Ferner liegt es dem Menschen auch als vernünftiges Wesen ob, seine Kinder sowohl physisch als geistig zu erziehen. Zn dem Segen nun, den Gott dem Menschen ertheilte, ist in gedrängter Kürze seine zweifache Bestimmung in ihrem ganzen Umfange und ihrer Bedeutung gekennzeichnet. פרו »seid fruchtbar", mit anderen Worten: die generelle Dauer der Menschheit — ורבו ,erziehet" eure Kinder zu göttlichen Zwecken, denn die Wurzel von ורבו hat auch die Bedentung^des ,Erziehens', wie טפחתי ומלאו את הארץ;(איכה) ורבירד erfüllet zwar die irdischen Bedürfniße, doch »״וכבשוה bezwinget sie! Die Genüsse, welche zur ׳Erhaltung der leiblichen Anforderungen unumgänglich nöthig sind, sollet ihr Euch nicht versagen, doch müsset Ihr im Genüße derselben mäßig sein, denn so er das Maß überschreitet, so ist er sündhaft und die Sünde zu bezwingen, ist eben des Menschen Aufgabe hienieden. Semit und Antisemit eine zeitgemäße Studie von K. Kokdsteiu, ein. Lehrer zn Gleiwitz. (Nachdruck verboten.) II. Um diese auffallende Frage zu lösen, erscheint cs uothwendig etwas umständlicher zu werden, wenn wir auch nur das Nöthige in aller Kürze scizziren wollen. Wir haben hochbedeutende und von uns hochgeachtete Werke, 1. den Talmud, geschlossen im Jahre 500 gewöhnlicher Zeitrechnung, 2. More Nebuchim oder Lehrer der Zweifler, wörtlich Irren, d. h. in religiöser Beziehung und endlich den Xosri, deren ich mich bei dieser Abhandlung bediene. Ueber unser Nationalweik Talmud, der aus Unwissenheit und Unkenntnis noch viel mehr verpönt und verhöhnt ist, als die Namen .Jude", ,Israelit", ^die man doch wenigstens leibhastig kennt, fällt mir nicht ein, ein Wort zu verlieren. Ich weise vielmehr Jeden, der sich kurz und bündig über dessen hohen Werth in Bezug ans Erklärung der Thora, seines großen Sprachschatzes für Orientalisten, genauer unterrichten und namentlich ersehen will, welche Dienste der Talmud der Judenheit, wahrend ihrer fast 2000jährigen Leidensgeschichte geleistet hat, indem er sie vor geistiger Verdumpfung geschützt und bewahrt, sie in ihrer natürlichen, geistigen Regsamkeit nicht nur erhielt und förderte, londern sie über ihr namentliches Elend, in welchem sie zuerst als Kriegs-Gefangene geschmachtet, dann zu Kammerknechten des h. römischen Reiches avancirt, erhob und wunderbar geistig rührig erhielt — um dies zu erschauen, verweise ich auf Moses Mendelssohn gesammelte Schriften IV. Band, 1. Abtheilung (Brockhaus, Leipzig 1844) 35ster Brief, S. 529; ferner auf Jost, Grätz und Bäck, Geschichte des jnd. Volkes. Diesem, von einem christlichen Gelehrten geschriebenen Briefe, pflichte ich bei und habe nur den Wunsch hinznzufügen, ,möchten doch alte Nachtreter des getauften Eifenmenger, wie Rohling und in jüngster Zeit ein Wiener, und Andere, die sammt und sonders nicht einen Satz des Talmud's im Original lesen, geschweige dessen Inhalt verstehen — diesen Brief beherzigen. Maimonides, Verfasser des zweiten angeführten Werkes Mors Nebochim, doctor perplexorum, kennt Jedermann und im Gegentheile ist dessen hohe Bedeutung, nicht nur für das Judenthum sondern für die Wissenschaft überhaupt, ans jedem Conversationslexicon ersichtlich. Minder bekannt dürfte das dritte angeführte Werk, der Kosri, philosophische Disputationen des nach Belehrung über wabre Gotteserkenntnis, Religion strebenden, mächtigen Ebazarenen-Königs mit einem Chaber (Genosse; Freund), d. i. Rabbi Jizchak Sangari, Lehrer und Freund des Chazarenen-Königs. einem sceptiichen Philosophen, persischen und mahomcdanischen Theologen, von Rabbi Jehuda Halevi um 1140 in arabischer Sprache verfasst und von Inda Eben Tibon 1169 in's Hebräische übertragen. Ueber die Bedeutung des Kosri wie über den zum Jndenthum übergetretenen Chazaren-König Chagan Bntan mit seinen mntbigen Cosaren wolle man sich in der jüdischen Geschichte von Jost, Grätz und Bäck informiren. Noch drec Weltweise, die der Menschheit unvergängliche Gcistesproducte geboten, haben aus dem, von den Antisemiten so׳ sehr verpönten Talmud ihren Geist befruchtet und dadurch sich zu den wahrhaft großartigen Leistungen befähigt. Es sind Männer, die sich in der Philosophie und Literatur unsterblich gemacht — und die der Gegenwart näher stehen, als die bereits erwähnten. Ich meine die Semiten Spinoza. Mendelssohn und den uns jüngst erst durch den Tod so früh entrissenen Dichter und Philosophen, den Erläuterer und Ueberseher der tiefsinnigen Schriften Spinoza's — Berthold Auerbach. Der so zartfühlende und zartbefaitete Dichter glaubte für Humanität während seines thatenreichen Lebens durch seine Geistesprodncte in echt semitischer Weise gewirkt zn haben und sah durch die Erscheinung pommerscher und russischer Cazappen sich plötzlich enttäuscht, sich der׳ traurigen Thatsache bewusst, umsonst gelebt und gewirkt zu haben und starb mit gebrochenem Herzen. Das Nationalwerk der Talmnd kann demnach unmöglich so unfruchtbares, unnützes Geschwätz enthalten, wenn solche gottbegnadete Männer ihm fast den dritten Theil ihres Lebens widmeten und nur durch eifriges Studium desselbendas geworden, was sie eben wurden — Lehrer der Menschheit — wie die semitischen Patriarchen, wie wir im Laufe unserer Studie uachznweisen gedenken. Man verzeihe mir diese Abschweifung, respective den geführten Nachweis über Lauterkeit, Erhabenheit der Talmud-Quells, ans der zuförderst unsere größten Männer geschöpft, und die Bosheit, Lüge, namentlich aber Unkenntnis desselben bislang fir sehr getrübt, weil ich sie für nothwendig erachte zur Erörterung er׳- wähnter Frage: ״warum wird immer der entichieden jüngere Sem dem absolut älteren Japhet bei Bezeichnung der Nach׳ kommen Noa's vorgezogen? Gewiss stimmt Jedermann mit mir überein, dass die heilige Schrift das eigentliche Schulbuch der Menschheit war, ist und bleiben wird, und wir nur daraus die wunderbare, göttliche Leitung, Erziehung derselben entnehmen können und sollen. ’ Darum geben es auch Juden und Christen ihren Kindern in die Hand, um auf untrügliche Weise, wie aus keinem anderen Buche möglich, über Gott, Welt und Erziehung des Menschengeschlechtes belehrt zn werden. Dies also zu vermögen, müssen wir wiederum zur Genesis, als der einzigen Stammrolle der Menschheit greifen. Da lesen wir Cap. 5. 1. »Dies ist das Buch d. i. Stammrolle Adam's, am Tage als Gott schuf Adam, in Aehnlichkeit Gottes hat er ihn erschaffen." Im Jalkot 39 find die Nabbinen wie gewöhnlich getheilter Meinung. Während Rabbi Judan meint, angeführter Vers ist eine Hauptlehre der Thora — weil eben diese Stammrolle der Menschheit, klipp und klar nachweist, dass Adam unmittelbo» ein Geschöpf Gottes — thatsächlich Gottessohn ist, und nicht vom Weibe, wie seine Nachkommen geboren — um dadurch vielen irrigen Ansichten zu begegnen, wie die Theorie der allmäligen Entwickelung der Naturgebilde aus dem Unvollkommenen zum Vollkommenen — oder dass mehrere Menschenpaare in verfchie-