Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-11-03 · Heft 37 (3.11.1883) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 37 (3.11.1883)
Date
1883-11-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3452915-3452952--0784-3454855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— e — hohe Mütze und hohe Stiefel, die Beinkleider waren selbst dem neugierigen Auge nicht zugänglich, da der Rock bis zu den Knöcheln hinabreichte. Sein Gesicht erhielt schon dadurch einen urkomischen Ausdruck, daß die thurmhohe Mütze bis zu den Augenbrauen reichte und so die ganze Stirne verdeckte. Erwähnen wir noch seine kleine aber furchtbar aufgestülpte Nase, den breiten Mund, mit einer hoben Oberlippe und einer aufgeworfenen dicken fleischigen Unterlippe und denken wir uns das ganze Gesicht blos bis auf einen kleinen Streifen unter dem Kinn, glatt rasirt, so haben wir ein getreues Bild dieses curiosen Mannes entworfen, der sein Lebenlang, bis um die Zeit, als ich nach Neustadtl kam, ,Kinder-Lehrer' in Schachtitz nächst Waag-Neustadtl war. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Wie vor Kurzem bereits in diesen Blättern gemeldet wurde, hat ein nicht nur durch seinen großen Reichthum, sondern auch durch besondere Herzensgüte und seinen Wohlthätigkeitsfinn hervorragendes Mitglied der hiesigen türkischen Zsrael.itengemeinde, Herr M. A. Elias, in seinem Hause ein Bet-Hami drasch gegründet. Das Bet-Hamidiasch, in welchem täglich Vorträge gehalten werden, wurde ans Kosten des Herrn Elias höchst elegant eingerichtet und ist auch mit einer sebr wcrthvollen und reichhaltigen Bibliothek versehen. — Am 30. October fand die Einweihung dieses Institutes statt und waren bei der Feier der Gemeindevorstand, die Familie des Gründers und zahlreiche Gäste anwesend. Besondere Weihe erhielt die Feierlichkeit durch das Absingen zweier neuer Chöre: ״baruch eiohenu“ und ״zadik katamur jifrach“, welche vom Obercantor I. Bauer sammt dem Chorpersonale trefflich zur Ausführung gebracht wurden. Eine besondere Ueberraschung wurde Herrn Elias durch den Vorsteher, Herrn Marcus M. Russo bereitet. Dieser ließ nämlich ein lebensgroßes Porträt des Gründers ansertigen und es während der Feierlichkeit demselben durch drei Knaben und drei Mädchen der Talrnnd-Thora- Schule überreichen. Das wohlgelungene Bild bleibt im Bst- Hamidrasch zur ewigen Erinnerung an den Stifter. Hlwüh. (Orig. Corresp.) Bekanntlich durften in früherer Zeit in Oimütz!eine Juten wohnen. Die hiesige jüdische Gemeinde gehört daher zu den jüngeren in Mähren, trotzdem sie in ihrer Entwicklung schon viele ältere weitaus überflügelt hat. Es besteht hier wohl nur ein Cultusvereiu, in nächster Zeit wird aber schon dessen Umwandlung in eine Cultnsgemeinde vor sich gehen, und auch ein neuer Tempel gebaut werden. An der Spitze der Gemeindeverwaltung steht Herr Ed. Hamburger, Bräuhanspächler, ein Mann, der sin׳ um die Hebung der Gemeinde große Verdienste erworben hat und sich daher einer großen Beliebtheit in allen Kreisen der Gesellschaft erfreut. Unterstützt vom Gesamnttvorstande, insbesondere von dem Chewra Ladischa-Vorfteher, Herrn Juwelier Pollak hat derselbe manch' icköne Institution in's Leben gerufen. Vor Kurzem feierte Herr Ed. Hamburger seine silberne Hochzeit und zugleich fein fünfundzwanzigjähriges Bürgerjubiläum in Olmütz Aus diesem Anlasse spendete Herr Ed. Hamburger 1500 fl. für verschiedene jüdische und christliche Institute. Der Bürgermeister der Stadt Olmutz, Herr Ritter v. Engel richtete an den Jubilar ein Anerkennungsschreiben, in welchem das segensreiche Wirken des Jubilars^ in der jüdischen Gemeinde sowohl, wie auch in der Stadtgemeinde lobend bervorgehoben wird. Der Gottesdienst in der hiesigen Gemeinde ist ganz nach Wiener Muster eingerichtet, nur mit dem Unterschiede, daß,beim Gottesdienste die Orgel — ja sogar an den hohen Feiertagen -- verwendet wird. In Folge Berufung des früheren Obercantors, des Herrn M. Bachrach nach Gleiwitz, richtete der Vorstand an den Nedacteur der österreichisch.-ungarischen Cantorenzeitung, Herrn Alois Kulka eine Einladung. über die hohen Feiertage in Olmütz zu fungiren. Sein Vortrag wurde daselbst mit so großem Beifälle ausgenommen, daß an ihn nach dom Kippur neuerdings das Ansuchen gestellt wurde, auch am Laubhüttenfeste hier vorzubeten. Den Olmützern wir Herr Kulka immer in bester Erinnerung bleibend Lnky- 25. October. (Orig.-Corr.) Ein Tag der Weihe war dies gestern für unsere Gemeinde, ein Tag, an welchem aus vollem Herzen Jubel-Hymnen emporstiegen zu Demjenigen, der es sich zur schönsten Psticht seines Lebens machte, Menschenliebe zn verbreiten und den Gang der Dinge mit solcher Unermüdlichkeit zu verfolgen, bis auch in dem despotischesten Reiche das Menschenrecht zur vollen gesetzlichen Anerkennung' gebracht wurde. So versammelte sich denn Jung und Alt, um an geweihter Stätte den Tribut der Ehrerbietung dem großen Menschenfreunde, sowie dem Befreier und Fürsprecher so vieler bedrückter Glanbensbrüder ein Halleluja anzustimmen. — Volle Anerkennung gebührt unserem löbl. Cultnsvor stände, der nichts unterließ, um der Feier das Gepräge der vollsten Festlichkeit zu verleihen. Aber nicht minder groß ist der Dank, den wir unserem allseitig beliebten Cantor Herrn Heinrich Weiß schulden, der durch sein tactvolles Arrangement der ganzen Feier die Weihe verlieh. — Nachdem der Chor mehrere Psalmen gesungen hatte, würdigte Herr Cantor in schwungvoll gehaltenen Worten die Verdienste Sir Moses Mo nie siore's, und als er zum Schluffe die Worte der heil. Schrift auf unseren ehrwürdigen Jubilar: ,So lange Moses seinen kräftigen Arm erhebt, ist Israel stark,' anwendete, der Chor darauf das ״Amen" sang, da sah man manches Auge von Thränen umflort. Znaim, 26. October. (Orig.-Cmresp.) An den abgelaufenen Feiertagen gestaltete sich der Gottesdienst in unserer Gemeinde unter Leitung des erst kürzlich angestellten Religionslehiers und Cantors Herrn Ignaz Holzer besonders kunft- und würdevoll. Nach seinen bisherigen Leistungen ist es gewiß zu erwarten, daß Herr Holzer auch weiter eifrigst bestrebt sein wird, den Gottesdienst mit Berücksichtiguug der Anforderungen der hiesigen fortschrittlich gesinnten Gemeinde zu heben, was für die Freguentation des Bethauses von großer Bedeniung sein könnte. Tie Feier anläßlich des 100. Geburtstages des Sir Moses Montesiore wurde, dem Programme gemäß, an! Vortage des Geburtstages, am Schlußsefte der Laubhüttentage, würdig und festlich abgehalten. Die hiebei vorn Religionslehrer Herrn Holzer gehaltene Festrede war eine erschöpfende Biographie des greisen Jubilars, in welcher in chronologischer Reihenfolge die philantrovifche Thätigkeit und das humanitäre Wirken besonders hervorgehoben wurde. Die Festrede sowohl als auch der zum Vortrage gebrachte Misckeberach für den Jubilar wurde von den zahlreich anwesenden Gemeindemitgliedern sehr beifällig ausgenommen. Siktos, 26. October. (Orig.-Corr.). Anläßlich des hundertsten Geburtstages des weitberühmten, hochgeehrten und allbeliebten Sir Moses Montesiore fand auch in der hierortigcn Genieinde, wie dies gewiß in den meisten Gemeinden geschehen ist, am שמהת תורה eine erhebende Feier statt. Se. Ehrw. Herr Rabbiner A. Roth hielt eine Feftpredigt, in welcher er das Streben und Wirken dieses Moses zu dem Streben und Wirken der drei früheren Moses-Größen ,משה ר' ע"ה Moses Maimonid und Moses Mendelssohn verglich. Hierauf trug Herr Cantor Kellner einen äüs diesem Anlässe vom

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.