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Die Welt · 1901-12-27 · 52 (27.12.1901) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
52 (27.12.1901)
Article
Wochen-Programm der Toynbee-Halle
Date
1901-12-27
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die £ Welt" Nr. 52 Freitag den 3. Jänner: Dr^ Grüll: Bibel, Erklärung der Sidra. Samstag den 4. Jänner: n i; Conceitf: Musik, Gesang. / « ( ,-.<-.«... Anmeldungen zu Vorträgen sind zu richten an Doctor Leopold Kahn, VII., Lindengasse 11. * Am Samstag den 21. d. M. hat in der Toynbee-Halle der zweite Kinder-Abend stattgefunden. Es waren nahezu 200 Kinder, Mädchen und Knaben, anwesend. Die Kosten des Festes, sowohl in geistiger als in materieller Richtung bestritt das Mitglied des Toynbee-Hallen-Vereines Frau Regine Mai er, Gemahlin des Grossindustriellen Herrn Albert Mai er. Der Kinder-Abend begann mit einer Musik- und Gesangproduction durch Frl. Martha Hochstein und Herrn Wilhelm Hochstein. Dieser folgte die Declamation eines Gedichtes durch ein fünfjähriges Kind namens Johanna R o th. Während der Pause wurde den kleinen Gästen eine Jause, bestehend aus einer Tasse Chocolade und Gugelhupf, von der Gastgeberin Frau Regine M a i e r unter Assistenz der Damen der „Moria" serviert. Hierauf las Herr Rudolf B a s c h das „Märchen vom Krystallsucher" den gespannt lauschenden Kleinen vor und musste sich entschliessen, den „Krautschneider Tonerl" hinzuzufügen. Sodann spielte die kleine Hilda Stern auf dem Ciavier drei Piecen von Mendelssohn, Chopin und Rossini. Nun producierte Frau Regine Stern Lichtbilder mit der LaternaMagica. Diese Piece erzielte bei den Kleinen einen ganz unbeschreiblichen Jubel. Zum Schlüsse wurde die Volkshymne im Chorus gesungen. Beim Verlassen des Versamrnliingslocales wurden die Kinder alphabetisch aufgerufen und durch die Gastgeberin Frau Regine Mai er einzeln mit einer Düte, enthaltend Obst, Nüsse und Confect u. s. w., beschenkt. E. B. (* „Der Herr des Meeres-" Richard Hogarth heisst der „Herr des Meeres", ehemals Matrose, jetzt Schmied zu Westring in England, Protestant 25 Jahre alt. ledig, aber sterblich verliebt in Rebekka, die schöne, etwas beleibte Tochter des millionenreichen Baruch Frankl, der diesen Namen, wie der Verfasser unwahrscheinlich behauptet, „in Wien angenommen hatte, um seinen jüdischen Ursprung zu verbergen". Baruch Frankl, das ist der unversöhnliche, gewissenlose, grausame Dämon, der jenem Abgesandten des Herrn unausgesetzt nachstellt, mit Dolch und Gift, Geld, Kerker, teuflisch ersonnenen Fallen und was sonst der Bösewicht eines Fünfkreuzer-Romanes ersinnen kann. Denn das Buch ist ein richtiger Fünfkreuzer- Roman, voll Schauer und Greuel, auf Spannung von Seite zu Seite eingerichtet, voll überraschender Wendungen und romantischer (JnWahrscheinlichkeiten. Aber geschrieben ist das Zeug, wie ein Schriftsteller von Rang schreibt, und der Stoff ist genau durchstudiert, und dazu kommt ein starker Jules Verne'scher Zug und überdies eine hochmoderne Tendenz, die zionistische. Als zehn Millionen Juden in England einfallen, in das Land, das dem Davidsschilde ähnlich ist, da erschachert Baruch Frankl die Herrschaft Westring. Im protzigen Uebermuthe zwingt er alle seine „Unterthanen", ein Fez mit Troddel zu tragen. Alle gehorchen dem Uebermächtigen, nur Richard Hogarth nicht. Er muckt auf, wie Wilhelm Teil gegen Gesslers Hutordonnanz, und soll dafür büssen. Frankl bringt ihn um Haus und Hof, Freiheit und Ehre. Er ermordet einen ihm unbequemen Juden und weiss den Anschein gegen Hogarth zu lenken. Schwurgericht, Verurtheilung Hogarths zu 20 Jahren Zuchthaus, als Nr. 70 im furchtbaren Colmoor. Das Gerichtsverfahren, besonders aber das Zuchthaus- *) Der bekannte Schriftsteller Ludwig H e v e s i plaudert im „Pester Lloyd" über einen neuen englischen Roman (von M. P. Shiel) den er einen „zionistisch-socialistisch-Jules-Verneistisch-criminalistischen" nennt. Wir entnehmen diesem amüsanten Aufsatz obige Stellen. Die Redaction. jeben hat der Verfasser im kleinen Finger. Das ist der richtige Anlass für seinen Fünfkreuzer-Realismus» fiogarth muss der Reihe nach alle Schrecken von Colmow* durchwachen, Strafen, die Geisseluiig nicht aufgenommen. Dabei macht Loveday alie " möglichen11 Anstrengungen, ihn zu befreien. Er verständigt sich mit ihm durch Chiffreschrift und setzt mehrere Befreiungspläne ins Werk, einmal sogar mittelst lenkbaren Luftballons, der ein Seil am Boden nachschleift. Aber Hogarth lässt immer einen Mitgefangenen entwischen; der mittelst Luftballons Entweichende wird übrigens aus der Luft heruntergeschossen, was sich im Drucke sehr gut macht. Bei einem dieser Experimente hat er einen gewissen O'Harra entwischen lassen, einen „Monsignore", der einst im Vatican eine Rolle gespielt hat und auf den Zinnen der modernen Cultur steht. Dieses verfaulte Genie, ein kirchlicher Lüstling, der übrigens aus Sues »Ewigem Juden" entlehnt ist, weckt Hogarths Geist und lehrt ihn eine Menge Sachen. Unter anderem, dass das „verruchte Weib in Purpur, das zu Rom sitzt" und die Welt seit zweitausend Jahren unglücklich gemacht hat, nicht die römische Kirche sei, sondern das römische Recht. Diesem veralteten System sei alles Elend der Welt zu danken, dieses müsse gestürzt werden. Hogarth weiss nicht, dass O'Hara der Priester ist, der ihn einst getauft und noch seinen jüdischen Vater gekannt hat. Die Documente darüber liegen in einem Koffer, den er Hogarth längst geschickt hat, diesem aber war es nie der Mühe wert gewesen, den Inhalt desselben zu untersuchen. So sind sie, diese Apostel! Uebrigens sitzt O'Hara eigentlich im Zuchthause, weil er auf der Eisenbahn ein unsittliches Attentat versucht hat. Gegen wen? Gegen die leibhaftige Rebecca. Davon schweigt er klüglich vor Hogarth. Richard Hogarth, der mit dem Director des Zuchthauses zu Colmoor spielt, als wäre er die Katze und jener die Maus, hat Lovedays Fluchthilfen nicht beniitzt, weil er innerlich nicht fluchtreif war. Unschuldig eingekerkert, weil er verschmäht hatte, sich richtig zu vertheidigen, flieht er erst, als sein durch O'Hara geweckter Geist das sociale Problem gelöst zu haben glaubt. Mit einer Idee im Leibe, welche die Menschheit beglücken soll, muss er fliehen, um seine Sendung zu erfüllen. Die Flucht gelingt ihm zusammen mit dem Sträflinge Harris, und nun geht Hogarth zu Loveday und trägt ihm seine „Idee" vor. „Wenn alle Leute ihre Steuern nicht der Regierung, sondern sich selber bezahlen würden, wäre ihnen allen geholfen." Leider muss er von Loveday erfahren, dass dieser Communismus schon etwas Uraltes sei, eine allbekannte Utopie, die in allerlei Formen durch die Zeiten ziehe. Aber Hogarth hat noch andere Mittel in petto. Das Land gehört leider schon verschiedenen Herren, nicht aber die See. Er will sich also zum Herrn des Meeres machen und von da aus die Regierungen zwingen, die Menschheit zu beglücken. O'Hara hat ihm als Grund seiner Einkerkerung fälschlich eine Geschichte mit einem Meteorstein erzählt, der Diamanten enthalten habe. Dieses Meteor ist wirklich in einem früheren Capitel geplatzt und Hogarth weiss die Stelle bei Westring, wo ein Brocken davon vom Finder vergraben wurde. Nun gräbt er nachts diesen Brocken aus und zerarbeitet ihn in lauter prächtige Diamanten, einen ungeheuren Sack voll. O'Hara und Harris, die dazu kommen, spielen zwar diesen Sack in Baruch Frankls Hände, aber . .. Rebekka Frankl gibt ihm den Sack heimlich zurück, damit er seine Sendung erfülle. (Schluss folgt.) Zweierlei Juden. Roman von Max Viola, (Fortsetzung.) Während dieser Ausführungen war Finkelstein mit Paul bei einer Gruppe von etwa fünfzehn Leuten angekommen, in deren

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