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Die Welt · 1901-12-27 · 52 (27.12.1901) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
52 (27.12.1901)
Article
Die Bibliothek des Stockholmer Nobel-Instituts und die neuhebräische Literatur
Date
1901-12-27
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die # Welt" Nr. 52 selbst Jude ist, für einen äusserst feinsinnigen und universell gebildeten Literaturkenner gilt. Bonn. Dr. A1 f r e d K1 e e. Jüdisches Solidaritätsgefühl. Echten jüdischen Gemeinsinn hat Mr. J. Spielmann in London bewiesen, als er von der englischen Regierung aufgefordert wurde, in Petersburg eine Ausstellung der englischen Kunst zu organisieren Mr. Spielmann wies das Anerbieten mit der Motivierung ab, dass er Jude sei und als solcher russischen Boden nicht betreten dürfe. Dem englischen Beamten, dem so etwas unglaublich vorgekommen sein mochte, wandte sich um Auskunft an den russischen Consul und erhielt die Antwort, dass den ausländischen Juden das Betreten russischen Bodens allerdings verboten sei, dass er aber bereit sei, Herrn Spiel manns Auslandspass zu visieren, falls er von seinem Banquier eine Bescheinigung beibringen würde, dass er, Spielmann, „eine grosse Stellung" einnehme. Mr. Sp i e i m an n lehnte jedoch dieses über alle Massen grossherzige Anerbieten des edlen Russen ab, da er nicht wisse, was der russische Consul unter einer „grossen Stellung" versteht. Aber selbst wenn er sich ein solches Schreiben verschaffen könnte, würde er es ablehnen, vom russischen Consul irgend eine Gefälligkeit zu acceptieren, die anderen minder begünstigten Juden versagt werde, und müsse einem Lande, das seine Glaubensgenossen so schändlich verfolgt, jeden noch so geringen Dienst verweigern. Leider wird diese stolze Absage eines einzelnen Juden der ] ussischen Regierung kaum imponieren; anders freilich wäre es, wenn alle jenseits der russischen Grenze lebenden Juden, namentlich aber sämmtliche jüdischen Geldborger von dem Geiste des Mr. Spiel mann beseelt wären. Die sechs Millionen Juden Russlands würden dann vielleicht nicht mehr so ganz schutzlos dastehen, und das Geld unserer Reichen, das zum Fluche unserer Armen wird, könnte so segensvoll wirken. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. „Zionism Jewish Needs and Jewlsh Ideals". By J. de H a a s. London : Greenberg and Co., 80 Chancery Lane W. C. (Price: Six Pence). Der erste unter den ersten, welche für den Zionismus in England eingetreten sind, hat jetzt Jacques de Haas als Frucht seiner Studien eine kurze Broschüre über den Zionismus veröffentlicht. Von der grossen zionistischen Literatur, die pilzartig aus dem Boden hervorschiesst, unterscheidet sich diese Broschüre durch ihren vornehmen Ton, edle Ausdrucksweise und reichen Inhalt. Es ist eine Studie, die aus dem Vollen geschöpft ist und in der das Material übersichtlich behandelt und gut gesichtet ist. Die 64 Seiten lauge Broschüre ist in mehrere Capitel getheilt, weiche über die ökonomische, politische, sociale und religiöse Lage der Juden vom Beginn des XIX. bis zum Anfange des XX. Jahrhunderts christlicher Zeitreichnung handelt. Politisch nur geduldet, social von den höheren Gesellschaftskreisen boycottiert, ökonomisch verelendet, musste der Jude auch den religiösen Ideen, die einen Charakterzug des jüdischen Volkes bildeten, entsagen. So bröckelt alles ab, was die Grösse der jüdischen Rasse in dir Geschichte ausmachte. Gegen dieses moralische und physische Verkommen tritt der Zionismus auf, der durch Errichtung eines jüdischen Centrums die centrifugalen Kräften des Judenthums centripetal richtet. Die Rettung des jüdischen Volkes liegt darin, dass es national sich fühle, national denke und national werde, was auch unserem nationalen Zeitgeiste entspricht. —dl. * Aus jüdischer Seele. Gedichte von J. Loewen ber g*). Einer von der wachsenden Schar jener, die ihr Judenthum suchen. Findet es auch Herr Loewen berg? Ich glaube, nicht ganz; und insoferne hält auch der Inhalt nicht alles das, was der wohltönende Titel verspricht. „Aus einer jüdischen Seele" oder „Aus der Seele eines Juden" hätte das Buch füglich heissen sollen. Denn in der jüdischen *) Hamburg, Verlag Glo&au jun. Seele, der Volksseele, regt es sich bereits heute, stark und zielbewusst, sie sucht nicht mehr: sie hat gefunden. Aus diesem Buche aber ist nur der schöne stolze Ton eines ehrlichen Mannes zu vernehmen, der sich gegen Demüthigung und Kränkung zur Wehre setzt Alte, längst verstaubte Fahnen werden aufgerollt, mit denen unsere betrogenen Väter einst in den Kampf gezogen: „Menschheitsidealeu ist darauf zu lesen, auch: „Trotz Euer! Deutschland über alles!" An einer Stelle sogar, glaube ich, heisst es, dass Juden „sozusagen auch Menschen sind" . . . Vieux jeu! So weit das Menschliche, In den Versen selbst ist viel Poesie, jene warme, die aus dem Herzen kommt. Aber wenig Kunst. Loewenberg gibt sich schlicht und ungeziert, ohne jenen widrigen Aufwand an Kunst- und Stiiraffinement, mit dem man heute seine „Moderne" zu documentieren pflegt. Aber auch ein nicht ephemerer Geschmack stutzt manchmal bei allzu kühnen Wortkürzungen, Wort Stellungen und ähnlichen Verstössen, welche die schöne innige Wirkung vieler Verse erheblich abschwächen. Reiche, beinahe dramatische Gestaltungungskraft hält hierfür schadlos. Besonders in „Ahasver" und in dem grösseren Gedichte „Beruria", einer neuen Rabbi Meir-Dichtung, verwendet er dieselbe mit Geschick und Erfolg. Am symptomatischesten berührt uns der Mensch und der Dichter zugleich in einem Stücke, „Meinem Jungen", das mit den guten Worten schliesst: „... Sei fest, sei stolz, und eins noch lass Dich lehren : Dich wehren, Jung', Dich wehren!" Max Barber. * Von unserem französischen Bruderblatte „L'Echo Sioniste" liegt uns die Nummer 24 vom 5. December vor. Sie enthält ausser einem ausführlichen Bericht über das Diner im „Article Club" und die Rede Israel Zangwills einen Artikel von A. Rokeach über „Die Erweiterung des zionistischen Programmes", in dem er den Bestrebungen zur körperlichen und wirtschaftlichen Hebung des Volkes das Wort redet und gegen die unseren Lesern bereits bekannten Ausführungen Joseph Klausners im „Haschiloah" polemisiert. J. Z an g will bietet einen kleinen Originalbeitrag unter dem Titel: „Das kleine Paradoxon vom Zionismus". Das Chanukafest wird von D. Jacobsohn in interessanter Weise gewürdigt. A. Rokeach setzt ferner seinen Artikel über den Jargon und seine Schriftsteller fort. Ausserdem enthält die Nummer eine reiche Chronik der Bewegung und eine interessante Zeitschriftenrundschau. Makkabäerfeiern. Wien. Der Einzelverein „Favoriten" und der Gesangverein j,Ivria" im X. Bezirke veranstalteten am 5. December d. J. in O s z e r e t s Restauration eine Makkabäerfeier. Dem Festcomite, an dessen Spitze Herr Dr. Kraus stand, ist es gelungen, dieses Fest glänzend zu gestalten. In wirkungsvoller Weise sprach Herr Dr. Ph. Schwarz die Festrede. Grossen Beifall fanden die Chorlieder des Gesangvereines „Ivria" und die Productionen des Vereinsorchesters. Der Dirigent Herr Prof. Hirschler hat sich mit der Einstudierung der Chöre Verdienste erworben. Die Feier ergab auch ein bedeutendes Reinerträgnis. Prag. Am 8. December 1901 veranstalteten die Prager zionistischen Vereine in dem gastlich geschmücktem Wintergarten Heines eine Makkabäerfeier, welche sehr gut besucht war. Nach dem von J.-U.-C. Max Gach gesprochenem Prologe entwickelte Se. Ehrwürden Herr Dr. Aladar Deutsch in freier hochgestimmter Rede die Bedeutung der Feier. Die Ansprache fand stürmischen Beifall. Hierauf wurden von Vereinsmitgliedern unter Leitung des Herrn Richard Taussig, Mitglied des kgl. deutschen Landestheaters, sieben lebende Bilder, aus der Makkabäerzeit inscenirt. Die ergreifenden Darstellungen und die begleitende Dichtung des Herrn stud. jur. Hugo Lö w, welche in Herrn M.-U.-C. Georg Fischer einen geeigneten Interpreten gefunden, übten eine fascinierende Wirkung. Die Männerchöre des jüdischen Gesang- und Musikvereines unter Leitung des I. Chormeisters Herrn Richard Taussig wurden mit gewohnter Präcision zu Gehör gebracht. Der jüdische Frauenverein sorgte durch ein reich ausgestattetes Büffet einerseits für körperliche Erfrischung, andererseits führte er dem guten Zwecke einen namhaften Betrag zu. Dr. A. G. Kolin. Der „Jüdische Volk.^verein Zion* veranstaltete am 7. December a. c. um 7l/2 Uhr abends im Wintergarten des Grand Hotel das Makkabäerfest. Nachdem die Musikkapelle des Herrn Km och die Ouvertüre intoniert

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