Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 52 (27.12.1901)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1901-12-27
- Page
- 4 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 4 „Die # Welt" tfr. 5£ Der Welt-Zionistentag. Die neuesten telegraphischen und brieflichen Mittheilungen, die uns vorliegen, datieren aus Providence (Rhode Island. Redner: J. Gold, Miss Jetta Cohen, Miss Rosa F e i n s t e i n, Rev. Josef S e f f, Mr. James R o s), Hannover (Redner: Rabbiner Dr. Nobel, Rosenbaum, Referendar Gronemann), Stavisk, Gouv. Lomza (70 Unterschriften), Lyd a, Gouv, Wilna (100 Unterschriften), Nowoja Praga, Gouv. Cherson (Massenvers ammlung), Tlumacz (Redner: Dr. Rosen heck aus Kolomea), S t a w i t sc h e (Russland), Zbaraz (Galizien. Redner: S. Schein). Podhajce (Galizien. Redner: M. S c h o r r, Dr. A. G 1 a s b e r g), G 1 i n i a n y (Sammlung .'Ü Kronen für den Jüdischen Nationalfonds), Prager Z i on i s t e n (3i Actien gezeichnet), Agudas Zionim, Ostrin (SO Unterschriften), Zionisten Orok (55 Unterschriften), Zio nisten Pawensik (50 Unterschriften), Zionisten Meseritsch (50 Unterschriften), „Dorschei Z i o n" Grzymalow, Israilowska (Massenversammlung, 100 Unterschriften), „Chewra Aha was Z i o n", Fellin, Gouv. Livland (Zionistenverein), „Agudath Zion", Antwerpen (Redner : S. T o 1 k owsk y, Heinrich Grün a u), Verein „ J eschuru n", Troppau (Sympathie-Kundgebung), Section „Arzei Fl a l'w o n a u n", Sulina, Rumänien (Redner : Josef Fein silber), Dorna-Watra, Bukowina, (Redner: L. Taubes, Gl Kronen für den Jüdischen Nationalfonds gesammelt), „Zionistische Ve^einigun g", Breslau (Redner: Sally Boschwitz, Rechtsanwalt Schwarz und andere). * Wien. Samstag den 21. d. M. hielt der Einzelverein „Wien" des „Zion" anlasslich des Welt-Zionistentages im Saale Guth, IL, Stefaniestrasse, einen gut besuchten Vortragsabend ab. Herr Dr. Isidor Marmorek sprach in seiner gewohnten gediegenen Weise über den „Welt- Zionistentag". Die Versammlung bescl loss einstimmig, an den V. Congress eine Resolution zu richten, worin die unentwegte Treue und Angehörigkeit an die zionistische Idee ausgedrückt wird. * Wien. Die vom „I. zionistischen Frauenvereine", dem. „Fünfhauser zionistischen Frauenvereine", den Mädchenvereinen „Moria" und „Hadassah" für Samstag den d. M., nachmittags 3 Uhr einberufene Versammlung anlässlich des Welt-Zionistentages war trotz des schlechten Wetters ausseordentlich gut besucht. Die Reden der Referentinnen Frau Rosa F eigenbaum, Frau Dr. K a d i s c h und Fräulein Bertha Hermann wurden mit grossem BeifalJe aufgenommen. Die von Fräulein Amelie Gelbtuch eingebrachte Begrüssungs-Resolution wurde per acc 1 a m ati o n e m angenommen. * Wien. (Verein jüdischer Mädchen „Hadassa".) vSonntag den c20. d. M. spricht Frl. Amelie Gelbtuch über „Vier Jahre zionistischer Arbeit" im Schulsaale der Israelitischen Cultusgemeinde, L, Seitenstettengasse 2. II Stock. Beginn 372 Uhr nachmittags. Gäste herzlichst willkommen, # Der Welt-Zionistentag in London. Vorletzten Samstag fand in der ungeheuren Shoreditsch Town Hall (London) ein Massenmeetig englischer Zionisten unter dem Vorsitze des Chief Rabbi Dr. M. Gast er statt Der Festredner Israel Z a n g w i 11 brachte folgende Resolution zur Abstimmung: „Die heutige Versammlung erblickt im Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage und gelobt, diese Bewegung mit aller Energie und aller Kraft zu fördern" und las dann das Entschuldigungsschreiben Hall C a i n e s vor, aus dem wir folgende Stelle hervorheben: ... Ich bedaure unendlich, dass es mir ganz unmöglich ist, Ihre Einladung zur heutigen Feier anzunehmen. Sonst wäre ich glücklich gewesen, meine Stimme zu der Ihren zu gesellen um das jüdische Volk in London aufzufordern, dass es treu der grossen Hoffnung seiner Rasse bleibe, die stetig und ewiglich auf die Erfüllung der Prophetenworte hinblickt, dass sie wieder eine Nation in ihrem eigenen Lande werd e." An diese Worte des Christen Hall Ca nie knüpfte Z an g will an, indem er die Behauptung aufstellte, er sei stets sicher, wenn er zu Christen komme, bei ihnen Sympathie für die zionistische Sache zu finden — erst neulich habe ihm eine Christin 5 Pfund (120 K) gegeben, damit er für sie 5 Shares der Colonialbank kaufe — nicht so ganz sicher sei er. wenn er mit Glaubensgenossen über den Zionismus spreche. Diese jüdischen Antizionisten theile er in 3 Classen ein: in Affen, Esel und Füchse. Die Affen wünschten einfach die Assimilation, aufzugehen in den anderen Völkern, die sie nachäffen bis zur Carricatur, die Esel seien schon in ihrer Borniertheit glücklich darüber, dass sie einen Affen van ihrer Seite fänden, und wären durch ihr Ia-Rufen erkenntlich, aus dem man heraushöre, der Vorsehung dürte man nicht Gewalt anthun, während die Füchse zur Fuchsclasse in den Aesop'schenFabeln gehörten, die ihren Schwanz verloren. Sie wünschten, dass der Zionismus verschwinde und nur die Religion bliebe, und dächten, ein Land zu eigen zu besitzen, wäre eine Last und daher nicht wünschenswert. Sie hätten, wie die Füchse in der Fabel den Schwanz, ihr Land im Laufe der Jahrhunderte verloren und behaupteten jetzt, es wäre ein gut Ding, kein Land zu besitzen. Zangwill unterscheidet dann in längerer Rede die Lösung der Judenfrage, wie sie Baron Hirsch gewünscht und von der, wie ihn der Zionismus plant, und schliesst mit den Worten „Baron Hirsch, der nur die Millionen und nicht den politischen Genius Dr. Herzls besass, musste schiffbrüchig werden, weil er gegen den Geist des jüdischen Volkes arbeitete. Wir aber rudern mit dem Strome, mit dem historischen Geiste des jüdischen Volkes. Die Flut ist mit uns, und wir, die Ruderer, werden emsig rudern!" Hieraufhielten noch J. de Haas, Dr. Gast er und Mr. L. Greenberg Reden, die sehr beifällig aufgenommen wurden. Rückblicke. Von Dr. Max Mandelstamm (Kiew). Viereinhalb Jahre rastloser, schwerer Arbeit liegen hinter uns. Ein kurzer Rückblick auf unsere Thätigkeit ist im Interesse unserer Bewegung geradezu geboten. Man hält uns entgegen: Was habt Ihr denn Positives geschaffen? Wo sind die handgreiflichen, sichtbaren Erfolge Eurer Bewegung? Wo ist das gesegnete Land, in das Ihr uns führen wollt? Fragen, die uns schon von der Bibel her in derselben, fast buchstäblichen Fassung geläufig sind, die bereits Moses von Korachs Rotte anhören musste .. . Die zudringlichen Frager, die ungeduldigen Dränger möchte ich am liebsten bei hellem Mondlicht ins Freie führen und ihnen zurufen: Seht, in 24 Stunden kreist der Mond um die Erde und legt dabei eine unendlich grosse Strecke zurück; und dennoch scheint Euch der Mond stille zu stehen, weil der Gesichtswinkel, unter welchem Ihr in einem kurzen Zeitraum die zurückgelegte Bahn messet, gar zu klein ist, als dass Ihr eine Bewegung wahrnehmen solltet. Dieser Vergleich würde aber die Kleinmüthigen und Superklugen nicht befriedigen. Es bleibt dem einsichtsvollen Parteimanne daher nichts übrig, als auf bereits zurückgelegte Wegstrecken, auf positive Erfolge hinzuweisen, die hinlänglich gross sind, lim auch von unseren Gegern wahrgenommen und zugegeben zu werden. Welchen trübseligen Anblick bot das Judenthum vor dem Auftauchen des Zionismus! In den östlichen Ländern handelte es sich einzig und allein darum, irgendein neues unmenschliches Judengesetz durch