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Die Welt · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Article
Antisemitismus und Anti-Fremdenbewegung in England
Date
1901-12-20
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite 12 „Die & Weit<" Nr. 51 V0«1f*@bisot)il<. Antisemitismus und Anti-Fremdenbewegung in England. Die drohende antisemitische Invasion in England hat, lange noch bevor sie den Juden Englands irgendwelchen nennenswerten Schaden zufügen konnte, schon ihr Gutes gpstii'tet, Durch die Erfahrung in Deutschland und Amerika gewitzigt, haben sich die englischen Juden angesichts derdrohendenGefahr rasch zusammengeschlossen, um in der Gestalt eines „Bund der jüdischen Synagogengemeinden Englands" (Chewrath B'neh Jisroöl) dem anrückenden Antisemitismus einen Damm entgegenzusetzen. In einem Rundschreiben vom ö. November ladet Sir Samuel Montagu, der Präsident der Londoner Federation of Synagogues, die Vertreter sämmt- 1 icher Synagogen Englands zu einer im Marz nächsten Jahres in London unter dem Vorsitz des Lord Rothschild stattfindenden Conferenz ein, auf welcher alle die englische Judenheit betreffenden Fragen, wie Ein- und Auswanderung, Naturalisation etc., verhandelt werden sollen. Ferner sollen auf derselben alle Klagen über ungesetzliche oder ungleichmassige Behandlung von Juden erörtert werden. Endlich soll auf der Conferenz der Widerstand gegen alle wider die Juden geplanten Gesetze organisiert werden. „Auch du, Brutus!" In London ist wieder einmal eine starke Bewegung gegen die Einwanderung von Fremden im Gange, und neuerlich droht den Juden in Whitechaple eine Alien-Bill, die gegen subsistenzlose Individuen ihre Hauptspitze richtet. Die polnischen und maischen Juden des Ostens Londons sind wahrhaft nicht zu den Glücklichen zu zählen; nachdem sie in der Heimat Schiffbruch gelitten, suchen sie, sobald ihre Reisemittel in Hambuig schon alle sind, das gastliche Albion auf. Bei ihrer Anspruchslosigkeit an das Leben und ihrer Genügsamkeit im allgemeinen treten sie in eine allzu wirksame Concurrenz mit den englischen Arbeitern und rufen das Sweating-System hervor. Der autochthonen Arbeiterbevölkerung kann selbstverständlich dieser Kampf nicht genehm sein, sie schimpft nicht schlecht auf die „Cloovty Germans" („verfluchten Deutschen"), für die sie haben Platz machen müssen. „The Pall Mall Gazette" (12. December 1901), der man nie den Vorwurf allzu grosser Judenfreundlichkeit machen kann, vertheidigt diese niedrigen Masseninstincte und fordert die englische Regierung auf, energisch sich der Engländer in London anzunehmen. Ein jüdischer Secretär an der türkischen Gesandtschaft in London. Harry Bey Cohen, derjüngste Sohn Seiner Exellenz Admiral Dr. Elia Paschas, ist über specielien Auftrag des Sultans zum Secretär der türkischen Gesandtschaft in London ernannt worden. Ungarn und die Juden aus Rumänien. In den ungarischen Blättern zirculierte vor einigen Tagen eine Nachricht, die sich mit der jüdischen Einwanderung aus Rumänien beschäftigte. Nach bewährtem Muster wurde der ungarischen Regierung nahegelegt, wie diese „Fremden", aller Subsistenzmittel bar, den ungarischen Hilfsvereinen zur Last fallen und so in ökonomischer Hinsicht den Staat ausbeuten. Das Ministerium des Innern hat nun einen Erlass herausgegeben, dem zufolge den ungarischen Boden nur solche Juden aus Rumänien betreten dürfen, die Billete für die ganze Fahrt durchs ganze (Jngarland haben oder sich mit einem Vermögen von 400 respective 200 Kronen ausweisen können. Die höchste Expensennote. Das Civil-Landesgerieht Wien hat jüngst zwei Wiener Advocaten an Expensen den Betrag von 800.000 Kronen zugesprochen. Es ist dies seit Jahrzehnten die höchste Expensennote, die vom Gerichte genehmigt wurde; sie galt einer mehrjährigen complicierten Arbeit, bei welcher es sich um viele Millionen handelte und die schwieligsten Rechts- und Administrationsfragen in Betracht kamen. Es ist nämlich die von den Hof- und Gerichisadvocaten Doctor Gustav Bloch und Dr. Lauterstein durchgeführte Abhandlung des Baron H i r s c Irschen Nachlasses sowie die Auftheilung der Hirsch'schen Stiftungen zum Abschlüsse gelangt. In den Siebzigerjahren noch hat Regierungsrath Dr. Pann als Abhandlungspfleger nach dem Millionär Ott ebenfalls ein Honorar von -100.000 fl. zugesprochen erhalten. Statistik der Juden im Königreich Preussen. Nach der Statistik vorn 1. December 1000 hat die Provinz Schlesien 47.5SG, die Provinz Po<=en 30.327 Juden, der Regierungsbezirk Breslau 23.2cu. der Regierungsbezirk Liegnitz 4-CUl, der Regierungsbezirk Oppeln 20.270, der Regierungsbezirk Posen 22.303 und der Regierungsbezirk Bromberg 13.024 jüdische Seelen. Jüdische Gemeinden mit mehr als J000 Seelen sind in der Provinz Schlesien: Breslau, Beuthen, Kattowitz, Gleiwitz, Ratibor und in der Provinz Posen : die Stadt Posen, Bromherg, Ii ovvrazlaw, Gnesen, Lissa. Kempen. Ganz Preussen hat 379.716 Juden. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. The Modern Rabbi. His Duties and Sphere of Influence. English Translation of the Inaugural Sermon delivered in German. By Rabbi Dr. J. L. Landau. At The „North Manchester Synagogue", on Saturday, 19 October, 5662. North Man ehester Synagogue, Bury New .Road. lieber den Zionismus. Von Martin Weisma n n, Doctor der Rechte. Preis i20 Heller. Verlag von E. W e i d e n f e 1 d A"Br ud e r, JStanislau, 1902. Rationalistisch - theologischer Tractat. 1. Abschnitt: Die Prophelie. Von A. Hoffmann. Strassburg. In Commission bei J. Ed. Heitz (Heitz & Mündel), 1902. Kleiner Weinberg. Exhorten für das ganze Schuljahr, gehalten heim Jugend-Gottesdienste in der Synagoge zu Kremsier, von Rabbiner Dr. Ad. Frankl - Grün. J. Kauffma n n s Commissions-Yerlag, Frankfurt a. M., 1901. ♦k .t& pä ,pbtfä pKS arp-m jik p /« 2" p r ' s ♦rro-in mrtsms ♦swtr"n:i p« "jvi-;*6"Wö p x y t -j k n ♦(♦aap 15 rns) ,D^nn2 D^sna : n 3H n *ft : rroirb nasrirt ,nnar np-rrrbsti ♦K"D"in ««nan ♦ [ö-ibb s aimn Yereinsliederbuch für Jung-Juda. Herausgegeben im Auftrage des Jüdischen Turnvereines „Bar Kochba" (Berlin) von Max Zirker. Selbstverlag des Jüdischen Turnvereines „Bar Kochba", Berlin, Schönhauserallee 182 a. (Preis 40 Pf.) Dieses überaus geschickt zusammengestellte Liederbuch enthält eine Fülle von Studentenliedern jüdischen (d. h. zum allergrössten Theile zionistischen) und allgemeinen Inhaltes. Auch drei hebräische Lieder sind in der Sammlung enthalten. Wir werden das Büchlein in einer der nächsten Nummern eingehend würdigen. Der Diener der Chanukalichter. Von Ludwig August Frankl. Lichtlein hat mit seinem Glänze Air die Lichtlein angebrannt, Und dafür das arme Lichtiein Wird der Diener nur genannt. Abseits steht es, fern von allen, Darf nicht bei den Brüdern sein, Leuchten darf es und erhellen, Stehen rnuss es ganz allein. Also, meinem armen Volke, Wie es diesem Lichtlein geht, Und in dieser kleinen Flamme Israels Geschichte weht, Hat erhellt den Geist der Völker Mit der Gottesflamme rein, Musst darum, mein armes Völkchen, Diener jener Völker sein. Reif. . . . Kr Wiir nicht ganz gefühllos, o nein, ganz und «rar nicht. Kr protestierte aufs entschiedenste dagegen, er beherrschte sb't nur, wenigstens behauptete er es und gab dabei auch kleinlaut zu, dass er kein (-Jefühlsdusler, kein Sentimentalist ist. Aber sonst gieng ihm die Sache nalie, sehr nahe sogar, fügte er hinzu. Kr weinte nur nicht, denn mit neiinundzwa nzig .Jahren ist man kein Kind mehr, um zu weinen, selbst wenn einem der Vater stirbt. "Das Weinen hat noch nie einen vom Tode erweckt. Das wussie er ganz genau, als Mediciner suchte er auch wissenschaftlich zu erhärten, warum dies nicht der Kall sein könne, doeh war es ganz unnöthig, seine guten Freunde glaubten es ihm ohne Weiteres. Die Din^e der Welt müssen doch ihren normalen Verlauf nehmen, und wenn man 08 Jahre alt geworden und noch nicht früher gestorben ist, so muss man eben sterben. Fast gi engen seine Tafel freunde, wie llaiinuud sagt, daran, ihn zu fragen, ob er nicht die gewöhnliche Tarokpartie am Mittwoch machen werde,

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