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Die Welt · 1901-12-20 · 51 (20.12.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
51 (20.12.1901)
Article
[Ohne Titel]
Date
1901-12-20
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: mzn IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon J4199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction täglich von *j2\2—^2\ Uhr* Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. RP7HdQnFAis0 ■ Oester reich- Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—. Für das ÜOZiUßöpiGldC . Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, RussJand ganzjährig R 7.—, halbjährig R 3.50, vierteljährig R 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Pres. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85 Nr. 51. Wien, 20. December 1901. 5. Jahrgang Die Makkabäer-Nummer ist bereits vergriffen, die letzt eingelaufenen Adressen können daher nicht berücksichtigt werden. D e Gesinnungsgenossen werden ersucht, die gelesenen Blätter weiter circulieren zu lassen. Da mit Ende dieses Monats eine beträchtliche Zahl von Abonnements abläuft, wird um rechtzeitige Erneuerung ersucht, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Diejenigen Gesinnungsgenossen, die Einzelexemplare der Congressnummer wünschen, mögen ihre Bestellungen schon jetzt aufgeben. AWVWWw^MW<NAAV»^^ Vier Jahre. Aron Dr. Alexander Marmor eh (Paris). Mitten in das Weh und Leid, in die düstere Verlassenheit und die Thränen der Masse unseres Volkes strahlt jetzt wenigstens ein Lieht. Klar, scharf, hell, weit sichtbar. Es ist die zionistische Bewegung. Sie ist bereits die Burg geworden, die das fast verlorene jüdische Volk sich selbst aufrichtet, zu Schirm und Wehr seiner nationalen Zukunft. Vier Jahre sind es, seit in der historischen Rheinstadt der schattenhafte Wunsch, nach Erlösung, die flatternde Hoffnung auf Befreiung erkennbare Formen angenommen hat. Jene Männer leben noch fast alle unter uns, die den ersten Bauslein gelegt, und doch seiieint der erste Judencongress von der glanzvollen Aureole einer heroischen Zeit umgeben. - Gleich den Helden der Vorzeit, welche die 'Volkslegenden mit übermenschlicher Kraft und Mut Ii ausstattet, die mit Leichtigkeit phantastische Ungeheuer besiegten und Berge auf Berge thürmten, um in unbezähmbarem Freiheitsdrang sich selbst und ihrem Volke ein anderes Geschick zu schaffen, haben unsere schlichten Mitstreiter — die Geschichte wird es dereinst den Enkeln lehren — Aehnliches gethan. Ihre Berge waren die Hindernisse von Vorurtheilcn und die Furcht vor Neuem; ihre giftspeienden Ungeheuer waren »luden, voll von Verleumdung und Unverstand. Da unser aller Blick sich wieder nach Basel richtet, ist. (js recht zu fragen, ob die Mühe und die Anstrengung, die seil der ersten Versammlung aufgebraucht wurden, von Frfolg gekrönl waren, ob es die richtigen Schritte und Wege waren, welche man. gegangen, und ob das, was der voraussehende Geist geahnt und in weit hörbare Worte gekleidet, die Heerfolge eines Volkes und die Möglichkeit seiner Solbstbefroiung, nicht bloss Phantasien überhitzter Köpfe gewesen. Nichts ist leichter, als ohne Voreingenommenheit wahrheitsgetreu unsere Bewegung zu zergliedern, um ihren Werdegang und ihren Siegeszug zu verstehen. Denn die Jahros-Congrosse sind die klaren Etappen der Entwicklung der zionistischen Idee wie der nationalen Wiederbelebung des jüdischen A'olkes. Vor (lern ersten Congrosse war alles Wollen und alles Sehnen auf absehbare Hilfe in chaotischem Durcheinander. Freilicli wollte man Freiheit und Ende des Golus; man rang, man schrie durcheinander, man hörte einzelne. Stimmen edler Vorkämpfer, man sah im Geiste hinüber nach der alten Heimat wie nach dem Sitze des Glücks. Aber es fehlte der leitende Wille, die Einsicht des greifbaren Zieles, es fehlte das Begreifen der möglichen Mittel. Die Einberufung des ersten Congresses war die Entdeckung des Schlüssels, um ein jahrtausendelang versperrtes Schloss zu öffnen. Nun, da dieses aufsprang, ergoss sich ein Meer von Hoffnung über die Nation. Man begann durch das offene Thor das ersehnte Land wirklich erreichbar zu sehen. Die am ersten Congresse versammelten Zionisten begnügten sich nicht allein mit der Freude des Wiederfindens — es war das Wiederfinden lange, zu lange getrennter Brüder —, sie machten sich gleich ans Werk. Das Programm, das der erste Congress aufstellte, enthält in seinen wenigen Zeilen nicht bloss den Ausdruck des Golus-Sehnens, nicht bloss die Umgrenzung des Zieles, sondern auch in den zwei Worten „öffentlich — rechtlieh" die klare Erfassung moderner Mittel. Wie der Feldherr vor der Schlacht die General-Idee des Kampfes ausgibt, so war das Baseler Programm der Generalbefehl, den die Zionisten zur Ausführung übertragen erhielten. Beim zweiten Uongresse galt es, das Instrument zu schmieden, unserer friedlichen Waffe eine moderne Gestalt zu geben: eine zionistische, nationale Bank. Erschreckt wichen manche vor der That zurück. Sie waren, wenn sie es auch vielleicht sich selbst nicht gestehen, wollten, darin, noch Ghetto-Juden: Zitternd, bangend, sobald die That alles vom Manne verlangt, was nur freie Menschen allein geben können — Verantwortung, Energie, Entschlossenheit. Der Widerstand, den die Fürspreeher des Bankplanes fanden, war aber vonnutzen. Sofort fielen die Schwachen und jene ab. die meinten, dass das alte jüdische Wirrsal von tausend Köpfen und.tausend Meinungen ungemindert trotz so vieler herben Erfahrungen von neuem aufleben würde.

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