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Die Welt · 1901-12-13 · 50 (13.12.1901) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
50 (13.12.1901)
Article
Zweierlei Juden
Date
1901-12-13
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die & Welt" Nr. 50 „Soll ich auf meine alten Tage von Almosen leben?" fragte Berl. „Nein, Ihr sollt das Geld ehrlich verdienen. Ihr werdet mir behilflich sein, wenn die Dorfgeher ihre Einkäufe bei mir besorgen. Dafür zahle ich Euch wöchentlich vier Gulden. Wollt Ihr nicht helfen, auch gut! Aber mit Kurer Dorfgeherei ist es zu Ende; mit achtzig Jahren geht man nicht mehr ins Dorf. Nun, sind wir einig, -Herl?" .,\Venn es sein muss, Herr Finkelstein?,k ,.Freilich niuss es sein. Da habt Ihr einen Vorschuss von drei Gulden. unTl nun gut' Sehabbes, Berl." „Gut* Schabbes, Herr Finkelstein. Gott soll es Ihnen vergelten an Ihren Kindern und Kindeskindern, was Sie für eine arme Witwe und für meine sieben Enkel thun." Faul wurde es beim Anhören dieses Gespräches warm ums Herz. Sah das seinem Onkel Samuel ähnlich, diesem langen dünnen Menschen, der fortwährend seinen Bart strich und kein überflüssiges Wort zu reden pflegte? Er wollte sich ihn genauer ansehen. Da half er eben dem alten Berl über die Stufe hinunter und schloss dann eiligst die Ladenthür, denn von ferne hörte er den Schulklopfer mit dem hölzernen Hammer auf die Hausthüren klopfen, das Zeichen, dass der Sabbath im Anzüge sei und der Gottesdienst alsbald beginnen werde. V1L Die Sonne drang bereits in hellen dünnen Streifen durch die Fugen der Jalousien, als Paul am nächsten Morgen erwachte. Er kleidete sich rasch an und begab sich in das anstossende grosse Zimmer, wo er alle Familienmitglieder beisammen fand. Sie hatten bloss auf sein Erscheinen gewartet, um mit dem Frühstück zu beginnen. Paul stutzte ein wenig. Nicht bloss durch die Stube gieng ein feiertäglicher Hauch, auch ihre Bewohner waren anders als gestern; eine feierliche Ruhe, die doch der Heiterkeit nicht entbehrte, lag auf ihren Gesichtern. Die Grossmutter trug ein schwarzes Taffetklefd, eine Venetianer Halskette um den Hals, und auf dem Haupte eine blanke weisse Haube mit breiten violetten Bändern. Onkel Finkelstein hatte einen langen Bratenrock angelegt, seine Cravatte war sorgfältig geknüpft und seine Schuhe glänzend gewichst. Auf dem Bette lag ein hoher Cylinderhut von einer Form, wie sie vielleicht vor dreissig Jahren modern war. Er gehörte sicherlich zur Vervollkommnung seiner Feiertagstoilette. Wolweles Antlitz blinkte ordentlich vor Reinlichkeit. Heute war er intensiv mit Seife gewaschen worden, und zwar von fürsorglicher Hand. Sein Haar war geölt und frisiert; er trug einen blauen Anzug und vorne, durch eine Schlinge an einen Knopf befestigt, baumelte sein weisses Taschentuch, damit er seiner Neigung, dieses nützliche Möbel zu verlieren, nicht so leicht fröhnen könne. Tante Minna und Cousine Clara befanden sieb noch in ihren Alltagskleidern. Offenbar waren sie bis nun den übrigen bei der Toilette behilflich gewesen und wollten sich erst in Staat werfen, wenn es sonst nichts mehr zu schaffen gab. Sie hatten bereits ein schönes Stück Arbeit geleistet: der frischgebohnte Fussboden war mit alten Leinwandstücken belegt, damit er nicht gleich wieder schmutzig werde; an den Fenstern hiengen weisse Gardinen; über die Commode war die feine Decke gebreitet, die bloss am Samstag hervorgeholt wurde; auf der Etagere standen imponierend zwei silberne Leuchter, die sonst versperrt gehalten wurden, und vom Sofa und von den Stühlen waren die Hüllen entfernt. Und nichT allein durch die blinkende Wohnung, die besseren Kleider und durch die feiertägliche Stimmung machte sich der Sabbath geltend; er kam auch beim Frühstück lebhaft zum Ausdruck. Heute gab es statt Semmeln einen grossen gelben Rosinenkuchen und mit Topfen gefüllten Butterteig zum Kaffee. Paul musste drei Stücke von den Bäckereien essen, Onkel Finkelstein ass vier, und Wohvele bekam von der Grossmutter einen Klaps, weil er ungeschickt war und kleine Stückchen auf den Fussboden gestreut hatte. So ward Paul inne, dass sich hier der Sabbath ganz besonders von den übrigen Tagen unterscheide und dass es wie ein Faustschlag empfunden würde, wenn er sich, seiner Gewohnheit gemäss, nach dem Frühstück eine Cigarette anzündete, Eine solche Entweihung des Sabbath! Er wusste, dass er hiedureh der Liebe seiner Verwandten sofort verlustig gehen würde. Er wollte ihren Gefühlen Rechnung tragen, begab sich in sein Zimmer und legte einen schönen schwarzen Rock an4 damit durch seine Kleider keine Disharmonie geschaffen werde. Nach dem Frühstück verabschiedete man sich von der Tante und von Clara. '" Die Grossmutter setzte sich auf das Bänkchen vor dem Hause, Hess sich von der Sonne bescheinen und wartete, bis der Gottesdienst beginnen würde, um dann in die Synagoge zu gehen. Paul und Finkelstein schlenderten langsam der langen Gasse zu, wo sich das eigentliche Leben concentrierte, und hinterdrein, in weitem Abstand, trottete Wohvele. Er betastete und bewunderte seine schönen Kleider, zog an dem Knopf, der das Taschentuch hielt, und lugte dabei nach seinem Vater aus, um gelegentlich durchzubrennen und sich einer Sehaar spielender Kinder anzuschliessen. Einstweilen bot sich hiezu keine Gelegenheit, denn ringsumher war alles wie ausgestorben. Eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes tummelte sich am Samstag die Bewohnerschaft ausschliesslich in der langen Gasse; hier begrüsste man sich, hier besprach man die Geschäfte der Woche, hier Hess man den Stoff befühlen, wenn man einen neuen Rock trug, hier war das Forum für öffentliche und private Ereignisse, und hier jagten und tummelten sich und spielten die Kinder. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. A. F. Bisten Dank. Leider nicht geeignet. Zionsgruss . Durch Ueberftille an Material für die D^eember- Nummern sind wir zu unserem Leidwesen gezwungen, die Fortsetzungen der „Beiträge zur Kenntnis Palästinas" von A. Aaronsohn und Dr. S. Soslcin, sowie d*n ^hluss des Artikels „Der Judenzoll und die jüdische Wohlthätigkeit in Ungarn* von Dr. J, Ronai als die zuletzt eingelaufenen Artikel für Jänner 1902 zurückzustellen. Spenden. Für den jüdischen National-Fonds: Familie K 1.—. J. S. K —.50, S N. K —.50, O. M. K Dr. O. K. K —.50, Dr. Sch. K —.40, M. Sch. K —.20, A. N. K —.3 K. Sammlung von einem Stammtisch K —.90, A. P. K —.20. h. W. K —.50, L. K. K —.25 J. U. K — 20, M. Z. K —.20. Efr. Edelstein K —.20. Aus einer Sparbüchse K —.20, K. Sammlung K —.50, Aller. Jüd. Arbeiter-Verein K —.80, Erster Zion. Frauenverein K 1.40, M. B., Wien K —.50, Suchestow K 2.80, Spiegel Pinka*, Gravosa K 1.— Ivria, Wien K 2.26, Chowewe Zion Bolechow K 5.15, J. C, Freiburg i. Br. K 29.25, Hadassa K —.80.K 9.75, Zusammen K 51.51. Für zionistische Zwecke: B. Bannet, Rossland Canada K 1.50. Fonds für palästinensische Arbeiter: M. B., Wien K —.50. * Berichtigung. Bei Spenden in Nr. 49 für National- Fonds soll es anstatt „Leib" richtig Leiser Förster, Nadworna heissen. Briefkasten der Administration. Die Nummern 1, 2 und 3 dieses Jahres werden von der Administration um 40 Heller per Nummer rückgekauft. Blumberg, Brisbane (Australien). Ihr Abonnement endet am 31. Juli 1902. Sc»;ekel kann man abführen an die English Zion. Federation London E. C, 3 Commercial Street, von dort können Sie auch Chekei Blockes erhalten. Setzen Sie sich übrigens mit Herrn Samuel Goldston, to be called for Sydney, New South Wales (Australien), in Verbindung. L'ECHO SIONISTE REVUE BI-MENSUELLE Paraissant le 5 et le 20 de chaque mois -— LE SEUL JOURNAL SIONISTE REDIGE EN LANGUE FRAN^AISE. La Collection comprenant la premiere annee de l'ECHO SIONISTE est en vente aux bureaux du Journal: 38, rue Lebrun. Prix de la collection complete: 5 francs.! nyDDPfc wnx pnrftn mk px itö-np ps ^Ksn n^ä yEDW dot r* w^ot pa 'An nreopö j?n« jjrvwi tsoa^T t»t twpa -unr j:«p iwirb *ik*<b -i »jin-ötr tragi jnxm pa jwö ix TDDKn aro -*jhib DKiitsy tar« ninis pa 'D^n p« nwu n-vn csn ps iiHawipö mKxn im:») nSnro.» Vtbk rrnnn jo -»nia r« ps <jiAnKä£&r ytösnKpö '*d nrmrn Tins; nmia 'dö A*ntr rnaer«; tt phn "*o^n nnVpa 4pi«ü 2 i Ab 1.20 Bjjöotfp Kp:*nä brtssKW rr« (.a"sp liö ibv: Am 10 j^mbp 25 Ann 3 j^m&ip 4 ,pj*rä 2.50 .arbnp 2 UH-OT ptt*nB .ttpWJ TH1 Pön8»83 *U?B ,pn3J7P,'K D"liO$B ]K& •tDJHön$ntMKJ7a |J?tD1Kpt:D$B-lÄrB8"T *p* "m J. B. Sokolsky, Place de l'Aurore. 30 Antwerpen (Belgien).

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