Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 48 (29.11.1901)
- Article
- Conferenz der Zionisten des Kamenetz-Podolsker und Bessarabischen Rayons
- Date
- 1901-11-29
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 „Die # Weit4* Nr. 48 Die Conferenz wurde mit einem Commers geschlossen, an welchem sümmtliche Zionisten der Stadt und viele Gäste theilnahmen. Sch. Die jüdische Turnbewegung. Einem lehrreichen Artikel von Hermann Jalowicz, der unter obigem Titel in der November-Nummer von „Ost und West" erschienen ist, entnehmen wir die Nachricht, dass gegenwärtig 13 jüdische Turnvereine existieren und 6 im Entstehen begriffen sind. Der Aufsatz gipfelt in der nachstehenden Erklärung: „Es ist bekannt, dass die Zionisten-Congresse den ersten Anstoss zur Begründung von jüdischen Turnvereinen gaben, indem berufene Männer — Aerzte und Politiker zugleich — gegen die schädlichen Folgen, die mit der Ueberanstrengung des Gehirns, noch dazu unter den elenden Luft-, Licht- und Ernährungsverhältnissen des Ghettos, gewöhnlich verbunden sind, energisch Front machten und ebenso vor ungerechtfertigter Ueberschätzung geistiger Arbeit wie vor Geringschätzung körperlicher Bethätigung warnten. Seit der Emancipation, welche die jüdischen Mitbürger zur Theilnahme am obligatorischen Turnunterrichte in der Schule zwang, sind die Zustände in den westlichen Ländern um vieles besser geworden. Freilich gab es schon vor der Tagung des ersten Zionisten-Gongresses zu Basel im Jahre 1897 einige Pflegestätten jüdisch-turnerischer Bestrebungen,*) aber von einer planvollen Turn bewegung, von einer Organisation mit dem ausgesprochenen Zwecke, durch Turnen zur Stählung und Kräftigung des jüdischen Volkes beizutragen, kann erst seit 1897 die Rede sein: diejüdischeTurnbewegungknüpft an die moderne zionistische Bewegung an." ^>i*ib(if)e. Wir werden um Aufnahme folgender Zeilen ersucht: Berlin, den 20. November 1901. Nachdem der Verein Jüdischer Studenten sich im vorigen Jahre zum ersten male an den Lesehallen-Wahlen betheiligt hat, und zwar mit recht günstigem Erfolge, stellt derselbe auch dieses Jahr wieder eigene Candidaten auf, nämlich cand. med. Erich Rosenkranz, cand. phil. Emil Kohn und cand. iur. Bruno Blau. Bei der grossen principiellen Bedeutung der Lesehallen-Wahlen, ist es dringend erforderlich, dass jeder jüdische Student dem Vereine Jüdischer Studenten seine Stimme gibt, da dies die einzige Partei ist, die sich eine energische Vertretung der Interessen der jüdischen Studentenschaft im Directorium zur Aufgabe macht. Mit vorzüglicher Hochachtung Der Vorstand des „V.J. St." : J. A. Adolf Juda XXX N. Novalisstr. 7, I. * In der Plenarversammlung vom 31. October hat die „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien" den Beschluss gefasst, ein Comite mit der Aufgabe derLectionenvermittlung zu betrauen. Wir sind sofort an die Arbeit gegangen und richten daher auch an alle jüdischen Familien, besonders an unsere Förderer und Gönner, den Appell, unser Werk nach Kräften zu unterstützen. Unsere Aufgabe ist es^ den jüdischen Familien kostenlos tüchtige und verlässliche Istructoren (Techniker und Universitätshörer) namhaft z.u machen und auf diese Weise einerseits den jüdischen Familien leistungsfähige Lehrkräfte aus der Reihe ihrer Glaubensbrüder zu vermitteln, anderseits dem mittellosen jüdischen Hochschüler die Fortsetzung seiner Studien materiell zu erleichtern. Zuschriften und Anfragen sind zu richten an das „Lectionenvermittlungs-Comit6"der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, IX., Hahngasse 10. £ *) In Bukarest und Constantinopel. Folgender Aufruf ist uns zugegangen : Die Stadt Bihac, eine der früheren Grenzfesten des gegenwärtigen Occupationsgebietes, knapp an der croatischbosnischen Landesgrenze gelegen, zählt zu ihrer Bevölkerung mehrere aus den Österreich-ungarischen Kronländern und den verschiedenen Städten der Balkanländer stammende Juden, welche eine kleine Gemeinde bilden. Zur Zeit der Besetzung unserer Stadt durch österreichisch-ungarische Truppen waren hier nur mohammedanische Gotteshäuser vorhanden., Es gelang der christlichen Bevölkerung verschiedener Confessionen durch Beiträge ihrer Religionsgenossen, im Laufe der Jahre Kirchen zu erbauen, nur die kleine, kaum 150 Seelen zählende israelitiche Gemeinde konnte infolge Mittellosigkeit ihrer Mitglieder dieser ihrer hehren Pflicht nicht entsprechen. Die israelitische Gemeinde musste, um doch ein Gotteshaus zu haben, zu diesem ZwecKe ein primitives, baufälliges Holzgebäude adaptieren, und in diesem, nur mit Nachsicht der hohen Behörden bestehenden Gebäude, welches selbst den bescheidensten Anforderungen, die an ein Wohnhaus gestellt werden, nicht entspricht, wurden bisher die Gebete verrichtet. — Für die Zukunft ist auch dieser Nothbehelf wegen Baufälligkeit des Gebäudes unhaltbar. Und doch besteht gerade hier inmitten der Mehrzahl einer andersgläubigen Bevölkerung die Pflicht, die hier wohnenden Juden im Glauben ihrer Väter zu erhalten. Damit unsere Kinder nicht förmlich zum Abfall von dem Glauben unserer Väter gedrängt werden, ist es notwendig, dass ein Bethaus hier ehestens erstehe. Zu diesem Zwecke hat sich ein Ortscomite aus einheimischen und Österreich-ungarischen Israeliten gebillet, welches sich zur Aufgabe gestellt hat, ein Gotteshaus zu erbauen. Dieses Comite* wendet sich mit der ergebenen Bitte um Beiträge an alle Juden des In- und Auslandes, denn es soll ja ein go tgefäliiges Werk geschaffen werden, welches uns allen gleich am Herzen liegt. Gütige Spenden wollen an das „Terapelbauöomitc der israelitischen Gemeinde in Bihac, Bosnien" adressiert, werden und wird der Ausweis der eingelaufenen Spenden in jüdischen Interessen gewidmeten Blättern veröffentlicht werden. Im vorhinein für die gütigen Beiträge, die wir in Anbetracht des heiligen Zweckes erhoffen, im Namen der Juden von Bihac ergebenst dankend, zeichnen wir Bihac, im Monate September 1901. Hochachtungsvoll das Comitö: Dr. Hermann Kör bei, Präses; Albert R e c h n i t z e r, Vorsteher der Cultusgemeinde, Vice-Präses; Jerochum Löwy, Samuel Altarac, cand. med. Isidorlzrael, Jacob Löwy, Mitglieder des Comites. Ueber H St. Chamberlain. (Schluss.). Zuerst lernte ich Chamberlain au seinem Artikel über die Judenfrage kennen,, der in einer rumänischen Zeitschrift und später in deutscher Uebersetzung in der Wiener „Ostdeutschen Rundschau" erschien. Das soll der Mann sein, dachte ich mir, den man als neuaufgegangenes Licht preist und über den ich auch aus dem Munde so mancher jüdischer Literaturgigerln verzückte Loburtheile gehört hatte. Gieng hin und las sein Hauptwerk „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts". Ich kann nicht leugnen, dass ich durch dasselbe denn doch ein günstigeres Urtheil über ihn gewann. Statt eines einfachen antisemitischen Hetzers in einem Wissenschaftsmäritelchen stand nun wenigstens ein geistreicher Mann vor mir^ der eine Fülle theoretischer Phantasie entwickelte. Allerdings, ich hatte bald den Eindruck: .„Geschichtsphantasie ist ein Narrenhaus", wie Chamberlain selbst sagt., und: der Artikel erklärt das Buch. Aus der Abneigung gegen die Juden heraus ist es entstanden. Der Judenhass war zuerst vorhanden — ererbt, triebhaft, unbewusst, ungerechtfertigt. Dann kam die Illusion,, ein Wissenschaftler zu sein, über den künstlerisch angelegten Mann. Jetzt musste er den antisemitischen Drang wissenschaftlich rechtfertigen. Dabei gieng seine-Seele im ganzen und grossen Avahrscheinlich folgenden Weg: Die Juden sind eine schauderhaft unsympathische Rasse. Das steht fest, ist aber zu beweisen. Zu diesem Zwecke iiiuss ihr