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Die Welt · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Article
Zur Geschichtsschreibung des Zionismus
Date
1901-11-29
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. £8 „Die # Welt" Seite 7 als ihr Verlangen, die Wahrheit zu erkennen, fähig, diesen absurden Einwand wiederzukäuen. Die übrigen Einwände, das jüdische Volk sei nicht geeignet zum Ackerbau etc., sind durch die Tftatsache des Bestehens von jüdischen Ackerbaucolonien in Argentinien, Canada, Russland und vor allem in Palästina dementiert worden. Bleibt die Frage der Verwirklichungsmittel des Zionismus. Die Zionisten sind bereit, alle Mittel anzuwenden, auf die jedes Volk das Recht hat, um seine Freiheit wieder zu gewinnen. Ich werde mich hier nur bei dem Mittel aufhalten, das in der gegenwärtigen Phase des Zionismus als das angezeigteste erscheint. Da Palästina eine türkische Provinz ist, so ist es die ottomanische Regierung, von der die endgiltige Niederlassung der Juden in diesem Lande abhängt. Wie man von vornherein begreifen kann, und wie es die Ergebnisse der Verhandlungen zeigen, die von dem politischen Leiter der zionistischen Organisation Herrn Dr. Herzl geführt wurden, kann die Colonisation Palästinas durch die Juden gegen Geld autorisiert werden. Wo wird man dieses Geld finden? Die Mittelclassen und ein gewisser Theil der hohen jüdischen Bourgeoisie in den östlichen Ländern, haben ein beinahe ebenso grosses Interesse an der Gewinnung einer Heimat, wie das jüdische Proletariat; diese Gassen werden die nothwendigen Capitalien liefern. Im übrigen würde das Geld, das gegenwärtig von der assimilierten jüdischen Bourgeoisie ausgegeben wird zu dem Zwecke, den jüdischen Auswanderungsstrom von dem Westen Europas abzuleiten und ihn nach Amerika und Argentinien zu lenken, würden die Capitalien, die ausgegeben werden, um die Lage der Juden an Ort und Stelle zu bessern, reichlich genügen, um Aäie agriculturelle und industrielle Niederlassung der Juden in Palästina zu begründen. Freilich, die Schwierigkeiten sind noch bedeutend; die grossen philanthropischen Gesellschaften, wie die jüdischen Allianzen und andere, die reichen Clausen verharren in ihren alten assimilatorischen Irrthümern; aber sie werden sich zuletzt dem gebieterischen Willen des jüdischen Volkes beugen müssen. Wie in allen fortgeschrittenen und humanitären Bewegungen kommen auch hier die Reichen und Satten zuletzt. Aber die Zahl der Juden, die sich dem Zionismus anschliessen, wächst von Tag zu Tag, alle, deren Seele muthig und deren Geist offen ist, alle, die ihr Volk lieben, haben die Assimilation aufgegeben, als das zionistische Ideal procclamiert wurde. Ein schönes Genie, ein bewundernswerter Redner wie Max Nordau, ein Kämpfer, ein kühner Geist wie Bernard L a z a r e, eiii eminenter Gelehrter wie Lombroso, ein grosser Schriftsteiler wie Z an g will brauchten nicht viel Zeit, um sich unter die zionistische Fahne zu stellen. Die Aengstlichen, die Zögernden werden später kommen. Die Zionisten werden unter ihrer Flagge alle gesunden und tüchtigen Elemente des jüdischen Volkes vereinigen, alle Elemente, denen die Assimilation widerstrebt, wie ein unedler Volksselbstmord. Die Zionisten rechnen auch auf alle fortgeschrittenen Parteien der europäischen Gesellschaft; alle wahren Humanitären werden zuletzt in dem Kampfe der Juden um eine Heimat dasselbe thun, was hyron im Kampfe der Griechen um ihre Unabhängigkeit that, was Lafayette und Kosciuszko im amerikanischen Kriege von 1778 thaten, und Garibaldi in den Jahren 1870—1871. Die vereinigten Anstrengungen der Juden und der Gerechten aller Nationen werden die Freiheit des jüdischen Volkes triumphieren lassen. Delegiertentag der italienischen Zionisten. In Modena fand ein D^legiertentag der italienischen Zionisten statt, der von Professor Carlo A. Conigliani eröffnet wurde Anwesend waren Vertreter der zionistischen Vereine von Modi-na, Ferrara, Mailand, Neapel, Anrona, Vercelli u. a. Es wurde die Bildung einer Föderation der italienischen Zionsvereine beschlossen, die am 1. Jänner 1902 ins Leben treten soll. Unserem Bimde?organs der „Idea Sionista", wurde Lob und Anerkennung gespendet. Für den fünften Gongress wurde eine allgemeine Kundgebungs-Resolution, sowie eine Special-Resolution beschlossen. Aufklärungen über den Stand der Jüdischen Colonialbank wurden gegeben und ein lebhafterer Verkauf von Actien angeregt. Zum Orte des nächsten Delegiertentages wurde Ferrara bestimmt. Conferenz der Zionisten des Kamenetz-Podolsker und Bessarabischen Rayons. Am 15. Öctobei: fand in Kamenet z-Podolsky die Conferenz der Zionisten derKamenetz-Podolsker und BessarabischenRayons statt, welche drei Tage dauerte. An der Conferenz betheiligten sich 53 Delegierte und eine grosse Anzahl von Gästen. Die Eröffnungsrede hielt das C. A. Mitglied für diese Rayons Herr Dr. Bendersky. Er erstattete Bericht über die zionistische Thätigkeit in diesen Rayons und den Stand der Bewegung. Aus diesem Bericht geht hervor, dass im verflossenen Jahre ein Zuwachs an neuen Vereinen und eine rege culturelle Thätigkeit zu verzeichnen ist, was umso höher zu bewerten ist, als die Hungersnoth sehr viele Genossen gehindert hat, sich in der Bewegung zu bethätigen. Nach der Rede des Herrn Bendersky wurde zur Wahl des Bureaus geschritten. Gewählt wurden zum Vorsitzenden Dr. Bendersky, zum Ehrenpräsident Dr. Kohan-Bernstein aus Kischinew (Mitgl. des A. C.), zu Vicepräsidenten Rabbiner Scheinkin und Anwalt Schleifer. Nachdem die Wahlen beendigt waren, verlas Dr. Kohan Bernstein eine Begrüssimg des Herrn Dr. Herzl, welche von der Versammlung mit stürmischem Applaus aufgenommen wurde. Dann erstattete das Rayoncomite einen detaillierten Bericht, über die Zahl der Vereine., ihre Mitglieder und ihre Thätigkeit. Zu Beginn des Jahres waren im Rayon 158 Vereine, jetzt hat sich ihre Zahl um 32 neue Vereine, darunter 4 Frauenvereine, vermehrt. Diese Vermehrung darf man den Wanderrednern zuschreiben. In den Vereinen sind alle Stände vertreten; Kaufleute, Handwerker, Lehrer,7 Studenten und Arbeiter vereinigen sich auf dem Boden des Zionismus. An diesen Bericht schloss sich eine sehr lebhafte Discussion. Dr. Kohan-Bernstein sagte, es könnte trotz der Hungersnoth sehr viel geleistet werden, wenn ein Stab von energischen und aufopferungsvollen Agitatoren organisiert würde. Er forderte die Vereine auf, die zionistische Arbeit beharrlich und ohne Unterlass fortzusetzen, weil nur in ihrer Thätigkeit der Erfolg unserer Bewegung liege. „Unsere Führer'", meint er, „können nur die Kräfte und Mittel verwerten, die wir ihnen zur Verfügung stellen; aber das Gelingen unseres Unternehmens ist einzig und allein Sache der Massen.'4 Rabb. Schefkin forderte parallel mit der direct zionistischen Arbeit auch die Entfaltung einer gegenwartspolitischen und culturellen Thätigkeit, wodurch wir die Massen für uns gewinnen könnten. Ausser den allgemeinen Fragen wurden auch eine Anzahl loealer Organisationsfragen erörtert. Zu letzteren gehört ein Antrag, dahingehend, dass anstatt der in Russland functionierenden verschiedenen zionistischen Centren ein Landescomite gegründet werde, welches in sich sämiutliche Functionen vereinige. Dieser Antrag wurde von Dr. Bendersky und Dr. Kohan-Bernstein unterstützt, wurde aber bei der Abstimmung abgelehnt.

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