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Die Welt · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
47 (22.11.1901)
Article
Eine interessante englische Zeitungsstimme
Date
1901-11-22
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 47 r „Die # Welt?* Seite 7 Eine interessante englische Zeitungsstimme. Die „Birmingham Daily Post" vom 13. November enthält den nachstehenden bemerkenswerten Artikel: Die rasche Ausgleichung des Streites zwischen Frankreich und der Türkei hat die meisten Diplomaten überrascht. In Wien, wo die „haute potitique" wie eine der schönen Künste studiert wird, wurden andere Ergebnisse als die vorgefallenen erwartet, und Italien zeigte halb, halb verhüllte es seine Aengstlichkeit Die innere Erscheinung der Angelegenheit ist in keinem Sinne in die Öffentlichkeit gebracht worden; die Correspondenten sind nicht eingeweiht worden, und von keiner der Gesandtschaften drang eine Information hinaus. Diese Thatsachen waren ominöse Zeichen, und der simultane Ausbruch in der Kirche des heiligen Grabes in Jerusalem suggerirte ein anderes als das gewöhnliche Ende. In Wirklichkeit hat dieser „Sturm in einer Theetasse* der hohen Pforte ausgezeichnete Dienste geleistet, denn er bewies augenscheinlich besser alrf alles andere, dass die Neutralität Jerusalems die beste Möglichkeit ist inmitten der religiösen Kämpfe, die herrschen, wenn die heilige Stadt nur erwähnt wird. Die Franzosen glaubten, einen diplomatischen Sieg errungen zu haben, aber es wird in der Folge gefunden werden, dass Herr Delcasse weniger als seine Ansprüche erreicht hat. Denn in dieser orientalischen Frage hatte sein Verbündeter seine eigenen besonderen Ziele. Die deutsche Reichskanzlei sah dem Ergebnisse der französischen Losgeherei auf Deutschlands neue orientalische Staatsweisheit mit Unbehagen entgegen. Einige Sorge empfand man auch im Orient wegen Englands Stellung, und dieses Interesse ist noch nicht geschwunden, denn wenn Frankreich in Mytilene festen Fuss fassen würde, wäre auf dem offenen Wege nach Indien ein Schlagbaum errichtet Der französische Anspruch auf das syrische Protectorat' vereitelte einen Plan, welcher zu der Wiedereröffnung der gesammten orientalischen Frage geführt hätte. Denn abgesehen von deutschen und russischen Interessen, würde England längs des Mittelmeeres eine andere günstige Stellung zu suchen gehabt haben, um von da aus seine Position aufrecht zu erhalten. Freundeshände verschafften die Mittel, um die französische Flottendemonstration zu beendigen; aber das beendete nicht die innere Situation, und grosse Aufmerksamkeit muss der Eröffnung eines abwechselnden und überländischen WTeges nach Indien zugewendet werden. Der einzige Weg ist längs und durch Palästina mit einem Hafen in Jaffa, wo das Schutzriff, das Salomon für seine Schiffe baute, die mit dem Lande Ophir Handel trieben, noch jetzt den Reisenden schreckt, der es in einem Kutter zu umschiffen hat. Bevor jedoch Palästina zu einer Hochstrasse für unser indisches Reich gemacht werden kann, muss es neutralisiert und seine Bewohner in eine neutrale Lage versetzt werden. Die zionistischen Politiker, die den Herbst hindurch auf dem Posten waren und die im Frühjahr in Constantinopel einen grossen Eindruck gemacht haben, mischen sich in das orientalische Spiel der Politik und machen sich erbötig, gerade solche ideale Bedingungen in Palästina zu schaffen. Sie suchen Exploitationsrechte in Palästina; in der That Tvird von mehreren Seiten versichert, dass sie nahe daran sind, ihre Geschäfte abzuschliessen, aber man kann nichts glauben, bevor es das officielle Gepräge hat. Wenn sie einen Schritt nach vorwärts gemacht haben oder daran sind, ihn zu machen, würden die englischen Politiker eine That begrüssen, die ihnen einen abwechselnden Weg nach Indien offen halten würde. Die Juden würden als ein sich selbst regierendes Volk neutral sein, und die heiligen Stätten würden exterritorialisiert und beschützt werden im Interesse aller Glaubensschattierungen. Wie in dem verwandten Falle der Neutralisation des Libanon wird kein localer Antagonismus erwartet, keine Unruhe würde erfolgen, und während die Juden gefördert würden, würde der Orienthandel wachsen und die Lage der Türkei würde gestärkt werden zugunsten der Aufrechterhaltung des europäischen Friedens auf Jahrhunderte hinaus. Staatsleute können wohl zufrieden sein, wenn sie soviel für ihre Generation vollbringen können, wie in einer solchen Vertagung der orientalischen Frage enthalten wäre. In Constantinopel weiss man wohl, dass das palästinensische Problem an der Wurzel des Interesses liegt, das die Mächte an den türkischen Angelegenheiten nehmen, und dass verschiedene Mächte bereit sind, 'hren Weg zu suchen durch Genehmigung einer grossen Ansiedlung von neutralen Juden im Lande. Sollten daher die gegenwärtigen jüdischen Verhandlungen erfolgreich sein, so werden die Nachrichten von einem politischen Gesichtspunkte, ganz abgesehen vom Gefühisinteresse, von den meisten Engländern mit Befriedigung zur Kenntnis genommen werden, und so auch von allen Nationen, welche die Aufrechterhaltung des Friedens in Europa aufrichtig wünschen. Versammlung von Actionären in London. Aus London wird uns unter dem 19. November telegraphiert: Gestern fand hier unter dem Vorsitze des Mr. Corner eine von 1200 Personen besuchte Versammlung von Actionären der Jüdischen Colonialbank statt. Die Versammlung fasste in enthusiastischer Weise eine Resolution, worin sie ihre Freude über die erzielte Actionsfähigkeit der Jüdischen Colonialbank ausspricht und zugleich den Wunsch äussert, die gesellschaftliche Thätigkeit der Jüdischen Colonialbank möge so bald beginnen, als es nach bestem Wissen und Gewissen des Directoriums und Aufsichtsrathes rathsam sei. Die Versammlung sprach ferner dem Actionscomite und dem Vorsitzenden desselben ihr volles Vertrauen aus und gratulierte zu den bisherigen Erfolgen. Der Zionismus in Südafrika. „Hameliz" veröffentlicht in seiner Nummer vom 15. November einen Brief aus Durban (Südafrika), dem wir die folgenden Stellen über den dortigen zionistischen Verein entnehmen: „ . . . Eine gute Wirkung auf die Einwanderer übt neuesten» der Zionismus, dem ich einige Worte widmen will. Die hiesige zionistische Ortsgruppe ist vor ungefähr acht Monaten gegründet worden. Sie zählt 200 Mitglieder. Der bisherige Präsident der Gruppe ist ein im vollsten Sinne des Wortes braver Mann. Ausserdem hat er auch modern-jüdisches Wissen und viel Tlmteifer. Er ist russischer Herkunft. Da er aber nach Transvaal ausgewandert ist, wurde jüngst ein englischer oder vielmehr anglisierter Jude (der in frühem Kindesalter aus Russland eingewandert ist), an seine Stelle gewählt. Da er also erst seit ganz kurzer Zeit sein Amt bekleidet, konnte ich ihn noch nicht näher kennen lernen. Die übrigen Mitglieder des Ausschusses sind schlichte, aber hochachtbare Leute. Wie ich oben erwähnt habe, hat der Verein 200 Mitglieder. Sie sind fast alle russische Juden, mit Ausnahme einzelner Engländer, die sich dem Verein vor kurzem angeschlossen haben. Jedes Mitglied entrichtet einen Beitrag von einem Schilling monatlich, was einer Gesammteinnahme von 10 Pfund monatlich entspricht. Alle zwei Wochen findet ein Vereinsmeeting statt, in dem über die verflossene TRätigkeit berichtet und Massnahmen für die Zukunft getroffen werden. . . . Vor einigen Wochen kam Rabbiner Dr. Herz aus Cape Town (Capstadt) hieher, einer der Führer der hierländischen Zionisten. Die. hiesigen Gesinnungsgenossen veranstalteten ihm zu Ehren einen Coneertabend, der in sehr begeisterter Stimmung verlief und an welchem dem Gaste vom Vereine eine goldene Medaille in Form eines Davidschildes überreicht wurde. Der eigentliche Zweck der Hierherkunft des Dr. Herz war, dem Wunsche der hiesigen jüdischen Gemeinde nachzukommen, die ihn ersucht hatte, in ihrem Namen dem Herzog von York, der hier weilte, eine Adresse zu überreichen."

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