Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Article
- Unsere Heerschau
- Date
- 1901-11-22
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 „Die # Welt" Nr. 47 vernichtet, lange schon den Indifferentismus der Judenheit gegen unsere Ziele überwunden. Zahllose Augen sind nach Basel gerichtet, an aller Juden Gehör werden die Kundmachungen unserer Tribüne dringen. Aus allen Weltgegenden dampfen wochenlang die Schiffe, rollen die Schienenwagen, auf denen unsere Delegierten den Weg zum Congressort zurücklegen. Dort wartet ihrer etwas Neues. Bis heute hat die Freude, die Begeisterung, der gute Wunsch jedes Zionisten für die hohe Tagung ihren beliebigen Weg und Ausdruck gefunden. Dem wird jetzt System gegeben, eine Ordnung im Rahmen des Weltzionistentages. W a s es sein soll, wissen wir. Versammlungen jedes Vereines, jeder Gruppe von Zionisten auf der ganzen Erde. Eine Familienfeier wird es sein mit einer Erinnerung ans Gewesene, mit einem hoffnungsvollen Erörtern der Zukunft. Und zum Schlüsse ein Gelübde der Treue zu den Idealen der Freiheit Judas, das Bekenntnis zu einer Satzung, die., für alle einheitlich, die Gefolgschaft zum Zionismus ausspricht. W i e es sein soll, erwarten wir getrost. Es ist zwar nur mehr eine kurze Spanne Zeit, die uns vom Vortag des fünften Congresses, vom Weltzionistentag trennt. Die Kürze wird von der Energie überwunden werden. Die Werbearbeit der Vereine wird, wir sinds gewiss, ein Vielfaches ihrer bisherigen Leistungen bieten, um die Feier möglichst imposant zu gestalten. Wir sind keine politische Partei, haben keine politische Gesinnung, paradieren nicht und treiben kein Geflunker. Männlich wollen wir die Freiheit und arbeiten entsprechend der Grösse unseres Zieles. Von uns und von den Angeworbenen verlangt man eine Bagatelle an materieller Leistung, als Haupterfordernis einen Glaubensartikel in der Gesinnung: Ich glaube an die Freiheit des jüdischen Volkes, und viel, viel Arbeit; denn mit unserer Zahl wachsen unsere Erfolge. So wird wohl der Weltzionistentag ein neuer Ansporn zur Thätigkeit sein, deren guter Erfolg mächtig wirkende Folgen zeitigen wird. Werden wir nicht unseren Gegnern ein überwältigendes Moment bieten, wenn wir ihnen das von uns in der Zerstreuung geeinte Volk zeigen? Geeint im Streben, in seinen Zielen und in Brüderlichkeit? Werden sie dann den Muth haben uns als Juden entgegenzutreten? Wir selbst aber werden für unser Fortwirken angefeuert von dem erhebenden Gedanken, dass zu gleicher Zeit mit uns an tausenden Orten der Erde unsere Brüder dasselbe Wort bekräftigen! Eine starke Wirkung aber wird die Feier in Basel haben. Die Botschaft, die an den Congress geleitet wird, wird die Trägerin eines unsichtbaren Fluidums sein, eines elektrischen Funkens, der vom Herzen des Volkes ins Herz seiner Vertrauten hinül>erschlägt, und ihnen die Kraft gibt, aus Geist und Seele alles herauszuholen, um die verkündete Grösse des Vertrauens zu verdienen, den verkündeten Willen des Volkes zu erfüllen. „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern." Am Weltzionistentage werden sich unzählige Hände erheben zum Schwüre auf die IdeaJe des Zionismus und ebensoviel Herzen, geschwellt von der Vorahnung der Freiheit Judas. Zionisten, rüstet zur Feier! Juda ben Avigdor. Zum Weltzionistentag, schreibt die „Jüdische Volksstimme": Die Zionisten rüsten allenthalben zu einem Festabend, um den sie künftige Generationen beneiden werden. Unser Actionseomite hat die Parole des Weltzionistentages ausgegeben. Die Gesinnungsgenossen in Europa und an den Grenzen Chinas, in Indien und in den Staaten Nordamerikas, in Brasilien und Australien, die Zionisten der ganzen Welt werden zu gleicher Zeit in Festversammlungen zusammenströmen, um von unserem bisherigen Wirken zu sprechen, und um in unzähligen gleichlautenden Resolutionen dem V. Baseler Congress ihre Huldigung darzubringen. Wir haben in fünf kleinen Jahren die baufälligen, feuchten und jämmerlich beschmutzten Mauern niedergerissen und die Grundfesten zum neuen Baue gelegt; wir haben mit Selbstüberwindung die täuschende Hülle von den eiternden Schwären fortgerissen, wenn uns auch das Herz geblutet hat: Dafür, und für die gehässige Wühlarbeit unserer Gegner, deren Lästerzungen ununterbrochen zischelten, wird uns die stolze Stunde des Weltzionistentages, wird uns das Bewusstsein, dass mit uns zugleich ungezählte Scharen die Wiedergeburt der Nation proclamieren, überreich entschädigen. Ein Festabend wird es sein! Wir stellen Gewehr bei Fuss und sprechen von den Früchten unserer bisherigen Schaff enszeit. Ganz schlicht, ohne Pathos und angemessen der Würde des feierlich ernsten Augenblickes, werden wir dem Volke sagen, wie kraftvoll das Judenthum seinen Willen zum Leben doeumentiert hat. Ist nicht die Colonialbank allein, die jüngst aetionsfähig wurde, gleichsam ein riesiges, mühsam gefügtes Mosaik, zusammengesetzt aus den unzähligen kleinen und darum doppelt theuren Kostbarkeiten unserer Aermsten, die von ihrer heissen Sehnsucht nach Licht und Luft und jungem Werden erzählen? Davon berichten wir an unserem Feierabend, und von den Errungenschaften unserer Regenerationsbestrebungen, von unseren Heilanstalten für Geist und Leib, die allenthalben wrie Filze aus dem Boden schiessen, und welche die ungeheure Arbeitsenergie zielbewusster Begeisterung ins lieben ruft. Auch von den grossen Erfolgen unserer Organisationen zur wirtschaftlichen Kräftigung, die bereits in Angriff genommen werden konnten, dürfen wir mit Vorweisung unantastbarer Ziffern und Daten erzählen. Ein Guttheil unseres classenbewussten Proletariats — soweit es nicht gebrochen durch das 1900jährige Golus noch immer indolent ciahinsiecht und zu den Gräbern trottet — ist in die Thore des Zionismus eingekehrt, hat hier allein die Mittel zur Abwehr des antisemitischen Boycotts gefunden und schafft sich Institutionen aus eigener Kraft, die bis zur endgiltigen Lösung durch planmässige Emigration, soweit es möglich ist, Arbeitsgelegenheit bieten und gefährdete Existenzen vor dem sicheren Untergang bewahren sollen. Und wenn wir dann noch an' unsere segensreichen Kämpfe in Juda erinnern, die die Führerschaft den Renegaten und Volksentfremdeten allenthalben entwinden, um die durch die Verwaltung Unberufener besudelten und verkümmerten Aemter dem Volke zurückzugeben, werden wir eine Riesenleistung geschildert haben, die nie und nimmer schwache Menschenarme, die nur die wunderbare Kraft einer grossen Idee bewältigen konnte. Das werden wir an unserem Weltzionistentage in den kleinsten Synagogen und in den gewaltigen Massenmeetings unserer Proletariercentren besprechen und werden stolz hinzufügen dürfen, wie unser Werk jedem einzelnen Pionnier ein reiches Innenleben geschenkt hat, wie wir an uns selbst emporwuchsen, weil wir erkannt haben, wie wir sind und was wir sind, und wie uns der Kampf genugsam gestählt hat, das Volk auf unseren Schultern zu tragen. Weil aber jedermann fühlt, dass eine neue grosse Epoche der That.beginnt, wird jeder Zionist unaufgefordert an diesem Tage seine Pflicht erfüllen. Dann wird sich der Welt an unserem Weltzionistentage das überwältigende Schauspiel bieten, dass in unserem Lager das jüdische Volk steht! 0. A.