Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 47 (22.11.1901)
- Article
- An die Freunde unseres Blattes
- Date
- 1901-11-22
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction täglich von 7J2—72l Uhr« Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. O esterreich-Ungarn: ganzjährig Kr. 12.—, halbjährig Kr. 6.—, vierteljährig Kr. 3.—^. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig Mk. 13.70, halbjährig Mk. 6.85, vierteljährig Mk. 3.45, England ganzjährig Shg. 14.—, halbjährig Shg. 7.—, vierteljährig Shg. 3.10, Russland ganzjährig R. 7.—, halbjährig R. 3.50, vierteljährig R. 1.75, Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig Frcs. 17,—, halbjährig Frcs. 8.50, vierteljährig 4.25, Amerika ganzjährig Doli. 3.40, halbjährig Doli. 1.70, vierteljährig Doli. —.85. Hr. 47. Wien, 22. November 1901. 5. Jahrgang fln die Freunde unseres Blattes. Wir sind in jüngster Zeit mehrfach aufgefordert worden, Probenummern unseres Blattes zu versenden, Wir sind gerne bereit, diesen Aufforderungen in ausgiebigem Masse nachzukommen, und bitten daher unsere Freunde, uns zuverlässige, deutlich geschriebene und genaue Adressen (von Privaten, Corporationen und öffentlichen Orten) einzusenden. An diese werden dann sämmtliche Decembernummern, die in einer Auflage von 10.000 Exemplaren erscheinen, gratis und franco zugeschickt werden. Inserate för die vier Agitationsnumtnern, deren Auflage notariell beglaubigt sein wird, werden schon jetzt entgegengenommen. Die diesjährige Makkabäer-Festnummer erscheint am 5. December in doppeltem Umfange, mit erlesenen, literarischen und musikalischen Beiträgen unserer hervorragendsten Mitarbeiter und mehreren llustrationen. Einzelpreis 40 Heller. Feste Bestellungen werden schon jetzt entgegengenommen. Die Administration. ^¥>^%VVm^^MmM^W%^<M^^MWW^VV^^ Unsere Haerschau. Die Festtage eines neuen Congresses, von eifervoller Freude der freiheitsliebenden Juden erwartet, sind in enger Nähe. Es ist der Xeujahrstag unserer politischen Zeitrechnung. In solcher Zeit ist es die Rückschau, die traditionell unser Denken beschäftigt, und die Vorschau, die Hoffnung, die unsere Stimmung in Höhe hält. Wie denn nicht? Wir Zionisten begleiten die Freiheit, die Wahrheit auf ihrem Marsche, wir helfen ihre Schlachten schlagen. Dass die Schwäche unserer Zeit den Weg über Sumpfboden führt, kann unseren Sieg wohl verzögern, nie aber aufhalten. Die Rückschau allerdings, die Wahrnehmung dieser Schwäche auch bei den Juden, trübt in etwas clie Freude; denn andere Zustände sah die langvergangene Zeit, Kraftvoller und einstimmiger als wir begehrten einst die Juden Freiheit und Vaterland. Als den Zerstreuten der römische Julianus die Rückkehr und den Wiederaufbau, des Tempels gestattete, brachte er ihre Scharen in fieberhafte Geschäftigkeit; die angesehensten Juden gruben mit Spaten aus Edelmetall Erde zum Tempelbaii und ihre Frauen trugen den. Sand in den Falten ihrer kostbarsten Gewänder zu den Handwerkern. Später haben die hcissen Patrioten Judas, die ihr Misserfolg zu Messiasen der Lüge ernannt hat, Millionen geführt. Wir aber streben weit langsamer aus augenfälligem Grunde. Von jenen Zeiten bis heute hat der Hass — nein, der Wahnsinn, die Tobsucht gegen unsere Ahnen gewüthet. Und ist das Judenthum trotzig noch am Leben, gelähmt sind wir doch. Die blinde Furcht 1 anherrschender Ohnmacht hat das Rückgrat gebrochen, die Stütze jedes aufrechten Volkes: den Sinn für nationale Freiheit, Wir Zionisten kamen alsAerzte und Pfleger, riethen und baten, belehrten und drängten, und langsam richtete sich der sieche Körper auf, und unter unserer Obhut wuchs in ihm wieder der Lebensstrang und gab ihm Kraft und Willen. Schneller allerdings käme die Heilung, übten nicht gar so viele politische Curpfuscher und Charlatane im Judenthum ihr Handwerk. Mit aller Art erbitterter Feindschaft vertheidigten sie ihr Ansehen gegen uns. Ihr Misserfolg und Abbruch ist ein Hinweis auf die bezwingende» Macht unseres Gedankens. Es war ein Kampf mit ungleichen Waffen, vergifteten und blanken. Gegen Mittel jeder Art und Moral setzten wir nur Wahrheit und Aufklärung, und ein Ring nach, dem anderen setzte sich an den PYeiheitsbaum an, den wir pflanzten. AVeit, weit reichen seine Aeste. Alle Erde ist des jüdischen Freiheitswillens voll. AVo Juden sind, ist der Zionismus. Wir wollen als selbstverständlich nicht von den europäischen Staaten sprechen, auch die Juden der anderen Erdtheile sind seit langem grossentheils unsere Mitstreiter. Weit am Amazonenstroin schrieben versprengte Brüder, als sie die erste Xaeh rieht bekamen, einen Brief voll spanischer Glut und Grandezza, und meldeten sich an, in Indiens Küstenstädten sind unsere Federationen, Südafrika birgt zahlreiche Gesinnungsbrüder und. auch in Australien haben wir festen Fuss gefasst. Lange, lange schon haben wir die Spottlust, die unserem ersten Auftreten gegenüber herrsehte,