Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 46 (15.11.1901)
- Article
- Beiträge zur Kenntnis Palästinas
- Date
- 1901-11-15
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 46 Die $L"Welt" Seite 9 Beiträge zur Kenntnis Palästinas. (Mittheilungen des „Agronomisch-culturtechnischen Bureaus für Palästina".) Von A. Aaronsohn und Dr. S. Soskin. (Fortsetzung.) Bald finden wir einige Gerten und Blätter vom Johannisbrotbaum, die in Ringe von 0,10 m zusammengewunden sind. Solche Ringe stellen die arabischen Frauen her, um mit ihrer Hilfe die Lasten, die sie auf dem Kopfe tragen, zu einem festeren Halte zu »bringen und den Druck auf den Schädel zu verkleinern. Der frische Zustand, dpn die Blätter trotz der drückenden Hitze bewahrt haben, macht uns hoffen, dass die Frauen, welche sie fortgeworfen hatten, in einer ziemlichen Nähe zu finden seien. Wir beschleunigen unnützerw^ise unsere Schritte, denn wir begegnen wieder keinem lebenden Wesen. Plötzlich fällt uns zwischen den Steinen und Felsen eine wi izige Parcelle Boden von 2—3 Dun am (2000—2500 m2) a-if, die von Steinen befreit ist und Sesam trägt. Natürlicherweise können wir nicht anders denken, als dass man eine solche kleine Fläche Boden nur in der unmittelbaren Nähe eines Dorfes cultivieren könne. Wir können aber sattsam den Horizont betrachten, wir entdecken keine Spur von menschlichen Wohnungen. Man wird weder einen Menschen noch eine Ziegenherde gewahr. Die Mittagssonne hat sie wahrscheinlich aus dieser sehr dürren Gegend zu den Quellen getrieben, die sich voraussichtlich weiter ins Gebir. e hinein im Osten finden. Als wir nun wieder an einen etwas breiteren Pfad gelangen, der den von uns verfolgten in der Richtung von Nord-Süd kreuzt, entschliessen wir uns, da wir der Meinung sind, dass wir zu weit nach Osten vorgedrungen seien, diesen Pfad nach Süden zu nehmen. Und immer wieder durchstreifen wir felsiges Gelände, Berge, die schon mehr entblös.st sind; nichts als niedriges Buschwerk, eine Gegend, die recht dürr ist. Aber man muss nicht denken, dass diese Dürre dem Lande anhaften muss. Man wird gewiss den Charakter dieser Gegend in einen mehr anziehenden umwandeln können. Die wenigen schönen Johannisbrotbäume, die sich von Zeit zu Zeit mit ihren schönen grünen Blättern sehen lassen, beweisen, dass eine Vegetation auch bei dieser Dürre recht möglich sei, dass man sogar jetzt dieses Gebirge ausnützen könnte. Man sollte nur diese Johannisbrotbäume sich ganz frei vermehren lassen, und sie würden sich alsbald des sämmtlichen Gebirges bemächtigen, man sollte sie alsdann nur pfropfen, und man würde in ihren Früchten, die mehr als 40% Zucker enthalten, ein sehr reiches Futtermittel für das Vieh finden können, oder auch eine Quelle zur Alkoholherstellung, der allerdings von einer ziemlich ordinären Qualität ist. Ihr inwendig rothes, sehr hartes Holz könnte mit Erfolg in der Kunstschreinerei verwendet werden. Es nimmt leicht die Politur auf und dient zur Mahagoni-Imitation. Das Land ist dürr, man muss es zugeben, sogar sehr dürr in gewissen Gegenden. Dies liegt aber nur am Zustande der Cultur oder, richtiger gesagt am Zustande der Uncultur, in dem sich das Land befindet. Indes ist die Erde in Palästina überall freigebig, die Sonne überall befruchtend. Ueberall dort, wo man die Art des Anbaues anwenden wird, die durch eine tiefere Untersuchung, unter Zugrundelegung der gesunden Grundsätze der Agronomie, angezeigt ist, wird man sich seine Mühe reichlich bezahlt machen. Wenn auch diese Ländereien im gegenwärtigen Zustande nicht zur sofortigen Colonisation verwendet werden können, so geben sie doch schon jetzt die Möglichkeit für eine gewinnbringende Anlegung von Capitalien. Unternehmungen in diesem Sinne würdm, abgesehen von der ökonomischen Einwirkung aufs Land, auch Vergl. Nr. 41, 42, 43 und 44 der „Welt". auf das Klima, die Hydrographie des Landes, wie auch auf die physische Entwicklung der Völker, der Rassen, die es bevölkern werden, wohlthätig einwirken. Wenn auch diese Art Einwirkung nicht momentaner Natur ist, so ist sie nichtsdestoweniger vom allgemein zionistichen Standpunkte von eminentester Bedeutung. Wir ziehen immer nach Süden fort. Wir begegnen nur einigen Ketten von Rothhühnern, die durchaus nicht scheu sind und, in einer Anzahl von 20—30 per Kette, unseren Pferden unter die Fasse rennen. Im Begriffe, in eine tiefe Schlucht herunterzusteigen, bemerken wir schliesslich in der Ferne nördlich zwei Eseltreiber, die Kohlen transportieren. Wir sind nun so sicher, dass diese Schlucht uns in ein bewohntes Centrum bringen wird, dass wir die Eseltreiber nicht einmal abwarten, um sie nach einem Dorfe zu fragen. Emilie.i einmal sehen wir nach einer guten halben Stunde eine Ebene, in deren westlichem Theile einige Palmen. Wir sind in eine mit Sesam bebaute Ebene hineingekommen, zu unserer Rechten haben wir ein Dorf! Ein Mann und zwei Frauen durchkreuzen eine Vi* rtelstunde uns voran einen Weg, der senkrecht zu dem unserigen ist, In Galopp erreichen wir die Araber und erfahren nun, dass wir uns auf dem Wege von Baka befinden, dass rechts von uns Scheich-Missir ist, und dass sie sich nach Kaffin begeben, welches noch eine halbe Stunde Weges von uns entfernt ist. Auf diese \VTeise erfahren wir nun an der Hand der Karte von A. Legendre, die wir auf die Reise mitnahmen, dass wir durch den Wadi Samantur in den Wadi Jahmur (Wildesel) Onagra gelangten, dass also diese tiefe Schlucht die „Schlucht der Wildesel" gewesen ist. denen wir aber zu unserem grossen Bedauern nicht begegnet waren. Wir verlassen nun die südliche Richtung, die wir bis dahin verfolgten, und gehen direct nach Osten. Der Weg zieht sich wieder im Grunde, eine Schlucht entlang. Es kommen jetzt nach wenigen Minuten alte Oelbäume zum Vorschein, die ersten, die wir auf der diesmaligen Reise erblickten. Durch eine dichte Staubwolke erkennen wir eine Viehherde, die man zum Tränken treibt, und wir sind nun glücklich, bald frisches Wasser zu haben. (Fortsetzung folgt.) Der fünfte Congress. Auf der Tagesordnung des fünften (Kongresses fehlt ein Punkt, der bis jetzt noch immer dem Congress- Programme angehört hat. Die Bestimmung „Berichte der ständigen Ausschüsse und Commissionen" wurde gestrichen, und so ein Uebelstand vermieden, der sonst notwendigerweise zutage treten musste. In Wirksamkrit sind derzeit nur drei Ausschüsse, die wirtschaftliche, die Cultur- und die Colonisations-Commission. Ueber diese Themen wird aber auf dem (Kongresse in eingehendster Weise discutiert werden, und es ist nicht einzusehen, warum der Tradition zuliebe die Debatte hierüber durch die Berichte der ständigen Ausschüsse erneuert werden soll, zumal da nicht nur die Scl.lussanträge der Referenten, sondern anch schon die thatsächlichen Beschlüsse des (Kongresses vorliegen werden. Die Mitglieder der ständigen Commissionen werden daher schon bei den respectiven Punkten der Tagesordnung das Wort ergreifen müssen, insoferne sie über die Thätigkeit der Commission oder über ihre eigene zu berichten haben werden. * Unser Gesinnungsgenosse Herr Gregoire L o u r i e in Pinsk hat dem Actions-Comite eine Anregung übermittelt, die auf dem Congresse zur Verwendung kommen soll. Herr Lourie beantragt, am Tage nach dem ofitciellen Schlüsse des Congresses die neugewählten Mitglieder der Commissionen und Ausschüsse zu einer Vollversammlung zu vereinigen, um nothwendige Beschlüsse bloss geschäft-