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Die Welt · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Article
Die Juden der Bukowina
Date
1901-11-08
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 45 „Die # Weif* Seite b gibt das zionistische Programm nähere Auskunft. Was in den wenigen Jahren zionistischer Kleinarbeit geleistet werden konnte, ist geschehen. Zionistische Vereine, die den Sammelpunkt der Bildungs- und Erholungsbedürftigen bilden, wurden in jenen Städtchen geschaffen, nun will man auch darangehen, die wirtschaftliche Stärkung zu versuchen. Doch wie sagt das jüdische Sprichtwort: Einem Todten helfen auch keine Schröpfköpfe. Von der Durchführung eines zionistischen Gegenwartsprogrammes in wirtschaftlicher Beziehung kann man bloss im Westen und in den grösseren Städten des Westens sprechen. Fär das sarmatische Judenthum — man weiss wohl schon, was ich unter „sarmatisch" verstehe — gibt es nur ein probates Mittel: Heimkehr. Der Proletarisierungsprocess ist hier viel zu weit vorgeschritten, als das die socialpolitischen Hausmittel Erfolg versprechen könnten. Zur Colonisationsfrage. Eine Berichtigung. Von Dr. H. Jofe und Dr. S. Soskin. In seinem Artikel „Colonisationsvorschläge" in Nr. 38 bis 40 der „Welt" hat Herr Dr. S i m o n s o n versucht, unsere ebenfalls in der „Welt" erschienenen Veröffentlichungen über „Die gegenwärtige Lage in Palästina" (Nr. 10 und 11 des laufenden Jahrganges) und „Ueber die Gründung einer Plantagen-Actiengesellschaft in Palästina" (Nr. 27 des laufenden Jahrganges) in einer ganz eigenartigen Weise zu deuten, die darauf hinweist, dass er einerseits unsere Ausführungen missverstanden hat und dass er andererseits auch die einschlägigen Verhältnisse absolut nicht zu kennen scheint. Dr. Simonson hat es übersehen, dass die ersten zwei Artikel in Nr. 10 und 11 sich u. a. mit der Verbesserung der Lage unserer Arbeiter in den schon bestehenden Rothschild'schen Colonien beschäftigt haben. Wir haben in diesen Artikeln neben verschiedenen Vorschlägen, betreffend die Einführung von Hausindustrien, auch den der Einführung von Accordarbeit gemacht, indem wir ausdrücklich betonten, dass man in diesen Rothschild'schen Colonien, bei Aufrechthaltung des Status quo bezüglich der Arbeitslieferung an die schon in den Colonien thätigen Arbeiter, die Accordarbeit einführen sollte, wobei aber „die Löhne nicht zu niedrig angesetzt werden dürfen." Natürlich ist das nicht ein Zustand, den man auf die Dauer empfehlen kann. Aber bei den momentanen Schwierigkeiten in den Colonien, die ja an und für sich Wohlthätigkeitsinstitute sind, mag dieser Vorschlag angebracht sein. Wo hat aber Herr Dr. Simonson gelesen, dass wir den Vorschlag gemacht hätten, die Arbeiter durch Actiengesellschaften zu colonisieren, welche ihren Actionären eine bei 8—10 Percent beginnende und auf 15—20 Percent steigende Dividende vertheilen werden? Wir müssen annehmen, dass Simonson unsere Artikel nicht gelesen, sondern daraus nur einzelne Sätze herausgegriffen und bekämpft hat. Wir haben in unseren Artikeln in Nr. 10 und 11 gesagt, dass fürlOO Arbeiterfamilien je 12—15000 Frcs. per Familie, also insgesammt lxj^—V/2 Millionen Francs, nothwendig seien, um sie vollständig und rationell zu colonisieren. So weit hat uns Simonson richtig verstanden, dann sagt er aber in Nr. 38 der „Welt" Folgendes: „Soskin (es wundert uns ausserordentlich, dass Herr Dr. Simonson nur Einem von uns die Ehre erwiesen hat, ihm die falsch aufgefassten Ideen zuzuschreiben) will das Capital von europäischen Actionären zusammenbringen, denen er u. s. w. Wir würden Herrn Dr. Simonson dankbar sein, wenn er uns den Passus zeigen wollte, in dem wir derartiges gesagt haben oder aus welchem er eine solche Schlussfolgerung ziehen könnte. Wir haben in dem erwähnten Artikel in Nr. 10 und 11 der „Welt", als wir von verschiedenen Vorschlägen zur vorläufigen Abstellung der Arbeiternoth sprachen, auch einen Vorschlag zur Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten gemacht, indem wir anregten, dass auch Plantagen-Actiengesellschaften gegründet werden mögen, in denen jüdische Arbeiter Beschäftigung fänden und dadurch dem Lande erhalten blieben. Dieser Vorschlag wurde alsdann in Nr. 27 der „Welt" ausführlich begründet, und zwar diesmal nicht mehr bloss vom Standpunkte der Schaffung von Arbeitsgelegenheit für die beschäftigungslosen Arbeiter. Herr Dr. Simonson lese' doch folgenden Passus in Nr. 27 noch einmal: „Jüdisches Capital muss ins Land gebracht werden, jüdische Intelligenz soll ihre Verwendung finden, jüdische Arbeiter sollen ihr Brot er werben und dem Lande erhalten bleiben, das Land selbst soll in den Besitzvonjuden gerathen." Wir glauben, dass dies deutlich genug gesagt ist. Hätte sich Simonson etwas Mühe geben wollen, nur den Artikel in Nr. 27 genau zu lesen, so würde er auch nicht folgenden Satz niedergeschrieben haben : „Soskin will eine erste Plantagen-Actiengesellschaft mit 100.000 Francs gründen, zu der er 500 Dunam (9 ha)*) Land braucht, während er im ersten Aufsatz in Nr. 11 de^Welt"4 400 Dunam schon für eine einzige Colonistenfamilie als nöthig ansetzt." Zugegeben, dass unsere Ausführungen so unklar waren, dass man annehmen konnte, wir schlügen in derThat eine Actiengesellschaft mit 100.000 Francs Capital und 500 Dunam Boden zur Ansiedlung von Arbeitern vor, so müsste Simonson sich doch fragen, da er auf den vermeintlichen Wiederspruch in unseren Artikeln bezüglich des Bodenausmasses für die Actiengesellschaft und für eine einzige Familie hinweist, ob es nicht eine sonderbare Sache sei, dass für eine Colonistenfamilie mit 400 Dunam Boden 12—15.000 Francs, dagegen für eine Actiengesellschaft mit 500 Dunam Boden 100.000, ja gar 200.000 Francs, wie in unserem Artikel in Nr. 27 weiter zu lesen ist, verlangt werden. Es wird doch wohl einleuchten müssen, dass es sich hier um ganz verschiedene Sachen handelt. Wir wollen aber noch den darauffolgenden Simons o n'schen Passus anführen: „Diese Plantage soll die Colonisten — wie viele, ist nicht gesagt — ernähren, es sollen von dem Capital die nöthigen Brunnen, Bassins, Canäle, Wasserhebewerke mit Motor und manches andere eingerichtet" u. s. w. Aber lieber Doctor! Lesen Sie doch „Die Welt" Nr. 27, Seite 1, rechte Colonne, Zeile 14 von unten. Es heisst hier: „Im ersten Arbeitsjahre werden für diese Orangenpflanzung Brunnen, Bassins, Canäle hergerichtet, sowie ein Motor sammt Wasserhebewerk (sei es Pumpe, sei es Noria) zu Bewässerungszwecken angeschafft." Haben wir gesagt, dass Colonisten ernährt werden sollen? Gar seltsam ist Ihr Zusatz in Parenthese : „Wie viele, ist nicht gesagt/ Wenn man fremde Worte citiert, so muss man doch das Blatt vor Augen haben und sich nicht dem Gedächtnisse, das oft trügt, anvertrauen! Wenn man nun nach dieser Berichtigung den ersten Theil der „Colonisationsvorschläge" von Simonson betrachtet, so ist doch klar, dass alle die S i m o n s o n'schen Schlussfolgerungen, dass „die Colonisten in Wirklichkeit stets Taglöhner bleiben", dass das Ergebnis der Gründung eines Netzes von Plantagen-Actien-Gesellschaften, ein Land voll jüdischer Taglöhner, ein Mizrajim in Palästina wäre, völlig wegfallen müssen, da sie von falschen Prämissen ausgehen. Besässe Herr Dr. Simonson die Kenntnis des Landes und der einschlägigen Verhältnisse, so würde er es wohl wissen, dass es in Palästina recht viele Ländereien gibt, die zu einer A c k e r b a u-Colonisation nicht geeignet sind, wohl aber mit Hilfe jüdischen Capitals in ertragreiche Plantagen umgewandelt werden können. Wir hatten eben im Auge „capitalistische Unternehmungen von Leuten, welche in Deutschland (auch anderswo) wohnen und wohnen bleiben wollen und nur das eine Ziel haben, aus den Plantagen, wenn nicht fette, so doch angemessene Dividenden herauszuziehen", wie Simonson die deutschen Colonialgründungen bezeichnet. Allerdings hoifen wir, dass die jüdischen Actionäre der Plantagen-Gesellschaften auch einmal ins Land kommen werden, da unser Land ein. ganz anderes Klima besitzt, als die deutschen Colonien, in denen Deutsche, ausser den Beamten uni Aufsehern, „nur in ganz verschwindender Zahl ihr Brot gefunden" haben. Ja, warum denn? Auch sehen wir nicht ein, dass unsere jüdischen Arbeiter infolge dieser von uns vorgeschlagenen capitalistischen Unternehmen gen ewig „im Dienste ausländischer Capitalisten ohne Hoffnung auf Selbstständigkeit frohnden" werden. Wozu denn die Extreme? Wir werden ganz gewiss darauf bedacht sein müssen, die Arbeiter Theilnehmer dieser Actien-Gesellschaften werden zu lassen, damit auch sie an den Dividenden Antheil haben sollen. Und dann die ganz überflüssige, durch nichts gerechtfertigte Verallgemeinerung, *) Hier ist ein Druckfehler zu berichtigen, den die Redaction in unseren Artikel einschleichen liess. 500 Dunam sind 45ha, nicht aber 9ha (lOODunam). Liess sich Simonson infolge dieses Druckfehlers vielleicht verleiten, für die Productiv-Genossenschaft von 70 Mitgliedern 250-300 ha Boden vorzuschlagen? Diese Zahl ist vollkommen irrationell

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