Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 44 (1.11.1901)
- Article
- Brief aus Capstadt
- Date
- 1901-11-01
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 „Die & Welt" Nr. 44 Salomon, M.Cohen, H. A d 1 e r, S.Johns, Zuckermann und S. Stern. Am 21. berief man ein Meeting in die „Masonic Hall" ein, dem Herr Goidblatt präsidierte. In seiner Eröffnungrede sprach er von der schrecklichen Hungersnoth in Bessarabien und appellierte an das Mitleid der Anwesenden für ihre Brüder. Darin unterstützte ihn wirkungsvoll der nächste Redner Herr S. Stern. Die zustimmende Versammlung entsendete ins Comite des proponierten Vereines die Herren M. Reitschkin, M. L i p m a n n, M. H e y m a n n, M. Haber, M. Hirsch, PL G o 1 d b e r g, Michelsohn, Gerber. Man beschloss, ein Wohlthätigkeits-Concert zu geben. Herr D. Goldblatt und Herr H. Adler gaben dazu die Drucksachen gratis, Herr Schalowski stellte sein Haus 'zu Versammlungszwecken zur Verfügung. Die Anwesenden sammelten sofort 32 Shares. Im erwähnten Hause fanden die Vorbesprechungen statt in Anwesenheit der Delegierten der Vereine „Dorsche Z i o n" und „J ü d. Arbeiterclub*. Das provisorische Comite wurde durch ein definitives ersetzt, bestehend aus: Präses H. G o 1 d b 1 a 11, Schriftführer A. M. Salomon, Cassier M. Hey mann, Beisitzer S. Stern, L. Cohen, J. Mauerberge r. Das Concert fand im grössten Saale Cape Towns statt und gab ein Reinerträgnis von mehr als r>8 Pfund Sterling, circa 700 Gulden, die sofort an das Hilfs- Comite abgeschickt wurden. Die mitwirkenden Künstler gaben ihr Bestes. Wir nennen: Madame H. Waxmann, Herrn Kaplan, Herrn und Frau W a 1 Le r s t e i n und Familie Schwalbe, theils Berufökünstler, theils Dilettanten. Die Juden Cape Towns gaben ein erhebendes Beispiel Werktätiger Brüderlichkeit und giengen nach den klaren Worten ihrer Redner im Bewusstsein nationaler Zusammengehörigkeit vor. S—n. Zum Amsterdamer Brief. Herr Gerhard C. Polak aus Amsterdam ersucht uns um Kichtigstellung folgender Irrthünier, die sieh infolge eines Missverstündnisses in seinem Amsterdamer Briefe ergeben haben: 1) Nicht die reichsten Gemeinden, aber viele und sogar Amsterdam zahlen den jüdischen Lehrern ein »Salär von 300 Fr. nünimum. 2) Wird es nicht vorkommen, dass ein Beamter von seinem Amte wegbleibt,, um eine Predigt zu hören. 3) Ist es nicht richtig, dass alle Oberrabbiner, sondern bloss die meisten Oberrabbiner sich über den Zionismus gar nicht äussern. Dr. J. II. Dünner ist seit längerer Zeit ein warmer Zionist. der sich gar nicht scheut, dies zu betonen, auch wenn er weiss, dass so viele Leute dies nicht gerne hören. Dr. Leuwenstein, der Oberrabbiner in 's dravoihage. ist auch Zionist. Andere Herren sind es vielleicht auch oder nicht, man n«uss errathen, denn sie vermeiden systematisch, sieh über den Zionismus unzweideutig zu äussern. 4) Die Zionisten haben nicht gesagt: Unser Abgeordneter hat für unsere Interessen zu sorgen. Ein Abgeordneter vertritt den ganzen Bezirk und nicht einzelne Gruppen. Vielmehr sagten wir: Unser Abgeordneter hat auch für unsere Interessen zu sorgen. ")) Ist es nicht richtig, dass die einzelnen socialdemocratisehen Gandidaten im dudenviertel durchdringen konnten. Sie konnten ebensowenig wie die anderen ihren Candidateii durchsetzen, daher ihr Aerger. (!) Keinerlei jüdische Blätter haben bei uns sociale Fragen beleuchtet. Das mag vielleicht einmal kommen, aber jetzt machen nur die Zionisten den Versuch dazu. ^Mb(ii)e. Die Lage unserer Pionniere, der jüdischen Arbeiter Palästinas, ist ökonomisch eine sehr kritische, weil die millionenreiche „lea" sie im Stiche lässt. Wenn nirgends, so muss hier jüdische Solidarität helfend eingreifen und den Braven moralische und materielle Stützen schaffen. Es naht jetzt die Zeit der Chanuka- und Makkabäerfeste. Wir schlagen den gesinnungsgenössischen Vereinen vor, einen bedeutenden Theil des Reinerträgnisses ihrer Veranstaltungen nach Palästina zu dirigieren. Gedenket der bedrängten Brüder! Verein „Erez Israel", Stanislau. Jüdische Biälter werden um Abdruck gebeten. * Löbliche Redaction! In Beantwortung des in der Nummer des „Naprzöd" vom 15. d. M. erschienenen Artikels unter dem Titel: „Die Vertheidiger der Finsternis", fassten die Zionisten Krakaus folgende Resolution, um deren Veröffentlichung wir in deren Auftrage bitten : „Die am 18. October 1901 im Vereine „Achdus" versammelten zionistischen Handelsangestellten, Arbeiter und Hochschüler buschliessen, ihre Entrüstung und Verachtung dem Tagblatte der polnischen Socialdemokratie „Naprzöd*4 für dessen unbegründete und gehässige Angriffe auf den Zionismus auszusprechen. Indem dieses Blatt, auf einige, einer Recension des „ Wunderthäters" von Feldmann entnommene Sätze gestützt — die Recension erschien in Nr. 52 des „Wschöd" — die Ansichten des Recensenten mit dem zionistischen Programm identificiert, stellt dasselbe oder besser dessen Redaction die Tendenzen des Zionismus bewusst in einem falschen Lichte dar und thut dies auf eine Weise, die wohl eines Revolverblättchens, aber keinesfalls eines socialistischen Tagblattes würdig ist. Die Versammelten erklären und bringen dies zur Kenntnis des „Naprzöd", dass sie die ihrer würdige Aufgabe einzig und allein in der Arbeit um die ökonomische und intellectuelle Regeneration des jüdischen Volkes erblicken, dass sie die kriecherische Liebedienerei in fremden Parteilagern verwerfen und dass erst dann, wenn die Ebenbürtigkeit und Gleichwertigkeit erkämpft und allgemein anerkannt sein wird-— eine Cooperation der arbeitenden Massen des jüdischen Volkes mit dem Proletariat anderer Völker möglich sein wird." Die Zionisten Krakaus. Krakau, den 22. October 1901. * Unser „Vereinsliederbuch für Jung-Juda" ist soeben in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschienen. Das vornehm und dauerhaft ausgestattete Liederbuch bietet auf circa 112 Seiten fast 100 sangbare Lieder, darunter ungefähr fünfzig jüdischen Inhaltes. Der Kostenpreis für das einzelne Exemplar beträgt vierzig Pfennige, doch gewähren wir Vereinen bei Bostellungen von 50 Exemplaren an und Buchhandlungen 25 Per cent Rabatt. Der Versandt erfolgt nur gegen Voreinsendung des Betrages nebst Porti, bei grösseren Bestellungen aus Deutschland und Oesterreich auch gegen Nachnahme. Probeexemplare werden gratis nicht verschickt. Zu beziehen nur durch den Jüdischen Turnverein „Bar K o c h b au Berlin, Schönhauser Allee 18i>a. # Die unterzeichnete Vereinsleitung des „Achdus" (Verein jüdischer Handelsangestellter und Arbeiter) in Krakau richtete die ergebenste Bitte an alle Freunde und Gesinnungsgenossen, ihre spärliche Vereinsbibliothek, die sie am 1. October eröffnet, durch Bücherspenden verschiedenen, insbesondere jüdischen Inhaltes zu bereichern. Den gütigen Spendern sprechen wir im voraus unseren innigsten Dank aus. Adresse : Verein „Achdus", Krakau, Gertrudygasse 29. Für die Vereinsleitung: Moritz Horowitz, Ephraim Friedner, Obmann-Stellvertreter. Vereinsbibliothekar. Jüdische Kunst. Jüdische Kunstverlags-Uuterneh iiungen. Wie „Hazefirah" meldet ist dieser Tage in Warschau ein jüdischer Kunst- und Musikalien verlag gegründet worden, der sich zur Aufgabe stellt: 1. gute Reproduetioncn von Gemälden und Sculpturen jüdischen Inhalts zu veranstalten und unters Volk zu bringen; 2. jüdische Tondichtungen und syimgogale wie weltliche Volkslieder zu sammeln und herauszugeben; 3. jüdische belletristische Schriften und