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Die Welt · 1901-11-01 · 44 (1.11.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
44 (1.11.1901)
Article
Die Eröffnungsversammlung des französischen Zionistenbundes
Date
1901-11-01
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die # Wem* Nr. 44 Nim ergriff Dr. Nordau das Wort. Mit seiner blitzenden Verve, in einem bilderreichen und glänzenden Stile entwickelt er die Pflichten des Zionisten. „Schwer sind sie, die Pflichten des Zionisten, eine sehr schwierige Aufgabe ist es, die er zu erfüllen hat. Es ist vielleicht unrecht von mir, Ihnen das zu sagen, aber ich befinde mich damit in der Tradition unserer Kasse, deren Geist zu allen Zeiten der Proselytenmaeherei feind war. Das Ziel, das wir verfolgen, wir Zionisten, ist für den Augenblick rein altruistisch, und um es zu erreichen, müssen wir Mittel gebrauchen, die anderen Völkern unbekannt sind. Sic sehen auch hier das Zeichen Israels, dieses Volkes, das einzigartig ist durch seine Vergangenheit und durch seine Gegenwart, durch seine heutigen Beschäftigungen und durch sein Zukunftsziel. Die anderen Völker brauchen sich nur gehen zu lassen, den Ereignisesn freien Lauf zu lassen; für uns hicsse das: Einem sicheren Tode entgegengehen. Das Zuwarten, das laisser faire, haben den anderen Völkern ihre Kraft verliehen; wir aber schöpfen unsere Kraft aus einer ewigen Spannung, aus einem unablässigen Kampfe. Freilich, das erfüllt unser Leben nicht mit Vergnügen, aber es veredelt es und schenkt uns ein bitteres, beissendes und strenges Glück. Einzelne werden uns sagen, es genüge, dass der arme Jude seine jahrhundertealten Traditionen nicht mehr beobachte, dass er anfange, Schweinefleisch zu essen, um von allen Uebeln, an denen er leidet, zu genesen. Aber diese Heilmittel a la Bei nach erscheinen den Zionisten unzulänglich. Wir wollen nichts annehmen, was die anderen uns auferlegen, nicht ewig denNacken beugen unter dieLast, die uns zerschmettert. Wir wollen uns unser Leben selbst machen, zum Trotze der ganzen Welt, uns selbst zum Trotze. Das wird uns das Leben vielleicht noch schwieriger gestalten, aber wir beklagen uns nicht. Wir geben unserem Ziele entgegen. Mit dieser Auffassung seines Ideals hat der Zionist unmittelbare Pflichten zu erfüllen. Er hat vor allem seinen Sehekel zu zahlen, diese freiwillige Steuer, dieses Band, das greifbarer ist, als ein vages und unbestimmtes Gefühl. Und der Schekel, den wir wollen, ist nicht der des Keichen, der ihn uns verächtlich hinwirft, sondern der des Armen, noch feucht vom Schweisse seiner Stirn, ein fruchtbarer Keim, aus dem ein grosses Beginnen spriessen wird. Der Zionist hat auch seine Bank zu erhalten, die unter so vielen Schwierigkeiten geschaffen wurde, für die unsere Millionäre nichts gethan haben, sondern die mit dem Oelde des Volkes gegründet worden ist. Und der gute Zionist hat noch eine dritte Pflicht zu erfüllen, er soll irgendeiner Organisation, irgendeiner zionistischen Gruppe angehören, damit die Thätigkeit eines jeden an dein gemeinsamen Erbe theilhabe. Die anderen "Völker tragen die Lasten des Staates, der ihnen dafür eine gesellschaftliche Organisation gibt; war, wir tragen die schwersten Lasten, aber nichts wird uns dafür gegeben. Der Zionismus gründe daher diese so nothwendige Organisation, er sammle die verstreuten Kräfte, in ein gemeinsames Bündel. Lud diese Organisationsarbeit hat bereits begonnen. In Grossbritannien und in Amerika sind IVderationen gegründet worden : die Organisation Kusslands zählt über 100 000 Mitglieder, die Oesterreichs ist im Begriffe, sich auszugestalten, und die Frankreichs hat sie an diesem Abend eingeladen. Aber es ist an Ihnen, zu bewirken, dass diese Centralisation nicht bloss eine Etikette, nicht bloss eine Faeade sei, sondern dass sie eine wirkliche Kraft werde, die alle Anstrengungen vereinigt und von Thätigkeit überströmt. Vor allem haben wir aber eine grosse sittliche Pflicht zu erfüllen: Wir müssen musterhaft sein, vollkommen in allen Beziehungen. Söhne eines noch nicht anerkannten Volkes, müssen wir auf der Höhe unseres socialen Ideales stehen. Viele Augen sind auf uns gerichtet, seien wir also auf einer solchen Höhe, dass die Welt wisse: sie hat nur zu gewinnen, wenn sie zum Siege unserer Sache beiträgt. Emancipieren wir uns von unserem Golus, werfen wir den Mantel unseres Exils hin, seien wir nicht mehr Sclaven, sondern freie Menschen, und tragen wir unser jüdisches Banner hoch, und die Welt sagte: „So handelt ein Jude, der auf seine Basse stolz ist, ein würdiger Sohn seines Volkes." Euthusiastischer Beifall folgte dieser erhebenden Ansprache. Wir wünschen dem Französischen Zionistenbun.de, er möge durch Thätigkeit, Aufopferung und Solidarität zu der Verwirklichung des grossen Ideals beitragen, das uns Max Nordau gezeigt hat. D. J. Ein zionistischer Wahlsieg. Prossnitz, 23. October 1901. Bei der am 20. d, M. stattgehabten Neuwahl in die Cultusvertretung der Pro?snitzer Gemeinde wurde beinahe einstimmig bei sehr reger Wahlbetheiligung, die von mehreren Vertrauensmännern im Einvernehmen mit dem gewesenen Gultusvorsteher und dem hiesigen „Zion" aufgestellte Candidatenliste gewählt, darunter die auf das zionistische Programm neugewählten Herren Eduard Blau und Salomon S t e c k 1 e r. Im hiesigen Cultusausschuss sitzen jetzt fünf Schekelzahler. Beiträge zur Kenntnis Palästinas. (Mittheilungen des „Agronomisch-culturtechnischen Bureaus für Palästina4'.) (Fortsetzung.) Dieser sanfee Hügelabhang führt uns in eine reiche Ebene, die unter dem Namen Wadi Arah in der ganzen Gegend einen guten Ruf geniesst. Dieses Renommee hat auch seine volle Berechtigung. Die Ebene, die der Länge -nach sich von Ost nach West hinzieht, ist nicht gross; sie enthält nicht mehr als ^00—300 ha. Durch den Wadi wird sie zwar drainiert, manchmal aber wohl auch überschwemmt. Die Regenwässer bringen dem Wadi Arah alle Blätter und Gräser mit, die sie von den im Norden und Süden die Ebene umschliessenden Bergen wegschwemmen. Die Fruchtbarkeit der Eb?ne wird also durch die Menge von organischen Fäulnisstoffen unterhalten, die ihr die Natur jährlich zur Verfügung stellt. Als wir vorbeiritten, trug sie Sesam. Das nächste Jahr wird dem Sesam Weizen nachfolgen, und diese Fruchtfolge wird bis ins Unendliche immer wiederholt Der Sesam ist hier sehr schön entwickelt, er weist eine Tendenz zur Zweigbildung auf, während er in ärmerem Boden nur einen einzigen Stengel bildet. Es war gewiss eines der schönsten Sesamfelder, die wir in dieser Saison zu sehen bekamen. Es blieb uns aber vorbehalten, im späteren Verlaufe unserer Reise noch schönere zu sehen. Es ist zwar ein Glück für die jungen, in Bildung begriffenen Bäume des Waldes, dass die Gegend nicht bewohnt ist, für uns war es aber lange kein Glück. Man sieht niemand, den man über den Weg ausfragen könnte, die Gegend ist wie ausgestorben. Schliesslich bleiben wir in Verlegenheit stehen, da wir einige Pfade vor uns haben. Links in der Ferne, nach Osten zu, sehen wir das Dorf Ararah, es liegt aber zu weit abseits von unserem Wege. Etwas näher rechts lassen sich von weitem weisse Gebäude erkennen, die einen ziemlich einladenden Eindruck machen, obwohl sie einen ominösen Namen tragen. Es ist nämlich der Khan-is-Sibdan, wss im Deutschen etwa einer „Unheil verkündenden Herberge" gleichkommt. Um aber dahin zu gelangen, müssen wir einen Umweg von einer guten Viertelstunde machen. Wir vertrauen also auf unseren guten Stern und verfolgen den erstbesten Pfad, der nach Vergl. Nr. 41, 4-2 und 43 der „Welt/'

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