Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Article
- Zweierlei Juden
- Date
- 1901-10-25
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die $ Welt" Nr. 43 ,,Eine ganze Litanei. Und Ihr Sohn ist Maler?" .„Natürlich, und dazu ein bedeutender, ein berühmter. Was steht den» über ihm?" ..Da, lesen Sie5 eine lange Geschichte. Er hat für sein Altarbild ...Miiriä IIinmielfahrt" den ersten Preis erhalten, das Donieapit.el aber, welches den ( oncurs ausgeschrieben hat, erklärt, ihm den Preis nicht auszufolgen. Sie haben nicht gewusst, dass der .Maler des Hildes Jude4 sei. und sie vollen die neue Kirche nicht durch ein von einem Juden gemaltes Hüd entweihen lassen. .Darüber herrseht in der Kiinstlergenossenschaft grosse Aufregung und Entrüstung. Heute vormittags hat eine Versammlung stattgefunden, in welcher gegen das Hineinzerren der Kunst in den Confessionalismus energisch protestiert wurde. Hier haben Sie das Abendblatt, lesen Sic» selbst." Kosensteiii grill' hastig nach der Zeitung und vertiefte sich in den Artikel über seineu Sohn. Da stand es wörtlich: Er gewann den eisten Preis und nun wollte man ihm das Geld vorenthalten., bloss aus dem Grunde, weil er Jude war. Kr war mit der Leetüre zu Ende, doch immer noch starrte er auf die Buchstaben, dann, nach einer Weile, machte er sich wieder an die Arbeit. Aber sie gieng ihm nicht vonstatten. Er las die Briefe, doch seine Gedanken weilten bei seinem Sohne, der der Stolz, die Freude, die Hoffnung'seines Lebens war. .Mühsam raffle er sich auf. um die Post zu erledigen, dann griff er nach seinem Hute und eilte davon. Er musste seinen Sohn aufsuchen, der jetzt sicherlich des Trostes bedurfte. Das war seit wenigen Tagen das zweite unangenehme Ereignis, das ihm begegnete, deshalb auch zeigte er sich so nervös, so missmuthig. Die Mutter musste ihm zureden: auf die horchte er in allen Stücken, und wenn sie ihn beruhigte, gewann er auch seinen Muth wieder. Jetzt war es sieben Uhr. Um acht kam er zum Abendessen. Da brauchte er sich eigentlich nicht zu beeilen, er fand ihn ja ohnedies noch nicht daheim. Sein Atelier hat er um diese Zeit bereits verlassen, und nun sitzt er wie gewöhnlich mit einigen Freunden im Cafe Pal mengarten. Kosenstein beschloss, ihn dort aufzusuchen, um dann gemeinsam mit ihm heimzukehren. Als er vor dem Cafe anlangte, bemerkte er seinen Sohn sofort. Er sass mit zwei Freunden unter dem Leinendache vor dem Locale. Rosenstein beschloss, ihn nicht zu stören, sondern zu warten, bis er das Cafe verlassen werde. Er liess sich an einem Tischchen nieder, und da er hinter dem Kücken seines Sohnes sass, bemerkte ihn dieser nicht und redete weiter auf seine zwei Freunde ein. (Fortsetzung folgt.) Mittheilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien? II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920.) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. A m 19. October 1901 standen in Vormerkung: I. Classe: Manuelle Arbeiter. I Aufpapper. — 1 Bildhauer — 1 Bürstenbinder. — 5 Buchbinder — 5 Buchdrucker. — 6 Bureaudiener. — 2 Drechsler. — 2 Elektromonteure. — 5 Fleischhauer und Selcher. — 3 Friseure. — 23 Geschäftsdiener. — 3 Gold- und Silberarbeiter. — 3 Hausknechte und Hausbesorger. — 4 Installateure. — 4 Maschinisten und Heizer. — 33 Hilfsarbeiter. — 2 Hutmacher. — 1 Kappenmacher. — 8 Kellner. — 4Kutscher. — 8 Laufburschen u. Lehrlinge. — 1 Lithograph. — 5 Magazineure. — 2 Mechaniker. — i Metalldreher und Drucker. — 2 Photographen. — 24 Schlosser für Bau und Maschinen. — 1 Kupferschmied. — 12 Schneider. — 4 Schriftsetzer. — 2 Schuhmacher. —8 Spengler. — 2 Taschner und Sattler. — 10 Tischler. — 1 Uhrmacher. — 5 Zeichner für Bau und Construction. — 2 Zimmermaler. — 2 Zuckerbäcker« II. Classe : Kaufmännische Angestellte. G Brantweinveivchleisser. — 18 Buchhalter und Correspondenten. —~>5 Commis diverser Branchen. — 25 Comptoiristen und Strazzisten. — 14 Incassanfcen. —3 Kanzlisten und Schreiber. — 4 Manipulanten und Expedienten. — 10 Praktikanten. — 8 Reisende. Platzvertreter und Agenten. Weibliche Abtheilung. II Boimen und Kindergärtnerinnen. — 78 Cornptoiristinnpn. — 10 Expedientinnen und Manipulantinnen. — 1 Hilfsarbeiterin. — 2 Kanziistinnen und Stenographinnen. — 3 Cassafräuleins. — 1 Kindermädchen. — 1 Köchin. — 1 Maschinnäherin. — 25 Praktikantinnen. — 11 Schneiderinnen. — 34 Verkäuferinnen und Verschleisserinnen. — 2 Wache-Ausbesserinnen. — 10 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Classe: Geistige Arbeit. 40 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasial- und Realschüler unterrichten). 6 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Das Bureau des Vereines hat seit seiner Eröffnung im November 1899 bis inclusive 19. October 1901 2891 Vermittlungen durchgeführt, und zwar: 1231 Vermitthingen in der L Classe (manuelle Arbeiter) 720 „ „ „ IL „ (Handelsangestellte) 868 „ „ „ weiblichen Abtheilung 72 „ „ „ III. Classe (geistige Arbeit). Mittheilungen des österreichischen Landes-Comites „Verband Zionu. Folgende Tage sind für unsere Sitzungen bestimmt: October 29. November 14. und 2G. Dec einher 10. „ 19. 1902. Januar 7. und 21. Februar 4. „ 18. März 11. „ 24. An diesen Tagen sind die Mitglieder der Leitung von 7 Uhr abends an im Congress-Bureau, IX., Türkenstrasse 9, zu sprechen. Ebendahin sind alle Zuschriften an das Landes-Gomite oder den Verband „ Z i o n" zu richten. DasLandes-Comite hatalle für Oesterreich wichtigen Fragen des Programme s, der Organisation, Agitation und Presse zur Behandlung übernommen. Gründet Los- und Sparvereine! Gründet Spar- und Vorschusscassen! Gründet Bildungsheime! Gründet Turnvereine! Gründet Gesangsvereine! Gründet Mädchen- und Frauenvereine! Musters'aluten versendet der Verband ,.Zionö Briefkasten. Verein „Zion" in Zaloszce: Jüdische Volkslieder von VV a r s c h a w s k y (Text und Musik), zu beziehen durch „Achiasaf" in Warschau. Einacter kennen wir nicht. S. L. in Hannover: 1. Darüber haben Sie in voriger Nummer Auskunft gefunden. 2. Ja; voraussichtlich Montag, o. Dem Congresse als Gast gegen Gastkarte, die das Bureau ausfolgt; den Landsmannschafts-Sitzungen nur als Delegierter. K. Oppl: Leider ungeeignet. G. H., phil. in Wien: Leider nicht geeignet. M. G.: Zeigt entschieden Begabung, ist aber noch nicht völlig ausgereift Dr. Alien in Hamburg : Besten Dank. M. R. in Berlin : Nicht Jude, aber jüdischer Abstammurg. Darüber nächstens im Cyklus „Europäer" von Quaerens. »**W'^<ff»»^*A^*»^^W^*%>***i^*M^ Israel. Lehr- und Erziehungs-Institut (Real- und Handelsschule) Pfungstadt bei Darmstadt Gegründet 1857. Aufnahme von Knaben im Alter von 8—15 Jahren. Gewissenhafte religiöse Erziehung, gründliche wissenschaftliche Ausbildung und sorgfältige Verpflegung. Vorzügliche Referenzen über günstige Erfolge. Näheres durch Director Dr. Barnass.