Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Article
- Wien
- Date
- 1901-10-25
- Page
- 13 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 43 Die $l Welt'4 Seite 13 Wien. (Jüdische Vereinigung „Jordani a\) Zuschriften in Angelegenheiten der „Jordania" sind zu richten an Collegen Emanuel K o h n, I Schriftführer, Wien, Xyill^ Kreutzgasse 39. Wien. (Akademische Verbindung „Libanonia", Wien.) Das Resultat der für das XV. Semester stattgehabten Chargenwahl ergab : cand. mech. Emerich L ö v y Xehem. J. Feinmann XX? cand. ing. Alfred Buchbinder XXX Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeite r- Verein.) In unserem Vereine hat sich eine Vergnügungs- Section gebildet, der College Richard M a rkb r e it vorsteht und die sich gedeihlich zu entwickeln verspricht. Wir ersuchen diejenigen Herren und Damen, die eventuell in dieser Richtung mitwirken möchten, zu den Proben, welche an jedem Sonntag-Nachmittag und Dienstag-Abend abgehalten werden, zu erscheinen. Die Bibliothek und Lesehalle ist bereits eröffnet und werden Mitgliedern Bücher geborgt. Wir bitten die Gesinnungsgenossen um Bücherspenden und sind gerne bereit, solche gegen Bestätigung abholen zu lassen. Selbstverständlich werden wir auch die Namen der gütigen Spender veröffentlichen. — e. Prerau. Der rührige Verein jüdischer Mädchen „Mirjam" veranstaltete am 6. d. M. anlässlich des Simchath Thora- Festes ein grossangelegtes Kinderfest. Es ist mit besonderer Genugthuung zu constatieren, dass auch diese, wie alle anderen von der „Mirjam" unternommenen Veranstaltungen, einen glänzenden Verlauf nahm. Nach der BegrüsMing der Gäste durch die Präsidentin der „Mirjam", Fräulein Emma Furcht, ertheilte diese Sr. Ehrwürdea Herrn Rabbiner Dr. Tauber das Wort, der in innigen Worten den Kindern die Bedeutung des Laubhütten- und Simchath Thora-Festes entwickelte. Hierauf wurde die Jause eingenommen, wonach Fräulein Stefanie Po Hak ein sinniges jüdisches Märchen vorlas und einige der Kinder Gedichtchen zum Vortrage brachten. Den Höhepunkt erreichte das Fest durch die effectvolle Inscenierung eines lebenden Bildes, „Schneewittchen und die sieben Zwerge* darstellend, welches lebhafte» Beifall erweckte. Besonders erwähnenswert ist auch die Spende des Herrn Leopold Brach aus Olmütz, der der „Mirjam" 30 Kronen widmete. Zum Schlüsse wurde jedes der Kinder mit einem kleinen Geschenk bedacht. M. Prag. Die zionistischen Vereine Prags veranstalteten am 19. d. M. zugunsten der Errichtung einer Koch- und Haushaltungsschule einen zahlreich besuchten Recitations- Abend, bei welchem der Schriftsteller Herr Y o r lc- Steiner aus Wien zwei seiner Novellen, und zwar „Marhulka" und „Was soll er werden?" vortrug. Wer das V ergnügen hatte, Herrn York- Steiner vortragen zu hören, wird wissen, dass er zu Herzen zu sprechen versteht. Beiden Skizzen sind aus dem jüdischen Leben gegriffen und veranschaulichen einerseits die physische Judennoth, andererseits den Verfall des jüdischen Selbstbewußtseins. Besonders die letztere Skizze griff den Zuhörern tief ins Herz, wir sahen Thränen glänzen. Bei einem gemüthiiehen Beisammenbleiben, welches nach dem Vortrage stattfand, fanden viele Gesinnungsgenossen Gelegenheit, dem geehrten Gaste Dank und Verehrung auszusprechen. Noch einer charakteristischen Thatsache möge hier gedacht werden. Es wurden Karten an alle Vereine aasgesandt, darunter, wie es der Takt gebietet, auch an die Cultusgemeinde- Repräsentanz. Und siehe, diese allein, mit Herrn Dr. .Rosenbacher an der Spitze, war es, die sie retournierte — ein neuer Beitrag zur Psychologie der jüdischen Gemeindestuben. Um das Gelingen des Abends hat sich unser arbeitssamstes Mitglied Herr Karl Rezek die grössten Verdienste erworben, dessen Lieblingsidee, die Gründung einer jüdischen Koch- und Haushaltungsschule, dieser Abend ausserordentlich gefördert hatte. L. Prag. („B ar Kochba", Verein jüdischer Hochschüler.) Das Resultat der in der am 13. October stattgefundenen ausserordentlichen Generalversammlung vorgenommenen Wahlen ist folgendes: Obmann: MUC. Rudolf W ohryzek. Obmann-Stellv^rireter: jur. Emst Gütig. I. Schriftführer: med. Alfred Capek. IL Schriftführer: jur. Hugo Low. Cassier: med. Josef Kolin. Bibliothekar: phil. Hugo Bergmann. Oekonom: jur. Ferdinand K o b 1 e r. Brünn. (Jüdisch-academische Verbindung „Ve r i t a s") Bei der am 21. d.M. stattgefun denen Chargiertenwahl wurden gewählt: iur. Otto A b e 1 e s, Präses; ing. Heinrich Baumgarten, Vicepräses; ing. Albert Hofmann, Schriftführer. Stanislau. Jüdische Studentenverbindung „Bar-Kochb a".) Das Ergebnis der im Generalconvente am 26. September d. J. für das VIII. (Winter-) Semester vorgenommenen Neuwahlen ist folgendes: jur. Nathan Kau er, Präses: jur. Josef H.Mayer, Vicepräses; jur. Jakob Zaslawaki, Schriftführer. Lemberg. Die Chargen wählen für das Wintersemester 1901 in der Vereinigung jüdisch - nationaler Studenten „Emunah" fielen folgendermassen aus: jur. Jakob Tho n Xmed. Moritz Penzias XX Jur. David Hescheles XXX- Bohorodczany. Am 21. September 1. J. hielt unser Mitglied Herr Low, Lehrer an der hiesigen Stiftungsschule, in unserem Vereine „Esrath Israel" einen Vortrag über Unsere gegenwärtige Lage und die Nothwendigkeit des Zionismus", und sei ihm für seine überzeugenden Worte hiermit herzlich gedankt. Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) V. Wenn Archiba kl Tulpenthal in seiner Familie oder in der Gesellschaft Unangenehmes widerfuhr, so war es stets Rosenstein, den er seinen Zorn fühlen Hess. Das geschah auch diesmal. Im Vertrauen auf das verwandtschaftliche Band, das ihn mit dem Grafen Brandt verknüpfen sollte, wollte er in den adeligen Club aufgenommen werden. Heute aber war sein Gesuch zurückgelangt, und zwar ohne jede Bemerkung; es war einfach durchstrichen. Die Form, in der er zurückgewiesen wurde, war eine verletzende, doch Tulpenthal sah darin bloss die Rancune einiger weniger starrsinniger Aristokraten, welche die Mehrheit terrorisiert hatten. Die meisten wünschten sicherlich, dass er unter ihnen lehe. Weshalb nicht? Er war adelig: Ritter von Tulpenthal; er galt für einen der reichsten Männer der Hauptstadt, hesass einen gräflichen Schwiegersohn und sollte demnächst noch einen solchen erhalten; zu seinen Festen lud er zumeist bloss Aristokraten und fuhr in einer Maileoach zu den Wettrennen: wie durfte man ihn demnach zurückweisen? Das war nichts als der Neid einiger hoffärtiger Hungerleider. In ähnlicher Weise legte es sich Tulpenthal stets zurecht, wenn er von der Aristokratie einen Faustselilag erhielt. So klug er sonst war, er machte niemals sich für d\e Zurückweisungen verantwortlich, die er erfuhr, er wollte niemals einsehen, dass er der exelnsiven Gesellschaft bloss der reiche dude und nicht der vornehme Mann war. der zu sein er sich einbildete. Und an dieser Ansicht hielt er fest, trotz der zahllosen Demüthigungen, die er im Laufe der Jahre erfahren hatte. Er lud fünfzig Aristokraten zu einem Feste, und es kamen nicht mehr als zwei. Ein andermal lud er wieder fünfzig, und es kamen achtzig, um dreissig mehr, als gerufen worden waren. »Sie machten sich über den reichen Juden einfach lustig und kamen in sein Haus, als ob sie in eine Singspielhalle gierigen. Seine Frau brachte selbstverständlich kein einziger mit sieh, dagegen trieben sie allerlei Allotria, schlössen die elektrische Beleuchtung, holten aus der Küche die weiblichen Bediensteten zum Tanze und tränkten die Schosshunde der Hausfrau mit Champagner, dass sie mit tollem Geklälfe durch das ganze Haus liefen. Und in alldem sah Tulpenthal nicht den rücksichtslosen Spott, mit welchem die Aristokraten den in ihren Kreis sich drängenden reichen Juden überhäuften. Das waren unschuldige Scherze, die Eifersüchteleien oder Bosheiten Einzelner, und bei der nächsten Gelegenheit wollte er abermals bloss Aristokraten und keine Juden bei sich sehen. Er lieh einem Fürsten zu hilligen Zinsen Geld, nur um auf der Strasse hie und da so thun zu können, als ob er mit ihm auf vertrautem Fasse stünde. Aber der Fürst nahm seinen Gruss kaum entgegen, und als er sich einmal an ihn herandrängte und ihn beim Rockknopf festhieft, um vor seinen Bekannten mit der noblen Bekanntschaft zu prunken, da hatte der Fürst den Griff seines Stockes etwas unsanft auf seine Finger fallen lassen, so dass er den Knopf eiligst fahren liess. Selbst bei "seinem jüngsten Feste, das dem Grafen Brandt zu Ehren veranstaltet wurde, war es nicht glatt hergegangen. Baron Sommerberg hatte einen Plan ausgeheckt, um den reichen Juden zu plündern, aber nächstens wird es Tulpenthal trotzdem abermals versuchen, sich an die Aristokratie heranzudrängen, denn immerfort sucht er seine Glaubensgenossen von einem höheren Piedestal herab zu verachten. Die jüngste Zurücksetzung liess er abermals Rosenstein entgelten. Erst war er anzüglich geworden, dann grob, bis Rosonstein schliesslich die Geduld verlor und ihm Dinge zu hören gab, die ihn anfänglich aus dem Häuschen brachten, endlich aber verstummen machten. Nun war Ruhe eingetreten. Rosenstein las eine Anzahl Briefe und unterfertigte sie, und Tulpenthal sass im Schaukelstuhl zurückgelehnt und durchflog das Abendblatt. Plötzlich wendete er den Kopf. „Sie, Rosensteiii."' sagte er, „wer ist Paul Rosenstein? Vielleicht ein Verwandter von Ihnen?" „Ein Verwandter? Paul Rosenstein ist mein Sohn! Steht etwas über ihn in der Zeitung?*'