Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Article
- An Miriam
- Date
- 1901-10-25
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 ,Dfe & Welt" Nr. 43 Wir gleichen nicht mit unseren Traumen den schweren Geistern, die an den Bodensatz des Lebens rühren müssen und nun in der ttrhönheit ihrer Träume erst ein erträgliches Dasein finden können. -Aus ihrer Einsamkeit flammen ihre beseligenden Träume auf. Jene können wie unstete Gäste an keinem Orte und in keinem Hanse wahrhaft heimisch werden. Hreit und plump wie ein Götzenbild sitzt ihr .,Jchk* auf seinem Postamente und vermag nur von sieh zu träumen, was seiner Eitelkeit die Säfte zufliessen lässt. Ausgeschlossen sind sie von all den reichen Belohnungen (er Knien mühen, von den Ei ntef reuden. die der Gedanke an geliebte \W>en gewährt. Wir aber schweben in sehlichten Träumen von Grösse und brauchen nicht anders zu fühlen als die .Männer, die vor ihre« Hütten, in ihren Weingärtchen mit Weib und Kindern den Sonimerabeud anlächeln. Dass wir so selig sind, o Miriam! Von unserer westlichen Volksbildungsbewegung. i. Wochen-Programm der Toynbee-Halle. XX., Karajangasse 20. Sonntag den 27. October: Concert, Musik, Gesang. M ontag den 28. October: Dr. J. S a d ger: Cyklus „Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften". Dienstag den 29. October: Dr. Leopold Kahn: .„Meine Erlebnisse in Spanien". Mittwoch den 30. October: Moriz Zobel: „Hebräische Novellen". Donnerstag den 31. October: Dr. Heinz K o hn: Cyklus „lieber Schuld und Strafe". Freitag den 1. November: Dr. Grüll: Bibel, Erklärung der Sedra. Samstag den 2. November: Concert, Musik, Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen wolle man richten an : Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvocat, Wien. Vif. Lindengasse 11. * Coiiccrlahciifl in der Toipibrr-ffftf/c. Sonntag, den 20. October l!M.)l. Eröffnet wiuxli1 der Abend durch das „Frühliiigslied" von (lonnod von Krau Sophie Deutsch meisterhaft auf dem Klavier vorgetragen. Hierauf sang Herr Huf- und (ieriehts-Advoeat Dr. Alfred Krruncr mit ausdrucksvoller Xuanoierung und prächtigem Tenor das Lied ...Am Meer" von Selmbert. Herr Fritz Tcdesco bot einen vollendeten Kunstgennss durch seinen Viulinvortrag einer .,.\ir aus dem < Joldman-( 'onccif*. Herr Ernst Tcdesco spielte die neiceiisc" von (kxlard zart pointiert und sicher auf dem (Vllo. Mit feiner Knipfindnng begleitete Frau Tcdcsco ihre Söhne am Klavier. Hierauf folgte die letzte Nummer des Coneertes: this Klagelied Kleazars aus der Jüdin" von Halevy, welches Herr Dr. I\ runter unter stürmischem Heifall vortrug. R. F. * IL Die Arbeiterbildungscruse der jüd.-akad. Verbindung „Zephirah". Wie im Vorjahre, so hat auch heuer die jüd.-akad. Verbindung „Zephirah" in Czernowitz die Errichtung von jüdischen Arbeiterbiidungscursen beschlossen. Die für den Anfang so erstaunliche Zahl von 300 Arbeitern, die sich zu diesem Curse angemeldet haben, sind ein Beweis für das Bedürfnis der jüdischen Arbeiterschaft nach Fortbildung. Dies überhebt uns jeder theoretischen Begründung der Notwendigkeit dieser Curse. Die jüd.-akad. Verbindung „Zephirah" ist in der glücklichen Lage, auf Grund der gewonnenen vorjährigen Erfahrungen wichtige Eeformen in der Organisation der Arbeiterbildungscurse und ihres Lehrplanes vorzunehmen, damit einerseits besserer Besuch, andererseits bessere Resultate erzielt werden. Es hat uns tief geschmerzt, dass von den 300 eingeschriebenen Arbeitern Raummangels halber nur 180 am Unterrichte theilgenommen, umsomehr als unter den Abgewiesenen die Analphabeten die grösste Anzahl ausgemacht haben. Es werden infolge dessen jetzt, vorausgesetzt, dass genügende Lehrsäle uns zur Verfügung stehen, fünf Curse, darunter drei für Analphabeten errichtet; auch der Lehrplan erfahrt auf Grund der erworbenen Erfahrungen wesentliche Verbesserungen. Dem jüdischen Arbeiter wird nach seiner Geistesreife Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, in Correspondenztührung und jüdischer Geschichte sowie in den Grundzügen der Volkswirtschaftslehre und der neueren Verfassungsgeschichte geboten werden. Die nöthigen Lehrbücher und Schreibmaterialien werden aus unseren eigenen Mitteln beigestellt Voraussichtlich dürften die Curse am 1. November d. J. eröffnet werden und wird schon in der nächsten Zeit eine Arbeiterversammlung zum Zwecke der Darlegung des Lehrplanes abgehalten werden. Dem israelitischen Cultusvorstande in CzerL owitz sei hiermit in unserem, wie im Namen der jüdischen Arbeiter der Dank ausgesprochen für die thatkräftige Förderung unseres Unternehmens im vorigen Jahre, ohne die die Curse nicht hätten eingerichtet werden können. Hoffen wir, dass die Aermsten unserer Brüder auch künftighin der einmal genossenen Förderung theilhaftig bleiben. Czernowitz, im October 1901. Im Auftrage der jüd.-akad. Verbindung „Zephirah": cand. jur. Berl Kinzbrunner, dz. Ferial-Präses. fSus dei) \)ei*eiiKt>- Berichte. Hie??. (Der A 11 g. J ü d. Arbeiterverein) feierte das Simchas Thorafest im .Restaurant Khttn und hatte zahlreiche Gäste. Dieselben wurden vom Obmann Gg. Gross begrüsst, der auch die nationale Seite der Feier hervorhob. Dr. Benedikt hielt einen Vortrag: Assimilatiousblüten. Jugenderziehung, Schule und Haus fanden an ihm einen ironisierenden Kritiker, der reichen Beifall fand. Der gemüthliche Theil wurde von Collegen Markbreit geleitet. College Hans Stock erhielt für seine Violinvorträge verdienten Beifall, ebenso College Marktbreit für seine humoristischen Vorträge. Letzterer arrangierte auch eine humoristische Scene: ..Schall und Hauch*', die er und die Collegen Hammer, Klinge]-, Körpner und Grünhut unter grossem Applaus aufführten. Es war ein sehr gelungener Abend. Der Verein bekam viele neue Mitglieder. " Be. Wien. (Literarischer Gesell igkeitsve rain jüdischer Mädchen „M o r i a".) Sonntag den ß. d. M. fand im literarischen Geselligkeitsvereine jüdischer Mädchen „Moria" eine Vollversammlung statt, bei welcher die Ergänzungswahlen in den Ausschuss vorgenommen und das Programm für das am 30.November stattfindende Gründungsfest festgesetzt wurde. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Mori au.) Sonntag den 13. d. M. hatten sich v ereinsmitglieder und Gäste zum Vortrage des Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Jakob Kohn in ausserord entlich grosser Zahl eingefunden. Das Thema „D i e sociale Stellung der Frau" und die Art des Vortrages regten die Erschienenen so sehr an, dass die lebhafte Discussion nach einstündiger Dauer behufs Erledigung von Vereinsangelegenheiten abgebrochen werden musste. Referent gelangte nach eingehender Untersuchung der derzeitigen Stellung der Frau in socialer und sittlicher Beziehung zu dem Schlüsse, dass die Frau im allgemeinen und die jüdische Frau im besonderen die Kräftigung der idealistischen Richtung und Bekämpfung der rationalistischen Denkungsart in ihrem eigensten Interesse sich zur Aufgabe raachen sollte, weil ihre Stellung in der Familie das Festhalten an der idealen Lebensanschauung zur nothwendigen Voraussetzung hat. Speciell die jüdische Frau muss auch noch aus anderen Gründen die rationalistische Richtung im Judenthum, nämlich die Assimilation, bekämpfen und die national-idealistische Bewegung fördern, weil mit dem Aufgeben jüdischer Tradition in erster Reihe der traditionelle jüdische Familiensinn verloren geht, ein Umstand, dessen traurige Consequenzen vor allem die jüdische Frau und Mutter zu spüren bekommt. Der fast einstündige Vortrag des Herrn Dr. Jakob Kohn fand ungetheilten lebhaften Beifall. Wien. (Einzelverein „Pünfhaus" des Verbandes „Zion".) Am 10. & M. veranstalteten wir im Saale des Hotels „Goldenes Kreuz", Mariahilferstr&sse, ein äusserst animiertes Simchath Thora-Kränzchen, das sich trotz des denkbar schlechtesten Wetters überaus zahlreichen Besuches erfreute. Des rührigen Comites, an dessen Spitze Herr P i c k stand, sowie der aufopfernden Thätigkeit der Herren Hönigschmied und N e u f e 1 d sei mit dankbarer Anerkennung gedacht.