Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 43 (25.10.1901)
- Article
- Beiträge zur Kenntnis Palästinas
- Date
- 1901-10-25
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 43 „Die # Wett" Seite 3 Charakter, nur findet man immer seltener ßaumgruppen. Der Charakter des Bodens verändert sich aber vollständig. Die Hügel sind nicht mehr so abschüssig und auch nicht mit so grossen mächtigen Felsblöcken überdeckt, wie wir sie bei Sindianeh vorgefunden hatten und die auch in der Umgebung von Zichron-Jacob sich sehen lassen. Hier sind die Hügel mehr gewellt, die Gipfel abgerundet, die Abhänge sehr sanft. Der Boden ist durch eine Krume von nur 0.20—0.50 m charakterisiert, der Splitter eines gelblichen dolomitischen Gesteins beigemengt sind. Der Untergrund ist durch ein Lager von Dolomitfelsen gebildet, der weissgelblich gefärbt und weniger bröckelig ist, als die zuerst gekennzeichneten Kalksplitter. Dieses Dolomitlager kommt zum Vorschein in den Thälern, wo die Sturzbäche die vegetaie Schicht weggeschwemmt haben; es hat verschieden gerichtete Neigungen. Dieser Boden wird von den Arabern mit dem Namen „Roha" bezeichnet. Da das Rohagebiet sich auf den Ausläufern des Karmel hinzieht, beginnend mit Um-el-Zeinath, Kir eh, sich nach Süden über Daliet il Roha, Sub barin, Hirbet Hassan, östlich von Um-el-Djemal und schliesslich bis nach Kanir hinstreckend, so gab man dieser ganzen Region den Namen von „Blad Roha", d. h. Rohadörfer, Rohagebiet. Alle diese Hügel werden bebaut und geben in den seLtenen segensreichen Jahren ausreichende Erträge, während in denselben Jahren die Landstriche in den Ebenen infolge von Ueberschwemmungen und Ueberschuss an Wasser nur schwache Ernten liefern. Wir kommen nach Kefr Kar ah oder Kefr 'Ar ah an, einem Dorfe, welches durch einen Wadi, einen Sturzbach, der im Sommer trocken ist, in zwei Theile getheilt ist. Die Einwohner dieses Dorfes zeichnen sich durch ihre Streitsucht aus, sie sind in ewige Händel mit ihren Nachbarn verwickelt. Eine alte, noch nicht gerächte Vendetta verursacht von Zeit zu Zeit blutige Ueberfälle von Seiten der Einwohner von Kefr 'Arah, Wadi Arah und Ararah, die schon seit vielen Jahren in stetem Streite miteinander leben. Einige Schritte vom Dorfe entfernt, überraschen wir einen Haufen von Bengeln, die im Begriffe sind, eine Cactushecke zu verheeren, um sich ihrer Früchte zu bemächtigen, die schon reif und zu dieser Zeit (Ende Juni) noch als Primeur-Delicatesse zu betrachten sind. Mit der Ungeniertheit, die bei den Eropäern als Unverschämtheit gelten würde, bei den gastfreundlichen Arabern aber zum besten Ton gehört, laden wir uns selber zum Festmahl ein, indem wir den Jungen zurufen, dass sie uns einige schöne Früchte aussuchen sollen. Sofort bieten sie uns ihre noch spärliche Ernte an. Um sie zu erlangen, bekommen sie nicht wenige Nadelstiche. Die Früchte des Cactus zeichnen sich nicht durch einen sehr feinen Geschmack aus. Jedoch thun wir uns an einigen „Sabr" (Cactusfrüchte) gütlich. Immerhin ist's eine Erfrischung, besonders angesichts der Hitze, die sich nun recht unangenehm fühlbar macht. Die Buben verlassend, geben wir ihnen — welche Freigebigkeit! — einen Metalik, d. i. circa 0-06 Francs. Sie bedanken sich sehr. Würden sie wohl nun dasselbe nach wenigen Minuten thun, wenn sie zur traurigen, durch gegenseitige Faustschläge verstärkten Uebeizeugung kommen werden, dass sich ein Metalik schwer in gleiche Theile theilen lässt? Von Kefr 'Arah geht es nun immer in südlicher Richtung nach Kaffir. Wir steigen einen sehr sanften Abhang herab, einen Hügel, der fast völlig frei von Steinen ist. Beinahe eine halbe Stunde durchreiten wir einen jungen, in Bildung begriffenen Eichenwald. Vielleicht ist es ein alter, sich reconstituierender Wald. Wir ziehen es aber vor, bei der ersten Ansicht zu bleiben; umsomehr als sich die Bildung eines jungen Waldes in dieser Gegend ziemlich leicht erklären lässt. Die Aecker befinden sich unten im Thale, die Bauern wohnen im Gebirge gegen Osten zu. Die Gegend besitzt keine ständige Bevölkerung. Man kommt nur, um das Feld zu bestellen und dann um die Ernte einzuheimsen. In der nahen Umgebung gibt es auch kein Centrum für den Holzverbrauch, weder eine jüdische Colonie, noch eine Stadt. Der ziemlich ärmliche Boden überzieht sich mit einer so üppigen Vegetation, wie die fruchtbaren Vertiefungen zwischen den Steinen der von uns früher durchreisten Hügel und Berge. Die Ziegen würden also sehr wenig zum Weiden finden, und darum werden auch keine gezüchtet. Man könnte also vielleicht auf diese Weise, dem Gesetze der Migration zufolge, annehmen, dass der Wald, der auf dem östlichen Gebirge verheert wird, sich langsam nach dem Westen hin fortsetzt. Die jungen Eichen haben hier ein recht hübsches Aussehen. Der grösste Theil hat erst noch einen Durchmesser von CrlO—020 m, manchmal trifft man aber auch Stämme schon von 0-40—0*50 m, die sich sehr gut entwickeln und noch als jung anzusehen sind. Zehn Jahre verständiger Pflege und ein Aufwand von verhältnissmässig minimalen Ausgaben würden dieses Gebiet in einen schönen Wald umwandeln. Im augenblicklichen Zustande muss man darauf rechnen, dass, sobald die Araber in der Umgebung in der Herstellung von Holzkohlen ihre Rechnung finden werden, diese jungen Stämme der Vernichtung anheimfallen werden. (Fortsetzung folgt.) Der fünfte Congress. Die „Gazette" in Brüssel gibt ihren Lesern eine ergötzliche Darstellung des Zionismus. Der streng abweichende Standpunkt der Assimilation, die objective und nüchterne Betrachtung der zionistischen Argumente, die sympathische Anerkennung der zionistischen Bestrebungen, alles dies vermochte nicht, das wahre Wesen des Zionismus zu enthüllen. Die „Gazette" besorgt dies Geschäft und sie thut dies mit der Drolligkeit eines Spassmachers, der ernst genommen werden möchte. Die Judenfrage ist keine gewöhnliche Sache, und die Besprechung kann daher nicht nach der Schablone erfolgen. Die „Gazette" lässt nun auch ihre Kritik über alle Hindernisse der Logik hüpfen, durch bunte Reifen springen und arrangiert eine Fahrt zum Monde. Mitten in die Manege stellt sie das böse Princip und zum Ueberflusse bietet sie ein realistisches Ballet mit einer moralischen Tendenz. Mehr kann doch der Leser für seine 10 cts. gewiss nicht verlangen. * * * Der Bericht lautet: „ . . . Seit Jahren halten die Juden periodisch einen Congress ab, den Zionistencongress. Zum Glücke ist der zionistische Gedanke unausführbar, denn wenn die Juden Europa veiiiessen, würde dieses sehr viel lebendige Kraft verlieren. Der nächste Congress wird in Basel stattfinden und Nordau, der furchtbare Nordau, soll auf dem Congresse ein Referat über die physische, geistige und materielle Hebung des Judenthums halten. Darin liegt die Gefahr. Die Juden wollen noch stärker werden! Wenn es dahin kommt, wird den Ariern nichts übrig bleiben, als auf den Mond zu flüchten. Wirklich, N o r d a u ist nicht sehr grossmüthig. Wenn er ein wenig Gefühl für seine Mitmenschenhätte, er würde, anstatt nach Mitteln zusehen, die Lage der Juden zu verbessern, an die armen Wesen denken, die nicht zu dieser Ausnahmsrasse gehören, er würde über Mittel nachdenken, das Los der anderen so zu verbessern, dass sie es mit seiner Rasse aufnehmen können, er würde dann auch den Christen einen Dienst erweisen." * * *