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Die Welt · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Article
Europäer / Quaerens
Date
1901-10-18
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 42 „Die Welt" Seite 11 Kunst handelt, mag auch das betreffende Werk selbst keinen einzigen nationalen Zug tragen. Es ist dies eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit. Andere Literaturen haben eher mehr oder weniger kosmopolitischen Anstrich. Man schafft und man liest weltbürgerlich, ohne erst viel nach Rasse zu fragen, und überlässt es der historischen Forschung, das nationale Kriterium anzusetzen und die eigenen Lämmer von den fremden Böcken zu sondern.^ Auf der viel strengeren monolithen Structur aber, die der deutschen Kunst eigenthümlich ist, kommt alles Fremde viel häufiger, rascher und deutlicher zum Vorschein. Der Sonderungsprocess ist hier beinahe ein seibstthätiger. Man kann, allerdings mit den unvermeidlichen Gefahren des Generalisierens, sagen: alle deutsche Kunst ist bewusst national. Es ist hier nicht der Ort, auf die Ursachen dieser Erscheinung einzugehen. Ich erwähne es nur, weil es mir geeignet erscheint, uns unsere Aufgabe wesentlich zu erleichtern, * * * Wie steht es da nun mit dem Juden, der in deutscher Sprache dichtet? Ist einerseits wohl zuzugeben, dass die Sprache kein blosses Hilfsmittel ist, kein untergeordnetes Requisit, wie etwa Pinsel, Farbe und Leinwand dem Maler, so ist doch andererseits zu erwägen, dass auch die virtuoseste Sprachbeherrschung keine ausreichende Legitimation bilden kann, an einer nationalen Kunst mitzuschaffen. Es erübrigte jetzt, zu beweisen, dass Juden nicht nationaldeutsch sein können, und dass ihnen daher die vornehmste Voraussetzung eines deutschen Künstlers abgeht. Diesen Beweis brauche ich hier nicht zu führen. Er ist bereits längst geführt. Die zionistische Bewegung sowohl als andere, mächtigere Factoren, zwingen mit stetig wachsendem Erfolge zur Erkenntnis : Die Juden sindFremde in den Ländern, in denen sie heute leben. Passt dies auf alle Lebensverhältnisse, so kann auch das correspondierende Phänomen auf dem Gebiete der Kunst nicht ausbleiben. Ich will da nicht, wiewohl mich auch manches dazu berechtigen könnte, geradezu von einem Anti- und Asemitismus in der deutschen Literatur sprechen, der mit dem im Leben herrschenden parallel liefe. Der Künstler wird unter allen Umständen zarter behandelt. Rüde Pöbelschreie dringen gedämpfter an sein Ohr. Verspürt er doch hie und da einen Puff, etwa die Ablehnung in einem Theater, so kann er solches umso gelassener ertragen, als ihn ja hierfür die Würdigung seitens erlesener und vornehm denkender Autochthonen schadlos zu halten scheint. Leichter und länger als seine nüchternen Namensgenossen kann der Künstler bona fide in einer der beiden Lebenslügen hindämmern : in der der Assimilation und in der schöneren eines Europäerthums in jener hohen literarisch-menschlichen Bedeutung des Wortes, zu der es Ideologen geprägt hatten, deren Reich nicht von dieser Welt ist. :|: * * Jenes eingangs dieser Zeilen erwähnte selbstverständliche Bewusstsein, welches den Contact des deutschen Künstlers mit dem Publicum beherrscht, fehlt in dem Falle des deutsch producierenden Juden, oder aber es vorzerrt sich, herbeigezwungen, zur Fälschung : zum Selbstbetrug oder gar zur Vorspiegelung falscher Thatsachen. Dieser Umstand kann billig nicht ohne Wirkung auf das Produzierte selbst bleiben. Es muss sich als ein gewisser Ton äussern. Und thatsächlich werden wir ihn, motivartig sich wiederholend und vielfach variiert, aus den Büchern unserer Europäer heraushören. Wir werden ihn brauchen, um die Klangfarbe der modernen jüdischen Culturnote bestimmen zu können, die, so gut es geht, in gewissen Beziehungen zu registrieren, ja Zweck dieser Zeilen ist. Ihre wesentlichen Eigentümlichkeiten, vereint mit der elementaren Beschaffenheit der WirtscuHur, sollen uns dabei als Lootsen dienen. * * * Es trifft sich glücklich, dass mir noch in letzter Stunde der Schluss eines interessanten Aufsatzes zu Gesicht kommt, in dem von Georg Hirth, also von berufener deutscher Seite aus, die deutsche Kunst auf ihr specifisch Völkisches untersucht wird. Wiewohl in diesem Aufsatze die bildende Kunst im engeren Sinne besprochen wird, enthält er doch bemerkenswerte Ausblicke auf das Gebiet unseres Problems. Es ist da mehrereb, worauf ich in Hinkunft noch zurückkommen werde. Heute will ich nur einen Passus anführen, der uns seltsam berühren muss. Es heisst dort: „Gewiss können wir von den Juden nicht erwarten, dass sie die Fackel unserer Ideale uns vorantragen; aber sie haben das Zeug, uns zu folgen, wenn w i r ihnen das gute Beispi e 1 geben." Das klingt anders als jene „Synthese germanischen und jüdischen Geistes", von der sich Nietzsche so viel Grosses versprach. Demüthigender klingt es. Es ist wie der Ruf eines selbstbewussten Hausherrn, der allzu laute Gäste verweist, ihnen ihr Parasitenthum in Erinnerung bringt. Und ein hohes, herrliches Haus steht öd' und verlassen. Es wartet. Quaerens. (Fortsetzung folgt.) Ahasvers Gebet. Herrscher der Himmel, Vater der Seelen, Der des Schmerzes Stammeln versieht! In den Tiefen sucht Dich mein Sehnen, In die Höhen ruft mein Gebet. Herr, der Du den Sturmwind sendest, Der den Frühling auf Flügeln tragt, Herr, der Du die Völker weckest, Dass sich Erstorbenes staunend regt, Sende mir Sterben, sende mir Leben, Ende der Qualen Waiidergang! Sterben ist Frieden, Frieden ist Leben, Leben ist Heimat und Seelengesang. Was in mir trachtet und ringt und blutet, AVandl' es in ewig erlösende Nacht, Oder wanoT es in Leuchten und Leben, Stürmen und Sprossen und Frühlingspracht. Noch einmal tiefes Vergessen, Versinken — Träume umwogen mich, Liebe und Glück--- Herrscher der Höhen, Vater der Seelen, Führe, o führ' mich zur Heimat zurück! Wien. Ernst Müller. Der Golem. Von Rudolf Lothar. (Fortsetzung.) Heb Simon drehte ungeduldig die Da innen ineinander und lies.-; seine Wieke» die vcrrnuclierte Decke entlang gleiten. „"Wenn "IIn* das erkannt habt," sagte, er dann ärgerlich, „was plagt ihr Euch mit magischer Kunst, warum wollt Ihr von mir die Mittel lernen, das Unmögliche zu erzwingen V Der Kabln fuhr ihm heftig in die Rede: „Die Magie ist für mich nicht die Wissenschaft des Unmöglichen, sie bedeutet mir das Vordringen bis zur iiussersten Grenze des Möglichen, die Ausnutzung solcher Ursachen, die dem Unkundigen verborgen bleiben, das Erfassen von Wirkungen, die andere nicht sehen. Ich kann die Kräfte, die Elemente nicht anders gestalten. Aber ich kann mich ihrer bedienen. Ich kann keinen meiner Geister aus dem Nichts stampfen, aber ich vermag die Stimmen der Geister zu

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