Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 42 (18.10.1901)
- Article
- Achad-Haam als Historiosoph
- Date
- 1901-10-18
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 ,DIe # Welt48 Nr. 42 aufprägen." Diese Bevormundung des Individuums durch die (Jcscllscliafl wird auch auf den Erwachsenen innuer wieder ausgeübt. ..Sjn-jiche, Literatur, Religion, Moral, (besetze und Gebräuche sind nur verschiedene Werkzeuge in der Hand der Gesellschaft, um das Individuum zu meistern, ihm ihre Gebote zu suggerieren." ..Aber auch die Gesellschaft selbst in ihrer Gesannntiieit ist nichts als das Medium für Hypnotiseure verflossener Generationen." „So oft wir die Menschen mit wichtiger Miene von ihrer inneren Erkenntnis sprechen hören, vermittelst deren sie Werurtheile. wie wahr und falsch, gut und böse, schön und hässlich, zu füllen vermeinen, sind wir berechtigt, anzunehmen, dass, wenn wir jene „Erkenntnis" in ihre Eestandtheile zu zerlegen vermöchten, wir in ihr nichts als eine Mannigfaltigkeit von Geboten verschiedener Hypnotiseure aus verschiedenen Zeiten erblicken würden, von Geboten, die durch 'Verkettungen von Umständen zusammentrafen und das sociale ..Ich" bildeten.'' (Fortsetzung folgt.) Eine zionistische Bibliographie. Petersburger Brief. Seit Jahresfrist arbeitet in St. Petersburg still und geräuschlos eine von den russischen Actions-Comitemitgliedern eingesetzte „Commision zur Herausgabe eines Anzeigers der Literatur des Nationalitätenproblems und des Zionismusu. Trotz ihrer verhältnismässigen Jugend hat die moderne Zionsbewegung eine grosse und reiche Literatur hervorgebracht, und namentlich die Zahl der theoretischen Aufsätze, die in verschiedenen Zeitschriften zerstreut sind, ist so gross, dass es wohl angezeigt erscheint, beizeiten an eine bibliographische Zusammenstellung dieser Materialien zu gehen, damit eine Uebersicht über das bisher Geschriebene ermöglicht werde. Wer heute die Geschichte des Zionismus in den letzten zwanzig Jahren quellenmässig studieren wollte, der müsste bald in arge Verlegenheit gerathen, da es bis jetzt keinen Leitfaden gibt, der ihn durch die Irrgänge des zionistischen Schriftthums sicher geleiten würde. Die Schwierigkeiten eines gründlichen Studiums der zionistischen Frage werden noch dadurch vermehrt, dass zwei weit ausgedehnte Forschungsgebiete mit dem Zionismus im engsten Zusammenhange stehen: das Nationalitätenproblem und die Landeskunde von Palästina. Es wird die Leser der „Welt" sicherlich freuen, durch diese Zeilen zu erfahren, dass die unter der Leitung des Herrn Professor Gregor Belkowsky stehende obengenannte Commission binnen kurzem mit der Sammlung des Materials zu Ende sein und an die Drucklegung des „Anzeigers" gehen wird. Dieser umfasst die auf die Nationalitätenfrage und den Zionismus bezüglichen Schriften in hebräischer, jüdischer und den wichtigsten europäischen Sprachen. An Zeitschriften- und Zeitungsmaterial enthält die Bibliographie sämmtliche theoretischen Aufsätze der hebräischen, jüdischen und russischen Blätter. Die Materialien für den allgemeinen Theil der Nationalitätsfrage sind nach verschiedenen russischen und ausländischen bibliographischen Anzeigern gesammelt. Die Palästina-Literatur wurde hauptsächlich auf Grund der reichen Sammlung, die die Petersburger kaiserliche Bibliothek besitzt, zusammengestellt. Diese Sammlung, welche von dem verstorbenen berühmten Palästinaforscher Tobler herrührt, wird sehr sorgfältig mit den Neuerscheinungen auf diesem Gebiete ergänzt. Da die Commission mit der Herausgabe des „Anzeigers * praktische Zwecke verfolgt, hat sie nur diejenigen Palästinaschriften verzeichnet, die seit der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts erschienen sind. Es wäre erwünscht, wenn die Gesinnungsgenossen ausserhalb Kusslands der Commission behilflich wären, ihr Material durch die Sammlung der ausserrussischen Zeitschriften- und Zeitungsliteratur zu vervollständigen. Zuschriften sind an Herrn S. Janowsky in ,;;St. Petersburg, Jekateringowsky Prospect 77, Wohnung 3, zu richten T. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Unser Berliner Bruderorgan, die „Israelitische Rundschau", erhält von ihren Berichterstattern einige interessante Notizen über die Bewegung. Man schreibt ihr: Aus Breslau: Ein „Share-Club" mit zahlreichen Mitgliedern wurde hier am 1. October gegründet. AusParis: Am 12. October findet hier eine zionistische Massen Versammlung statt. Referate erstatten Doctor Nord au und Marmorek. Man bereitet die Gründung von „Share-Clubs" und Volksbildungscursen vor. Aus Aegypten: Die Agitation ist hier rührig und hat guten Erfolg. Der Leitartikel richtet sich gegen die salbungsvollen jüdischen Missionsprediger. An anderer Stelle weist Doctor Edelheim in bemerkenswerter Weise alle Phantastereien zurück, die die spanische Einladung zur Rückkehr der Juden wachrufen könnte. * Soeben ist eine Doppelnummer des „Echo Stoniste" (21—22) erschienen. In der Rubrik „Revue de la Presse" (Zeitschriften-Rundschau), die eine grosse Mannigfaltigkeit aufweist und Auszüge aus den verschiedensten Artikeln in deutschen, hebräischen, jüdischen, russischen, rumänischen, italienischen, englischen und französischen Blättern enthält, finden wir diesmal besonders zahlreiche Besprechungen von Aufsätzen zionistischen Inhalts. In einem „Brot!" überschriebenen Artikel äussert Dr. Rokeach seine Genugthuung darüber, dass unter den vielen Fragen, die den bevorstehenden V. Zionisten-Congress beschäftigen werden, die Fragen der, wirtschaftlichen Hebung eine so hervorragende Stelle einnhmen. Dr. A. Raskine polemisiert in seinem Artikel „Die Probleme des jüdischen Nationalismus" in scharfer Weise gegen den extremen Cultur- Zionismus Achad - Haam'scher Färbung. E1 d a s c h Haglili bespricht in sachkundiger Weise die Mängel, um nicht zu sagen, den Mangel des Hebräisch-Unterrichtes an den orientalischen Schulen der „Alliance israelite". Es sind wahrhaft beklagenswerte Zustände, die der Artikelschreiber d\ enthüllt. Die vorliegende Nummer enthält ausserdem die Fortsetzung des Artikels von Dr. Rokeach über den Jargon und seine Schriftsteller. Schliesslich erwähnen wir noch die mit A. L. gezeichneten „Bibliographischen Notizen". * „The Maccabean" ist der Titel einer neuen Monatsschrift? die die „Pederation of American Zionists" herausgibt, und deren erste Nummer dieser Tage erscheint. Sie enthält Beiträge von Max Nordau, Dr. M. Gaste r, Professor Richard Gottheil, J. Zang whi Ii, L. Z o 1 o t k o ff u. a. — „The Maccabean* ist die erste amerikanische rein zionistische Zeitschrift in englischer Sprache. Unter der Redaction unseres Gesinnungsgenossen AdolfStand erscheint Anfang November der zweite Band des Zionistischen Jahrbuches („Rocznik zydowskP). Das Jahrbuch euthält Arbeiten von Rüben Braini n, Martin B u b e r, Adolph D o n a t h, Berthold F e i w e 1, Dr. Josef G r ü nb e r g, E. M. Lilie n, Dr. David M a 1 z, Dr. Alfred N ossi g, J. L. P e r e z, Marek, S c h e r 1 a g\ N. S o k o 1 o w, Adolf Stan d, Dr. Osias T hon und Wilhelm Wachte 1. Literarisches. Für das Jungwiener-Theater „Zum lieben Augustin" hat Hugo v. Hufmanns th a l eine Pantomime geschrieben, die im Prager Ghetto spielt, Wie wir hören, soll für die Rolle ein eigener jüdischer Schauspieler ausersehen worden sein. Europäer. Ein E x p e r i m e n t. Ii. Noch einige einleitende Worte, bevor wir zur eigentlichen Sache kommen. Wenn ein deutscher Dichter ein Buch schreibt und sein Publicum es liest, so besteht bei beiden Theilen das sichere Bewusstsein, dass es sich hier um deutsche