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Die Welt · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Article
Der jüdische Studententag in Lemberg
Date
1901-10-18
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die £ Welt" Nr. 42 Nach der Einleitung durch den Vorsitzenden des Einberuf'ungs-Comitös Coli. Thon, und der Wahl des Präsidiums (Coli. Loewenherz Präses; Coli. Bromberg, Stellvertreter; Coli. Lehm, Reich, Thon und Frl. Ottilie Weinbaura, Schriftführer) folgte der erste Punkt der Tagesordnung : Verein „Jüdische Wissenschaft", Ref. Coli. Thon. Die überaus ernste, ruhige und würdige Discussion bei reger und intensiver Theilnahme der Zuhörer ergab ein recht erfreuliches Resultat. Gerade die Nicht-Zionisten nahmen den regsten Antheil an der Discussion und erklärten sich fast, alle (mit Ausnahme zweier) für die dringende Notwendigkeit der Pflege jüdischer Wissenschaft innerhalb der jüdischen akademischen Jugend. Folgende Resolution des Referenten wurde fast einstimmig gefasst, eine verschwindende Anzahl von 7 Stimmen erklärte sich dagegen : „Der jüdische Studententag, versammelt in Lemberg am 13. October 1901, ausgehend von der Voraussetzung, dass die Lösung der Judenfrage ohne gründliche theoretische Erforschung der Judenlage unmöglich sei, beschliessfc die Gründung eines Vereines „Jüdische Wissenschaft", in welchem die jüdische Jugend ohne Rücksicht auf ihre Parteistellung und ohne Unterschied ihrer sonstigen politischen Ueberzeugung jüdische Wissenschaft nach den verschiedensten Gesichtspunkten betreiben soll, jeder gemäss seiner persönlichen wissenschaftlichen Vorliebe." Die Gründung des Vereines wurde einer Commission von fünf Mitgliedern überlassen. Hierauf wurden die Anträge des Coli. W a s c h i t z angenommen : „Der Studententag trägt den jüdisch-akademischen Vereinen auf, an die erste Stelle ihres Programms die Pflege jüdischer Wissenschaft zu stellen und die Resultate der Untersuchungen auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft, insbesondere Quellensammlungen, in einer besonderen oder in einer der jetzigen, jüdischen Zeitschriften zu veröffentlichen." Zum zweiten Punkte der Tagesordnung („Ein jüdisches Studentenheim in Lemberg", Ref. Coli. Bromberg) beschloss man, die Vorarbeiten des Rigorosantenvereines zur Kenntnis zu nehmen und ihm die weitere Arbeit zu überlassen. Bezüglich des dritten Punktes „Jüdischer Turnverein", Ref. Coli. He Scheies, beschloss man, in möglichst grösster Anzahl dem Vereine, dessen Statuten schon bestätigt sind, beizutreten und vorderhand den Cultusvorstand in Lemberg um einen Turnsaal anzugehen. Die erste Sitzung endigte vor 8 Uhr abends. Die zweite begann vor 9 Uhr. Trotz der grossen Abspannung und der vorgerückten Zeit erschienen fast alle wieder. Es folgte das sehr belehrende Referat des Coli. Loewenherz über die Lage der jüdischen Jugend. Der Referent wies mit statistischen Daten den erschreckenden IndifTerentismus der jüdischen Jugend nach, die nicht einmal für ihre materielle Interessen zu sorgen versteht. Seine ersten zwei Anträge bezüglich der Einrichtung eines Arbeitsbureaus durch Lemberger jüdische Studenten und zugleich der Wahl einer fünfgliedrigen Commission, die sich mit der Verbesserung der Lage der jüdischen Advocaturs- Candidaten befassen soll, ging einstimmig durch. Auch der dritte Antrag, betreffend die Schaffung einer Repräsentation der gesammten jüdisch-akademischen Jugend in den zeitweiligen Vorsitzenden der drei akademischen Vereine („Emunah", „Ognisko" und „Rigorosanten") wurde angenommen. Auf Antrag des Coli, ß e t h a u e r wurde der Repräsentation der jüd.-akad. Jugend aufgetragen, den Studententag mindestens einmal jährlich einzuberufen. Ferner wurde auf Antrag des Coli. Meyer die Einberufung eines jüdischen Studententages an der Universität, um die Anerkennung der jüdischen Nationalität zu fordern, einstimmig beschlossen. Der letzte Punkt über das Verhältnis der jüdischen Jugend nach aussen rief infolge der ungeklärten, zwischen Assimilation und Nationalismus schwankenden Stellung des Referenten Coli. Bohrer fast bei der ganzen Versammlung grosse Unzufriedenheit hervor, so dass keine einzige seiner unklar gefassten und an inneren Widersprüchen leidenden Resolutionen durchgieng. Dagegen wurde die Resolution des Coli. Reich angenommen, die jüdische Jugend beschliesse eine energische Arbeit für das jüdische Volk und wolle sich der Partei im Lande anschliessen, die die ehrlichste und fortgeschrittenste ist. Gegen 1 Uhr nachtb endeten die Berathungen. ^teibäi)e. P. T. Unseren akademischen Gesinnungsgenossen bringen wir hiermit zur Kenntnis, dass ein zionistischer Advocat — der polnischen Sprache mächtig — hier ein Jahreseinkommen von Netto 8000 bis 10.000 Kronen haben kann. Reflectanten wollen sich diesbezüglich an Herrn Dr. med. Simon B i b r i n g oder Dr. med. Josef Glas, beide hier, wenden. Mit Zionsgruss Verein „Zion", Nadworna, Galizien. * Liebe Volksgenossinnen! Wer einen vollen Blick in die grosse Vergangenheit des jüdischen Volkes gethan, wer dessen herrliche Geschichte gelesen, den drängt es, den erworbenen köstlichen Schatz mit vielen, allen zu theilen. Wer die glorreichen Frauengestalten darin bewundern gelernt hat. der fühlt ein mächtiges Verlangen, die jüdische Frau wieder so heldenmüthig, so stark und still, so stolz und frei, so milde und gütig zu sehen wie einst. Einst--! Der schönen Blütezeit des jüdischen Staatslebens auf heimatlichem Boden folgte die lange, finstere Nacht des Ghetto. Doch die jüdische Frau war sich selbst, ihrem Volke, ihrer Religion treu geblieben. Kein Elend, noch so tief, vermochte ihr die Krone zu entreissen, sie blieb Königin als Weib, als Mutter. Der überall verlachte, gehetzte und gedemüthigte Jude fand in seinem Heim eine unerschöpfliche Quelle des Trostes und der Erhebung. Das Haus, darin die jüdische Frau gewaltet hat, war geweiht durch ihre rührende Opferfreudigkeit, ihre seltene Herzensgüte, ihre unerschütterliche Treue. Kaum eine Spanne Zeit, seitdem die Ghettomauern gefallen sind, und heute sehen wir oft die jüdische Frau als Drängerin zur Assimilation, als Zerstörerin des jüdischen Volksthums, des jüdischen Heims. Kein WTunder! Aus ihrer stillen Zurückgezogenheit mitten in den Alltagskampf hineingestellt, konnte die zartfühlende Frau dem rauhen Anstürme des Hasses derVerachtung und Verspottung nicht standhalten. Durch Aneignung fremder Sitten glaubte sie sich diesem Fluche entziehen zu können, sie wurde Nachahmerin, und wie es gewöhnlich der Fall ist, Nachahmerin alles Schlechten. Sie tauschte ihren herrlichen Schmuck, das reiche Innenleben, gegen äusserlichen, glitzernden Tand und glaubte sich damit aus de]* Zurücksetzung emporheben zu können. Losgelöst von ihrem Volke, ohne inneren Halt, sehen wir die moderne jüdische Frau in rastloser Jagd nach immer neuen Reizen, um sich selbst zu betäuben. Die lächerliche Scheu vor allem Jüdischen (sie kennt natürlich nur mehr das selbstgeschaffene Zerrbild davon) lässt sie den Weg nicht sehen, der allein sie zu ihrer einstigen Höhe zurückführen kann. Dieser Weg heisst „Rückkehr zum Judenthum", er bedeutet für die jüdische Frau kein „Zurück", sondern ein Vorwärtsstreben nach den höchsten, edelsten Gütern der Menschheit. Hier .liegt nun ein weites Feld zur segensreichen Betätigung für alle diejenigen, die sich die volle Liebe zum jüdischen Volke bewahrt oder wiedererrungen haben. Den Mitschwestern den Weg zu zeigen, ihnen das wahrhaft Schöne und Erhabene der jüdischen Sitten und Gebräuche zu erklären, sie zu selbstbewussten Jüdinnen zumachen, ist ihre heilige Pflicht. Die Erfüllung dieser Pflicht hat sich auch der Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" in erster Linie zur Aufgabe

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