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Die Welt · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Article
Zur Psychologie der jüdischen Gemeindestuben
Date
1901-10-18
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 42 „Die jfr Welt** Seite 7 die Simmeringer gegen Sicherstellung um einen Extracredit von 2800 fl. baten, welche Summe allein sie noch schuldig waren, fragte man jenen Reichen, der als Stänkerer und Rechthaber mit den Leuten im grössten Unfrieden lebte, und der gab solche Auskünfte, dass man das Geld eher in die Leipziger Bank gegeben hätte, als den Petenten. Jetzt möchte man doch wirklich glauben, dass die dagegen protestierenden und bittenden Deputationen des Bezirkes anständig empfangen und eventuell zur Rechenschaft gezogen würden. Im Gegentheile, die Sache war erledigt. Ein Reicher hatte gesprochen und die Herren der Cultusgemeinde mit den ewig salbungsvollen Reden giengen frei nach Heine vor: Lumpe, die Ihr wenig habt, geht und lasset Euch begraben. Wie Schulbuben, so klagten die Abgesandten, und viele Zeugen bestätigen es, wurden sie behandelt, und Oberbonze nach Oberbonze that so, als ob . . . Die Zurückgewiesenen erinnerten sich bescheidentlich an die Worte, die dieselben Herren gebrauchen, wenn es ihnen an den Kragen geht, der Worte von Menschengleichheit etc., gierigen hin, und das fin anderen de Tempelbau-Comite dankte ab. Jetzt steht die hoch weise Gemeinde vor der Eventualität, entweder den Tempel versteigern zu lassen oder ihn in eigene Regie zu nehmen (was wenigstens 2000 fl. jährlich kostet gegen frühere 1000 fl. Subvention) und den Schuldbetrag von 2SO0 fl. selbst zu bezahlen. Jetzt wäre die Gemeinde schon froh, wenn das Comite sich wieder reconstruierte, wozu man ihm gern ni'cht nur jene 2800 fl. leihen, sondern auch die Subvention um 50011. erhöhen würde. Im Vertrauen sei verrathen, dass man inSinunering blutwenig Lust hat, nach der Behandlung von früher darauf* einzugehen. IL Bielitz. Der Bielitzer Cultusvorstand kommt zu der ganz unverdienten Ehre, in unserem Blatte besprochen zu werden, obwohl wir thatsächlich etwas besseres zu thun haben, als Schildbürgerstreiche eines Provinzkahals zu registrieren. Wir sehen es aber für nothwendig an, das Vorgehen der erwähnten Corporation an den verdienten Pranger zu stellen, damit niemanden die Lust anwandle, dasselbe nachzuahmen. In Bielitz ist ein jüdischer Turnverein, eine prächtige, zionistische Verbindung „Emunah'' und ein zionistische]' Verein „Haschachar" zuhause. Diese drei Vereine arbeiten opferwillig und erfolgreich in Turnstunden, Bildungscursen, Volksabenden zielbewusst an der geistigen und physischen Hebung der jüdischen Ortsinsassen. Ueberall, wo aufrichtige, volksfreundiiche Vorstände amtshandeln, hätten sie sich über diese Thätigkeit herzlich gefreut und den genannten Vereinen Subventionen und Dankesworte votiert. Nicht so die Bielitzer. Die drei Körperschaften benützten jahrelang die Räume der jüdischen Genieindeschule. Plötzlich aber machte einer der hochweisen Väter die schreckliche Entdeckung, dass dieselbe theils angeblich, theils erklärt zionistisch seien, und nach wahrscheinlich schlafloser Nacht rief er ein Vehmgericht, eine Vorstandssitzung ein, das aucn richtig mit viel Glück den Zionismus vernichtete. Arn VA. August kündigte man den Vereinen und verlangte für den 1. September die Räumung. Vorher nie angegebener Grund: Krawall der Zöglingsriege des Turnvereins. Hintergrund: Das alte Lied aus den Liedern eines Sclaven : Der Zionismus stört das Zusammengehen (lies: Schweifwedeln) mit (lies : vor) den christlichen Mitbürgern. Der Beschluss hat dem Cultusvorstand selbstverständlich eine riesengrosse Blamage gebracht. In einer erregten Massenversammlung regnete es Schmeicheleien, und der hingerichtete Zionismus stand grösser und stärker vom Schaffet auf; die von Unzufriedenen verstärkten und unterstützten Vereine giengen eben ein paar Häuser weiter. Dem unter Juden unerhörten Terrorismus, der Kündigung der Gemeindeschule für die jüdischen Vereine, dürfte bei den nächsten Wahlen eine Kündigung der Gemeindestube für den Vorstand folgen. J. ü. III. Breslau. In der preussischen Justizverwaltung ist schon öfters der Fall vorgekommen, dass sich ein Christ beschwert fühlte, von einem jüdischen liichter abgeurtheilt zu werden. Dieser Beschwerde, im allgemeinen allerdings ungerechtfertigt, wird-unter allen Umständen dazu genügen sein, wo es sich um religiöse Interessen handelt. Oder hätte man je gehört, dass in einer christlichen Cultusgemeinde Juden als Beamte angestellt seien V Erst der jüdischen Gemeinde zu Breslau blieb es vorbehalten, diese Entdeckung zu machen, dass ein Christ in dem Bureau einer jüdischen Gemeinde durchaus am rechten Platze sei. Gibt es denn keine jüdischen jungen Leute, die stellungslos sind? Herrscht in den Reihen unserer deutschen Juden ein so grosser Wohlstand, dass man Christen im jüdischen Gemeinwesen anstellen muss? Lassen wir all diese schwerwiegenden Fragen jene beantworten, die es für gut halten, ihre Kinder taufen zu lassen und dennoch an der Spitze einer jüdischen Gemeinde zu stehen. Uns soll hier nur Folgendes beschäftigen : In der jüdischen Gemeinde zu Breslau war bis vor kurze m ein Christ als Secr efciir angestellt. Die Ar m e n p f 1 e g e -Com in i s s i o n — zu b e ([ u e m, selbst ihres Amtes z u w alten — schickte diesen Herrn, wohl g e m e r k t eine n Christen, in die H ä u s e r vers c h ä m t e r j ü d ischer Armen, um dort d i e A 1 m o s e n zu v e rt h e i 1 e n. Sehr feinfühlig von der Armenpüege-Commission! So feinfühlig waren diese Herren, dass sie es nicht m e r k t e n, als ihr Beamter sie j a Ii r e- 1 a n g betrog und die A r m e n g e 1 d e r u n t e rschlug. Und immer, noch feinfühlig, suchen sie jetzt gemeinsam mit dem Vorstande der jüdischen Gemeinde diesen Thatbestand zu vertuschen. Warum auch nicht? Es wird ja wieder alles gut, denn die Armenpflege-Commission ersetzt doch wohl den Schaden? Ei, warum nicht gar? Sie denken gar nicht daran, diese feinfühligen Herren. Hoffentlich wird aber der Vorstand der Breslauer Gemeinde energisch darauf dringen, dass diejenigen, durch deren unverantwortlichen Leichtsinn der Schaden angerichtet worden ist, ihn auch ersetzen. Oder beabsichtigt man etwa die Steuern der Gemeindemitglieder dazu zu verwenden. Defraudationen gutzumachen und christliche Beamte zu besolden? F. P. Delegiertentag der englischen Zionisten. Der Delegiertenlag der „English Zionist Föderalion% deren ürlsgnippenzahl im vergangenen Jahre von :]S auf 78 gestiegen ist und deren Milgliederzahl etwa 8500 betrügt, wird Sonntag den dl. October in Manchester in den Piäumen der „Danglhers of Zion Association" abgehallen werden. Auf der Tagesordnung stehen neben den Rechenschaftsberichten und Wahlen die Eröffnung der Jüdischen Golonialbank und die Agitation in philanthropischen und sonstigen jüdischen Vereinen. Der jüdische Studententag in Lemberg. (13. October 1901.) Die imposante Betheiligung am Studententage (über SOG bewarben sich um Einladungen) zeigte, wie geeignet der Moment für seine Einberufung war. Wir wollen uns heute auf eine blosse Berichterstattung beschränken.

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