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Die Welt · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Article
Beiträge zur Kenntnis Palästinas
Date
1901-10-18
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die & Welt4* Nr. 42 stellen, dass voraussichtlich die Ausbreitung von Wäldern in Palästina unmöglich sei. Noch andere meinten gar, dass Palastina niemals mehr bewaldet gewesen wäre, als jetzt. Es würde uns zu weit abseits von unseren Thema führen, wollten wir hier auf alle die Stellen in den alten Schriften verweisen, die uns Palästina viel bewaldeter zeigen, als es jetzt ist. Es ist übrigens leicht verständlich, dass ein Land, welches durch fortwährende Kriege stets verwüstet wurde, von seinem ehemaligen Waldreichthum viel einbüssen musste. Auch steht Patästina damit nicht allein da, Spanien, Tunis und viele andere Länder leiden ebenfalls infolge der unverantwortlich kurzsichtigen Entwaldungen, denen sie unterworfen wurden. An Stelle der schönen Obstgärten, die nach Josephus das blühende Cäsarea umringelten, sehen wir jetzt nichts mehr als Sanddünen, in steter Vorwärtsbewegung begriffen. Auf wieviele andere historische Documente könnte man sich noch hier berufen! Uebrigens fehlt es auch jetzt nicht in Palästina vollständig an Waldungen. So trifft man in Djebel Ajloun wirkliche Wälder an, in einer sehr schönen Entwicklung begriffen; es sind Eichen mit einigen Styrax officinale durchmengt. Wir können hier nicht die glücklichen Ursachen erklären, die es diesen Wäldern ermöglicht hatten, der allgemeinen Vernichtung zu entgehen. Aber die Thatsache ihrer Existenz und ihrer schönen Entwicklung sind für uns ein deutlicher Beweis für die Möglichkeit, schöne Wälder in Palästina zu cultivieren. Denn hier wird man es uns erlauben müssen, den Fall zu verallgemeinern. Es ist eine anerkannte Thatsache, dass die Vertheilung der Waldregionen, die übrigen Bedingungen als mehr oder weniger gleich voraussetzt, in directem Verhältnisse zu der geologischen und lithologischen Structur der Gebirgsmassen steht. Wir haben gesehen, dass der Djebel Ajloun ebenso wie die sämmtlichen Gebirgsketten von Galiläa, Samaria und Judäa zu den Kreiden gehören. Folglich wird dasjenige, was auf der einen Seite existiert, auch auf der anderen zur Entwicklung kommen können, wenn nur die Existenzbedingungen gesichert werden. Man begegnet aber schon auf den zuletzt genannten Gebirgen sehr schönen Exemplaren von Eichen-, Johannisbrot-, wilden Gel-, Terpentinbäumen u. s. w., allerdings in kleinen Gruppen. Man darf uns nicht entgegenhalten, dass diese schönen Specimen, die wir zwischen Zichron-Jakob und Chederah, zwischen Chaiffa und Nazareth sehen, nur Ausnahmsstücke seien, und dass eine zusammenhängende Waldesvegetation in Palästina nur buschartig vorkomme. Die Erklärung ist leicht zu geben. Ja noch mehr, wir sagen sogar, dass schon diese buschartige Vegetation uns glauben macht, dass die Berge von Palästina mit einer merkwürdigen Vegetationskraft begabt sind. Wenn auch das Weiderecht nach einer talmudischen l'eberlieferung die erste der zehn Bestimmungen gewesen war, die Josua den Juden bei ihrem Einzüge in Palästina gewährt hatte </T ^fcp so war man doch übereingekommen, das Kleinvieh in den Hochwäldern weiden zu lassen, wo ihr den Bäumen zugefügter Schaden als sehr unbedeutend betrachtet wrurde. Aber unsere Talmudisten, welche das Uebel richtig bemessen haben, das die kleinen Thiere dem Walde verursachen können, haben vorgeschrieben : Lixw pan npn n&ns j^-ijö pa- »Es soll kein Kleinvieh im Laude Israel gezüchtet werden" — und die puritanischen Chassidim giengen sogar so weit, dass sie sich die Betretung des Hauses versagten, in dem eine Ziege aufgezogen wurde, wenn auch deren Milch dem Besitzer zu Gesundheitszwecken anempfohlen wurde. Eine Ziege zu halten war für sie ebenso sträflich, wie bewaffnete Räuber zu verstecken. Das heisst allerdings zu weit gegangen. Aber ein grosser Theil von Wahrheit steckt noch heute in diesem Verbote. Die palästinensische Landwirtschaft wird zumTheil durch den Mangel, wenigstens aber durch die Seltenheit von Vielifutter charakterisiert. Zum charakeristischen Merkmal der palästinensischen Wälder gehört aber das Vorherrschen von immergrünen Bäumen. Es reicht also aus, dass die Hügel und Berge rings um das Dorf eine deutliche Tendenz zur natürlichen Bewaldung zeigen, damit diese Vegetation als Fulter verwendet werde. Alsbald besitzt das Dorf eine grosse Herde von Ziegen, die an und für sich sehr rentabel sind, da sie häufig an 100% vom verwendeten Capital einzutragen pflegen, die aber für die Entwicklung des Waldes im höchsten Grade gefährlich sind. Es gibt kein Gebirge, das sie nicht ersteigen, keinen Felsen, den sie nicht erklimmen. Nichts entgeht ihren Zähnen. Kein Busch, kein neuer Spross einer Eiche, eines Johannisbrot- oder eines Terpentinbaumes wird von ihnen verschont. Die bewaldeten Hügel bilden für sie während sieben Monaten des Jahres, wo in Palästina ein fast völliger Grasmangel herrscht, die ausschliessliche Nahrung. Darin ist also die Erklärung zu suchen, dass die hochstämmigen Bäume sich nicht in Massen entwickeln können. Es ist ferner zu bemerken, dass der Araber, der Holz für seine Küche braucht, nicht in den Wald geht, das Beil in der Hand, um mit einem freien Hiebe die Zweige, die er braucht, abzuhauen. Hier muss die Frau für den Holzvorrath sorgen. Sie hängt sich also an die Baumzweige und bricht sie vom Baume ab. Natürlich verursacht eine solche gewaltsame Art und Weise der Holzentnahme schwere Verwundungen am Stamme, zu deren Heilung der Baum dann viele Monate benöthigt. Wenn also trotz der Schädigungen, die dem Gebüsch hier zugefügt werden, noch schöne Bäume auf den Bergen Palästinas anzutreffen sind, so ist man, wie gesagt, wohl berechtigt, daraus zu schliessen, dass die hiesige spontane Waldvegetation eine zähe Lebenskraft besitzt. Dort, wo die natürliche Vegetation spärlicher ist und die Zucht von Ziegen durch sie nicht gefördert werden kann, hat sie nur die schlechte Behandlung zu ertragen, die ihr von den arabischen Frauen zutheil wird, und formiert doch noch schöne Gruppen von Bäumen. Wir behaupten, dass ohne die Beihilfe von Aussaat und Bepflanzung mit Waldbaumarten unsere Hügel und Berge einfach durch die Unterdrückung der Zerstörungsfactoren, in erster Linie durch die Fernhaitung von Ziegen, zugleich aber auch durch verständige Aufsicht, nötigenfalls durch Ausroden und Umbrechen von Büschen und Baumarten, deren Vermehrung nicht erwünscht ist, von neuem zu einem üppigen Waldbestande kommen können.*) Wir halten es hier für überflüssig, uns über die wichtige Rolle des Waldes für das Klima, die Hydrographie, die Landwirtschaft eines Landes überhaupt und Palästinas speciell zu verbreiten. (Fortsetzung folgt.) Bei Georg Brandes. (Ein Blatt aus meinem Reisenotizbuch.) Es sind schon einige Jahre her, dass ich durchreisend in Kopenhagen weilte und Georg Brandes besuchte. Es war am Vorabend eines bewölkten Apriltages, und in den volkreichen Strassen Kopenhagens herrschte jene düstere, herbe Stimmung, die in uns aus Griegs' Liedern oder aus Garborgs Novellen spricht. Geschäftige Menschen kehrten hastig und erschöpft von ihrer Arbeit zurück, unter ihnen besonders bemerkenswert die Frauen, jene harten, markanten Mannweiber, die man nur im Norden sehen kann: Jede eine Verwandte Hilda Wangls, jede den *) Das soll aber nicht bedeuten, das wir einen derartigen Vorgang für einzig rationell betrachten.

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