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Die Welt · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Article
Der fünfte Congress
Date
1901-10-18
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 42 „Die # Welt1* Seite 3 „Die wichtigste Frage, die den Gongress beschäftigen wird, ist die Bankfrage. Unsere Bank wirrt bei der Eröffnung des fünften Gongresses bereits actionsfaliig sein, und die Fragen über das Arbeitsgebiet-und die zu unternehmenden Geschäflsoperationen werden die Delegation des jüdischen Volkes vollauf beschäftigen. Die Bank hat einerseits die Pflicht, die jüdische Arbeit und Colonisation in Palästina zu unterstützen, andererseits obliegt ihr die Pflicht, bei der Investierung des ßankcapitals die äusserste Rigorosität zu beobachten. Die Bank kann und darf sich nicht mit der blossen Roll«? einer Unterstützungs-Gesellschaft begnügen. Sie hat viel höhere Ziele und grössere Zwecke." * * „Die Bank wird sich das Vertrauen und die Achtung der ganzen Welt erwerben müssen, um als Institution zu gelten, die nationale Interessen mit einer lucrativen und streng soliden Geschäftsgebarung vereinigt. Da tauchen vielerlei Fragen auf. Wie sollen die Unternehmungen beschaffen sein, die den Aclionären Dividenden abwerfen, dabei aber keinem Risico unterliegen und auch nicht solcher Provenienz sind, die einer Privatgesellschaft erlaubt sein mögen, keineswegs aber im Einklänge mit der Ehre und dem Ansehen eines nationalen Institutes stehen?" * * „Die Fragen über geistige, wirtschaftliche und physische Hebung der Juden werden einen breiten Raum in der Arbeit des fünften Gongresses ausfüllen, und eine ganz andere Gestalt, als die der früheren Congresse annehmen. Allgemeine Debatten und Discussionen darüber, ob die Culturarbeil. von Wichtigkeit ist oder nichl, ob sie zum Programm des Congresses gehöre oder nicht, müssen jetzt ausgeschaltet werden. Diese Fragen wurden vom faclischen Leben besser beantwortet als vom Gongress. Das Programm der Gulturarbeit, welches sich früher nur auf ideale Angelegenheiten bezog, hat sich still und ruhig ohne jegliche Debatte von selbst erweitert und vertieft in der Aufnahme eines neuen Punktes: der Verbesserung des wirtschaftlichen und körperlichen Zusiandes unseres Volkes. Der Schwerpunkt der Gulturfrage liegt nunmehr in der praktischen Seite derselben, in den Mitteln, wodurch sie zur Realisierung gebracht werden soll." „Von der Verhandlung über den Punkt „Organisation'*4 haben wir wenig Neues zu gewärtigen. Unser Organisnfionsslafut ist im allgemeinen nicht schlecht, und wenn auch momentan unsere PaHeiorganisatiou manches zu wünschen übrig lässt, so liegt das keineswegs an dem Statut. Eine etwaige Andersfassung desselben würde keine bedeutenden Veränderungen in der Organisation selbst zur Folge haben. Die Hauptsache ist, dass die Ausführungsbestimmungen gewissenhaft eingehalten werden. Rechnen wir noch den Rechenschaftsbericht des Actionscomites und das Referat über den Nationalfonds hinzu, so haben wir nahezu das Gesammtprogramm des V. Gongresses — ein reiches Arbeitsprogramm. An den Rechenschaftsbericht des Actionscomite schloss sich bisher immer eine breite Discussion und Kritik der zionistischen Arbeit. In diesem Jahre haben wir keine lebhafte Debatte zu gewärtigen. Unsere Gesarnmt- Partei hat verhältnismässig Geringes geleistet. Das Actionscomite hingegen zeichnete sich in diesem Jahre durch grosse Energie aus, und durch das Bestreben, den berechtigten Wünschen der Zionisten Rechnung zu tragen." Beiträge zur Kenntnis Palästinas. (Mittheilungen des „ Agrononiisch-culturtcchnischen [Bureaus für Palästina",) (Fortsetzung.) I. Von Zichron-Jacob nach Nabulus. Die grosse Fahrstrasse von Zichron-Jacob nach Nabulus durchzieht den nördlichen Theil des erhöhten Strandes, der die Ebene von Saron bildet. Man verfolgt den Weg bis nach Kakun, einem grossen Dorfe, welches fruchtbare Felder besitzt, aber infolge blutigen Streites unter den zwei Hauptparteien des Dorfes einer arabischen Vendetta über kurz oder lang zum Opfer fallen muss. Von Kalam biegt der Weg nach dem Südosten um. Alsdann führt ein Seitenweg durch Tul-Kerm, Silz eines Kaimakams, nach der Chaussee von Jaffa, die, den Wadi-'Anebta entlang, in Nabulus m findet. Es war aber durchaus nicht unsere Absicht, diese allbekannte, von uns so oft durchreiste Fahrstrasse einzuschlagen. Unser Programm gieng vielmehr dahin, die Kette der Hügel und Berge von Samaria zu erklettern, die von O.-ten die Ebene von Saron einfassen. Wir wühlten also den Pfad, der vom Osten der Weinberge von Zichron-Jacob nach El-Burtikeh führt. Ungefähr nach einer Stunde gelangten wir nach Sindianeh. „Sindian" heisst „immergrüne Eiche" im Arabischen, und in der That ist diese Eiche (Quercus ilex) hier in Fülle anzutreffen, sie bildet einen vorwiegenden Theil der Flora der umliegenden Hügel. Im allgemeinen entwickelt sie sich busohartig — infoige der Schädigungen, die ihr von den Ziegenherden zugefügt werden. Jedoch weiden auch hier recht hohe, gut entwickelte Bäume angetroffen. Das Eichenholz von Sindianeh ist sehr gesucht, und die Araber haben schon die schönsten Bäume gvfällt, um das Material an die Stellmacherei nach Zichron- Jacob zu liefern; das Holz erwies sich zur Herstellung von Badnahen, Wellen u. s. w. als ausserordentlich geeignet. Im Uebrigen werden hier an der Seite dieser Eiche auch mehrere andere, wie die Quercus peduneulata und die Quercus robur angetroffen, und noch einige, die es verdienen, genau studiert zu werden. Um nach Sindianeh zu kommen, müsssen wir einige Hügel und schmale Wadis*) durchschneiden, deren Boden aus grobkörnigem Kalkstein gebildet ist, der im Innern weich und von einer weissen oder gelblichen Färbung» dessen Aussenschieht aber hart, kieselhaltig und aschgrau gefärbt ist. Zwischen diesem Gestern findet man eine Erde, an deren Entstehen die Verwitterung dieses Gesteins den grössten Antheil genommen hat und die durch Eisenoxyde und Oxyd nie roth gefärbt ist. Sie ist reich infolge der Verwesung von auf sie fallenden Blättern und Zweigen. Diese Hügel und Schluchten sind aber für eine landwirtschaftliche Ausnützung ungeeignet, da die Erdschicht zu dünn ist. Dagegen findet eine natürliche baumartige Vegetation für ihre Wurzeln Zutritt in dem weichen kalkigen Untergrund. Bei einer einigeririassen genügenden Aufsicht würden sich diese sämmtlichen Hügel von grossartigen Wäldern, namentlich Eichenwä 1 dern, überdec 1 cen. Merkwürdigerweise haben sich mehrere Besucher Palästinas, die auf ihren Märschen keinen Wäldern begegneten, veranlasst gesehen, die Behauptung nufzu- *) Wadi werden hier Wasserläufe genannt, die im Winbr das Regenwasser ableiten, im Sommer aber häufig als Wege benützt werden. Wir werden hier diese Bezeichnung beibehalten.

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