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Die Welt · 1901-10-11 · 41 (11.10.1901) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
41 (11.10.1901)
Article
Zweierlei Juden
Date
1901-10-11
Page
15 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 41 „Die & Welt Seite 15 Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (NacMrucJc verboten.) (Fortsetzung.) Tulpenthal trat an ihn heran: „Gut, nehmen wir an, ich hätte die Absicht, Ihnen meine Tochter zu geben. Aber Sie glauben doch nicht, dass Sie dann Ihr Geheimnis für sich behalten können?" „Das weiss ich. Ich möchte Ihnen mein Geheimnis erst am Tage meiner Verlobung enthüllen, doch so lange werden Sie nicht warten wollen. Deshalb bin ich sofort zu sprechen bereit, wenn Sie -sich schriftlich verpflichten, mir Ihre Tochter zu geben und den Nutzen, den Sie beim Hafenbau erzielen worden, mit mir zu theilen." „Den Nutzen vom Hafenbau? Aber Sie haben doch selbst gesagt, dass ich mein Vermögen dabei verlieren werde?" „Das hat nichts zu bedeuten. Ich will eine Schrift, die mich ermächtigt, stets freien Einblick in Ihre Bücher und Rechnungen zu nehmen und mir die Hälfte des erzielten Gewinnes zusichert." Tulpenthal gieng auf und ab. „Ist das eine Komödie oder liegt etwas Reales zugrunde? Wird er nicht lächerlich, wenn er ein solches Schriftstück aus der Hand gibt? Bah, eine solche Schrift! Und wenn er sie ihm auch zehnmal verspricht, so hat das doch nicht mehr Wert, als wenn man Erbsen an die Wand wirft. Und wenn er sogar willens wäre, ein solches Versprechen einzulösen, gibt es die Macht auf Erden, welche Emmy bewegen könnte, diesen kleinen hässlichen Buchhalter zu heiraten? Nun und dass er den beim Hafenbau erzielten Gewinn mit ihm theüen wolle, das kann er ohne weiteres versprechen. Kein Herrgott bringt da einen Nutzen heraus, ja er muss seine Zahlungen einstellen, wenn er nicht sein ganzes Vermögen dabei verlieren will. „Sie sollen das Schriftstück haben/' sagte er zu Moriz, „doch bloss unter der Bedingung, dass Sie mir es augenblicklich zurückgeben, Avenn ich auf Ihre Pläne nicht eingehe." „Das ist vollkommen in Ordnung,'* erwiderte Moriz. „Kann ich das Schriftstück sofort haben?" „Wenn Sie wollen, sofort." „Ich habe einen Entwurf bei mir." „Lassen. Sie sehen."' Moriz zeigte ihm ein zusammengefaltetes Papier, dass er zweimal aufmerksam durchlas. Dann ergriff er eine Feder und setzte seinen Namen darunter. „Hier haben Sie das Schriftstück," sagte Tulpenthal, „und nun sprechen Sie." * „Bitte! Ich habe mir die Hafenarbeiten ganz genau zu verfolgen erlaubt. Ich weiss von jedem Heller, der bisher verausgabt wurde und habe ausgerechnet, wie viel der ganze Bau beanspruchen wird. Sie werden daran zehn Millionen verlieren." „Weiter!" „Schön! Zehn Millionen verlieren Sie, weil Sie ungefähr drei Jahre hiudurch täglich ein Pönale von zehntausend Kronen zu bezahlen haben werden. Der Hafen soll in drei Jahren fertig sein und Sie wissen doch, dass Sie sechs Jahre dazu brauchen? Für drei Jahre haben Sie demnach Pönale zu zahlen."' „Weiter l" „In meiner Macht liegt es, Sie von diesem Pönale zu befreien. Sie werden keinesfalls bezahlen und diese zehn Millionen bleiben ihnen. Das aber wären erst zehn Millionen. — Sie lassen über Hals und Kopf arbeiten und müssen demnach den höchsten Taglohn bewilligen. Sie sollen aber mit Müsse arbeiten dürfen, fünf — sechs Jahre* so lange es ihnen beliebt. Wenn Ihnen aber die entsprechende Müsse eingeräumt wird, so bezahlen Sie den Tagiöhnern anstatt fünf Kronen bloss drei, und wenn die Arbeiter nicht mehr als drei Kronen bekommen., so muss Ihnen der Hafenbau einen Gewinn von zehn Millionen bringen. Diese zehn Millionen und das Pönale, welches Sie erübrigen, ergeben zusammen zwanzig Millionen. Von dieser Summe beanspruche ich fünf Millionen." „Soll ich sie Ihnen vielleicht sofort auszahlen?" „Sie spotten? In acht Tagen werden Sie anders sprechen. Sie wissen, dass unter den Arbeitern beim Hafenbau Dysenterie herrseht? Sie können das ja heute auch in einigen Journalen lesen. Eine Zeitung spricht sogar die Befürchtung aus, dass unter diesen scfüechtgenährten Arbeitern, die zumeist von Obst leben und aus dem verseuchten Flusse trinken., die Cholera entstehen könnte. Nun, die Cholera soll dort officiell ausbrechen, und da man drei- bis viertausend Menschen, wenn die Cholera unter ihnen herrscht, nicht beisammen lassen kann, so werden die Behörden eingreifen und die Arbeiten einstellen. Haben aber die Behörden die Arbeiten eingestellt, so ist die Vis major vorhanden. Vis major löst jeden Vertrag, somit auch den, welchen Sie mit der Regierung bezüglich des Hafenbaues abgeschlossen haben. Dann gibt es keine festgesetzte Frist mehr zur Vollendung des Hafens, und infolge dessen kann auch keine Rede von einem Pönale sein. Gibt es keine festgesetzte Frist und kein Pönale, so haben Sie die Arbeiter in Ihrer Macht, und bezahlen ihnen, was sie wollen, denn den Hafen werden ja, wenn die Arbeiten wieder aufgenommen werden dürfen, doch bloss Sie beendigen, weil Sie bereits soundsoviele Millionen darin investiert haben. Und wenn Sie den Hafen vollenden, ohne an eine Frist gebunden zu sein, liegt der Gewinn, den ich erwähnte, auf der Hand." Tulpenthal hörte den Auseinandersetzungen des kleinen Moriz mit eingekniffener Unterlippe zu. Er sann und sprach nichts. Nach einer Weile sagte er: „Und"wie wollen Sie das mit der Cholera anstellen?" „Das überlassen Sie ruhig mir. Sie wissen, mit Geld lässt sich alles durchführen. Ich benöthige zweimalhundertfünfzigtausend Kronen.*l „Sie wollen dort unten die Aerzte und die Behörden bestechen? Davon können Scandale entstehen und ich muss mich vor den Gerichten verantworten." (Fortsetzung folgt.) W^yVMMWWiN^WWMMVMVM«W^^ Mittheilungen des Acfions-Comites. Südafrika. Capstadt. Am Abend des 10. September fand in feierlicher Weise die Eröffnung der „Zionist Hall" in der Hope Street 27 statt. Der unter der Leitung des Mr. G. J ar etz kj stehende Chor leitete mit der Absingung des Psalms 2<i die Feierlichkeit ein, worauf die Büste Dr. Herzls enthüllt wurde. Die Herren A. Schmidt, J. Turbowitz und L. Genussow hielten zionistische Ansprachen. Mit der Absingung nationaler Gesänge schloss das schöne Fest. In Ausführung der Bestimmungen des Organisations- Statutes wird als letzter Tag der Sehekelzahlung der 17. Oetober 1901 festgesetzt. Die Sehekellisten sind an diesem Tc'ge abzuschließen und bis spätestens 31. Oetober an das Congressbureau einzusenden. Bis spätestens 10. November sind von den Landesorganisationen die Wahlen auszuschreiben, welche spätestens am 2(>. November 1901 beendet sein müssen. Die Namen und Adressen, der gewählten Delegierten sowie die Wald Protokolle sind bis spätestens 10. Deeember 1901 an das Congressbureau einzusenden. An die Vertrauensmänner: Zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes für den kommenden Congress werden die Vertrauensmänner ersucht, folgenden Fragebogen auszufüllen, eventuell an die Ihnen untergeordneten Vertrauensmänner weiter leiten zu wollen: 1. Wieviel Vereine existieren in Ihrem Bezirke., Rayon und Lande? 2. Wie lauten ihre Namen und ihre Wohnsitze? 3. Wie gross ist die Mitgliederzahl jedes Vereines? 4. Wie gross war die Mitgliederzahl jedes Vereines im Vorjahre? 5. Wieviel neue Vereine sind seit dem IV. Congresse enstanden? 6. Welche Vereine haben sich in der Zeit seit dem IV. Congresse aufgelöst? 7. Worin bestand die Thätigkeit der Vereine 1 8. Waren die Vereine rein zionistisch oder verfolgten sie auch Nebenzwecke? 9. Wie stellt sich percentuell die Zahl der Zionisten jeder Stadt zur Zahl der dort wohnenden Juden? Es wird gebeten, die Namen deutlich und mit lateinischer Schrift zu schreiben. Das Secretariat des Actio n s - Co mite s.

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