Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 41 (11.10.1901)
- Article
- Josef Israels und der Zionismus
- Date
- 1901-10-11
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 41 „Die & Welt** Seite 7 für einen demnächst in Berlin stattfindenden nationaljudischen Künstlerabend zur Verfügung zu stellen. -* Wir werden auf die künstlerische Bedeutung Josef Israels' in einer eingehenden Würdigung zurückkommen und hoffen, bald auch in anderem Zusammenhange über eine bedeutsame Ausstellung seiner nationaljüdischen Blätter berichten zu können. Ein jüdischer Studententag. Wir haben in unserer vorigen Nummer über den jüdischen Studententag berichtet, der am 15. Octo ber in Lemberg (im Saale des Vereines ,,J,:d Charuzim", Bernsteingasse) stattfindet. Im Gegensatze zu früheren galizischen Studententagen haben die zionistischen Studenten diesmal auch Andersgesinnte aufgefordert, an den Berathungen theilzunehmen. Auch sind die praktischen Punkte der Tagesordnung so gewählt, dass auch Nichtzionisten an den beschlossenen Actionen nutarbeiten konnten. Wir billigen dieses Princip, das neben der natürlichen Vereinigung durch die Idee eine Arbeitsvereinigung aller auf dem Boden eines lebendigen Judenthums Stehenden zu schaffen und so mittelbar auch die Sache des Zionismus zu fördern geeignet is+. Unserer Ansicht nach ist hierbei aber eines zu beachten: dass die gemeinsame Arbeit von dem Willen zur selbständigen Entwicklung des jüdischen Volkes beseelt sein muss, um im tieferen Sinne wertvolle Leistungen hervorzubringen. Von den Referaten ist schon jetzt etwas Gutes zu sagen: Sie sind praktisch und speciell genug gewählt, um nicht zu pathetisch-phraseologischem ,.Meinungsaustausch" Anlass zu geben. Es sind concrete Themen, die zur Discussion gestellt sind, und es ist zu wünschen, dass ihre Besprechung zu positiven, nüchternen, ausführbaren Resolutionen führen möge. Es ist anerkennenswert, dass die speciellen Gegenstände auf der Tagesordnung vor den allgemeinen stehen — ein Verfahren, das wohl einer löblichen Bändigung des jugendlichen üeberschwanges zuzuschreiben ist. Auf die einzelnen Fragen der Gonferenz werden wir im Anschlüsse an den Verhandlungsbericht zurückkommen. Organisationen für die Pflege jüdischen Wissens, für körperliche Hebung (Turnen und Sport), ein jüdisches Studentenheim — das sind gute und schöne Aufgaben. Auch die Erörterung allgemeinerer Probleme, die mit der Lage der jüdischen Jugend und ihrem Verhältnis zu Andersnationalen zusammenhängen, dürfte fruchtbare Gesichtspunkte ergeben. Wir wünschen unseren Freunden einen würdigen Verlauf und einen nachhaltigen Erfolg ihrer Veranstaltung. * Zu Punkt I) der Tagesordnung des jüdischen Studententages erhalten wir von Herrn stud. Jacob T Ii o n in Lemberg folgende Zeilen : Unter dem Titel „Ein Verein Jüdische Wissenschaft'"' Hess ich im Mai in unserem polnischen Parteiorgane „Wschod'* einen Artikel erscheinen , in dem ich die Initiative zur Gründung eines jüdisch-wissenschaftlichen Vereins unter unserer akademischen Jugend geben wollte. Ich beschäftigte mich dort hauptsächlich mit der Begründung der Existenzberechtigung und der Notwendigkeit einer solchen Institution, Avährend ich auf die praktische Durchführung und die Form, die sie haben sollte, fast gar nicht eingieng. Flüchtig erwähnte ich nur, dass der Verein die jüdisch-akademische Jugend von ganz Oeserreich umfassen sollte. Daran Hesse sich vielleicht sogleich Anstoss nehmen: es sei lächerlich, die jüdisch-akademische Jugend von ganz Oesterreich vereinigen, auf Distanz jüdische Wissenschaft pflegen zu wollen, es sei somit von vornherein ein verfehlter Gedanke. Ich will nun eingestehen, dass ich für den Anfang leichten Herzens auf eine so weite Dimension des Vereines verzichte, mich in der Arbeit um dessen Verwirklichung bloss auf Lemberg beschränke und überaus froh sein werde, wenn das Werk uns hier gelingt. Jedoch, meine ich, dass auch die blosse Bekanntmachung des Pianos den nicht polnisch lesenden Collegen manchen Nutzen bringen könnte. Zunächst möchte ich nicht das Wesen eines solchen Vereines zu hoch angeschlagen wissen. Ich meine nicht, dass die Jugend da eine, jüdische Wissenschaft begründen oder auch nur eine schon vorhandene intensiv fortentwickeln und auf würdiger Höhe erhalten sollte. Das könnte ja später einmal kommen: für den Anfang müsste man sich mit weit Geringerem begnügen. Unsere Jugend soll jüdische Wissenschaft pflegen, zunächst um ihrer selbst willen : sie soll ihr Volk kennen lernen, wie es war in seinen frühesten Kindheitsiahren, welchen Wog seine spätere Entwicklung genommen hat und wie es jetzt aussieht, um zu wisser:, wie es noch aussehen kann und wird. Die zionistische Jugend kann nur auf diese Weise, durch Vertiefung in die Volksseele, in den Geist des Judenthums, ihre Zusammengehörigkeit befestigen und ihrer Gesinnung eine tiefere und festere Basis geben. Jedoch auch die anders gesinnte Jugend, wie immer sie auch die Lösung der Juden frage herbeizuführen wünscht, dürfte davor nicht zurückschrecken. Sie soll gerade auf diesem Wege die wissenschaftliche Begründung ihrer Lösung suchen und, falls sie iie nicht findet, ehrlich genug sein, um eine bessere zu suchen. Jedenfalls können auch diese Elemente nicht leugnen, dass durch das Erforschen des Judenthums sie um ein Bedeutendes ihre Selbsterkenntnis fördern. Wie sie auch gesinnt sein mögen dem Judenthum gegenüber, sie können ihre thatsächliche jüdische Abstammung nicht verleugnen: wollen sie ihr eigenes Wesen genauer analysieren, so müssen sie das tjudenthum kennen lernen. Die Arbeit soll eine Massenarbeit sein, die den Begabtesten wie der grossen Menge von niittelmässiger Begabung eine Gelegenheit böte, ihr »Scherflein beizutragen. Da doch eine Wissenschaft, die ein ganzes Volk nach allen Richtungen seiner einstigen und jetzigen Existenz zum Gegenstande hat, unbegrenzt ist, findet jeder, "welchem Wissenszweig er auch immer sonst sich widmet, hier die Möglichkeit, in passender Weise an die Jndaistik anzuknüpfen. Speciell hätte jeder Zionist die Pflicht, in solcher Form die geistige X a t i o n a 1 s t e u e r abzugeben. Es ist" ein Gebiet, weit genug, um dem Juristen, Mediciner, Philosophen, Techniker. Theologen, Literar- und Kunsthistoriker hinreichende Gelegenheit zur Arbeit zu verschaffen. Welche weite Aufgabe hat z. B. der Jurist : die rechtlichen Verhältnisse, unter denen die Juden während der ganzen Diaspora lebten, zu erforschen, wie auch genaue Daten über die jetzigen ökonomischen, socialen und rechtlichen Zustände der Juden zu sammeln. Es sind dies ja nur Dinge, die. in erster Reihe fleissiges Quellenstudium erfordern, das dann ausgezeichnet verwertet werden könnte. Die Mediciner hätten manches über die Rassenreinheit der Juden zu sagen, die Abweichungen in ihrem physiologischen Bau (von denen'man spricht), ihre erblichen Krankheiten u. s. w. wissenschaftlich zu constatieren. Der Antheil der Juden an den Culturen fremder Völker wäre ja für viele ein äusserst ergiebiges und anspornendes Thema. Der Löwenautheil an der Arbeit würde freilich den Theologen zufallen, ihnen, die ja schon berufsmässig jüdische Wissenschaft betreiben und die die einzigen sind, denen hebräische Quellen zugänglich sind. So sollen wir denn mit Kleinem beginnen, aber auch nur beginnen. Denn ich sehe aus den anfänglich unbedeutenden Sehulpeusa immer tiefere und gelungenere Arbeiten herauswachsen und schliesslich auch hervorragende Leistungen entstellen. Finden wir unter unseren Senioren, unter denen doch Vertreter aller Wissenszweige sich befinden, Lehrer und Leiter (und ich hoffe, wir linden sie), dann mögen sie uns bei der Arbeit helfen : wenn nicht, so arbeiten wir selber. Die M assen -Arbeit w i r d a b e r z u e i n e r w a h r e n X a t i o n a 1 - A r b eil. s i c h, g e s t a 1 t e n. Amsterdamer Brief. Ein schönes Leben führen wh\ wir holländischen Juden. W enn wir Geld haben, ein grossartiges. AVenn wir keins haben, gehen wir unter dem Volk unserer Beschäftigung nach und erwerben den Lebensbedarf und ganz nebstbei ein paar Ausdrücke wie schmutziger Jud oder jüdischer Betrüger. Ist schon jemand davon krank "geworden? Wie konnte also Dr. Isidore Hen, unser (Gesinnungsgenosse, im vorigen Jahre schreiben, manches, ja vieles in Holland "sei für die Juden nicht gut? Die jüdischen Grossmächtigen protestierten aus Leibeskräften — vorsichtigerweise. Es könnte es schliesslich jemand glauben und unternehmungslustig von den Kahalohersten verlangen, sie sollten es besser machen. Und die thun wirklich schon ihr Menschenmöglichstes. Sogar jüdischen Unterricht gibt es. Der Lehrer bekommt zwar in den